Das Zeugnis der Apostel
an die geistlichen und weltlichen
Oberhäupter der Christenheit
aufgestellt im Jahre 1836
An die Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe
und anderen Vorsteher der Kirche Christi in allen Landen
und an die Kaiser, Könige, Fürsten und anderen Regenten
der getauften Nationen.
In dem Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes, des Einigen Gottes.
Amen.
Die Kirche Christi ist die Gemeinschaft aller, ohne Unterschied der Zeit und des Landes, welche im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft und durch ihre Taufe von allen anderen Menschen ausgesondert sind. Ein Leib, ein Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit, die Wohnstatt Gottes, der Tempel des Heiligen Geistes. Sie ist es, die den Willen Gottes allen Menschen erklärt und seine Wege lehrt.Sie ist es, in der Gottes Wort und Ordnungen bewahrt werden. So wird auch in ihr alle wahre Anbetung dargebracht, die Gott von seinen Menschenkindern empfängt. Durch sie sind alle Segnungen im öffentlichen und häuslichen Leben gespendet worden, welche die Christenheit ausgezeichnet haben. In ihr ist die alleinige Hoffnung des Menschen enthalten, und alle Mittel niedergelegt zur Erfüllung jenes Ratschlusses, dessen Gott wartet, und auf den alle Kreatur ängstlich harrt.
Und wie die Kirche die Gemeinschaft der Getauften ist, so ist die Christenheit die Gesamtheit der Nationen, welche als Volkskörper den Glauben der Kirche Christi angenommen haben und deren Häupter und Herrscher bekennen, dass alle ihre Gewalt von Gott abgeleitet ist, und dass sie ihre Throne an Christi Statt besitzen, bis Er kommen und das Reich einnehmen wird. Durch die Annahme der Salbung aus den Händen der Priester Gottes haben ihre Herrscher beides anerkannt, dass ihre Tüchtigkeit zur Regierung ihnen durch die Gnade des Geistes Gottes vermittelst Seiner Kirche gespendet worden ist; und dass sie selbst samt ihrem Volk in Gottes Wegen unterwiesen werden müssen von den Lippen derjenigen, aus deren Händen sie die Salbung empfangen haben. Die Christenheit ist einerseits eine einige Körperschaft, von allen andern Nationen der Erde dadurch unterschieden, dass sie die Lehren Jesu Christi als die Grundlage ihres Völkerrechtes und ihres Verkehrs mit einander anerkannt hat und durch ihre rechtmäßigen Organe als Nationen in ein Bündnis mit Gott gebracht worden ist, berechtigt zu allen Segnungen, aber auch verantwortlich für alle Pflichten und ausgesetzt allen Gerichten, welche mit diesem Bunde verknüpft sind. Andererseits besteht sie selbst aus unterschiedenen Nationen, jede durch ihre eigenen gesetzlichen Herrscher regiert, deren Macht durch ihr Bekenntnis des wahren Glaubens und durch die aus den Händen der Diener Gottes empfangene Salbung weder vermindert noch vermehrt, sondern nur geheiligt wird.
An diese Kirche wenden wir uns durch ihre Bischöfe, welche samt ihrer untergebenen Geistlichkeit jenes Priestertum überkommen haben, das am Tage der Pfingsten gestiftet wurde, und denen als Verwaltern desselben in ihren verschiedenen Stellen, Parochieen und Sprengeln, die Seelen der Getauften durch unsern Herrn Jesum Christum, den großen Hirten der Schafe, anvertraut sind.
Und an diese Christenheit, an diese im Bunde mit Gott stehenden Nationen, wenden wir uns durch ihre gesalbten Häupter, Könige und Regenten, deren anerkannte Pflicht es ist, nach Gottes Gesetzen zu regieren und Sein Wort von Seiner Kirche zu vernehmen. Ja, wir bitten euch um geneigtes Gehör, ihr heiligen Väter der Kirche, und ihr königlichen Herrscher und Würdenträger, und beschwören euch um Christi willen und in Seinem Namen, dass ihr unser Wort weder ungehört lassen, noch rasch und unbesehen verwerfen wollt, als redeten wir es anmaßlich aus uns selber! Denn wir beteuern, von Ihm Auftrag erhalten zu haben, der euer und unser Haupt ist: Dem wir nicht wagen ungehorsam zu sein; Der uns richten wird, wenn wir in eigener Überhebung uns unterfangen, solches zu tun, Der aber auch euch richten wird, wenn ihr die, denen Er einen Auftrag an euch gegeben hat, verwerfen würdet.
Der ewig lebendige und unwandelbare Gott, der im Anfang das Licht hervorleuchten ließ aus der Finsternis, hat sich in allem Seinem Verfahren mit den Menschen als denselben barmherzigen und gnädigen Gott gezeigt, der da stets bereit ist zu vergeben. Und immer wenn die Menschen sich durch ihre Ungerechtigkeiten in Elend gebracht hatten, ist Er in ihrer dunkelsten Stunde gegenwärtig gewesen, nicht allein, um sie von dem vorhandenen Übel zu befreien, sondern auch sie in Seinem gnädigen Ratschlusse weiter zu fördern. Als der Mensch gesündigt hatte, und die ganze Schöpfung dadurch in unheilvolles Verderben verwickelt schien, war Er schnell da mit der Verheißung des Heils, welches kommen sollte durch den Samen derselben, die zuerst die Übertretung eingeführt hatte. Danach, als die Kinder Gottes sich verderbet hatten, und die Welt der Gottlosen vertilgt werden sollte, gebot Er Noah, zur Errettung seines Hauses eine Arche zu bauen. Und als nach der Sintflut die Menschen den Dienst des wahren Gottes vergessen hatten, erwählte Er Abraham und seinen Samen, dass sie Seine Gläubigen sein sollten inmitten des allgemeinen Götzendienstes. Er befreite sie von den Götzen und der Knechtschaft, Ägyptens durch die Hand Mosis und Aarons. Er gab ihnen Sein lebendiges Wort. Er setzte sie zu Bewahrern der Hoffnung der Welt; Er brachte sie in Frieden in das Land ihres Erbes. Und oftmals erhörte Er ihr Schreien in ihrem eigenen Lande und erweckte Richter, um sie aus der Gewalt der Feinde zu befreien, in deren Hände Er sie hatte geben müssen. Als sie um ihrer Sünde willen hinweggeführt worden waren nach Babylon, so folgte Er ihnen auch dahin und brachte sie zurück, um die Stadt ihrer Väter und den Tempel ihres Gottes wieder zu bauen. Und als sie zuletzt unter dem Schein der Gottseligkeit, der verhängnisvollsten Decke des Abfalls, mit einem heuchlerischen Eifer für dasselbe Gesetz, das sie durch ihre Überlieferungen entkräftet hatten, das Maß ihrer Ungerechtigkeiten erfüllten; als Er um dieser Dinge willen sein königliches Priestertum, Sein eigen Volk, hatte hinabsinken lassen bis zur tiefsten Stufe politischen Daseins; – als Sein Tempel schon entweiht und Seine heilige Stadt, die Stadt des großen Königs, unter die Füße getreten worden war, – als die Stimme des Propheten längst nicht mehr gehört wurde; und alle Zeichen der Gegenwart und des Schutzes Gottes verschwunden waren; – als Seine Verheißung dahinzufallen und Seine Gnade für immer aus zu sein schien : da war Seine Verheißung und Gnade ihrer Erfüllung am nächsten. Die Fülle der Zeiten war gekommen, und Gott sandte Seinen eingeborenen Sohn, dass Er durch den Heiligen Geist Fleisch ward, geboren von der seligen Jungfrau, ein Licht zu erleuchten die Heiden und zum Preise Seines Volkes Israel. Und als der Herr der Herrlichkeit, das Licht des Lebens, gekreuzigt, gestorben und begraben war, erweckte Er Ihn von den Toten, als den Erstling der Entschlafenen, und gründete durch die Ausgießung des Heiligen Geistes Seine Kirche, Seinen Tempel, und machte Wohnung unter den Menschen. Und obwohl zu Zeiten Seine Kirche in die äußerste Not geraten ist, obwohl sie mehrmals mit gänzlicher Zerstörung durch äußerliche Gewalt bedroht war und in die tiefe Verderbnis bis zum Erlöschen alles Lebens versenkt zu sein schien, so hat doch Gott immer sein Volk bewahrt. Der Herr Jesus Christus hat sich immer als den Fels des Heils für Seine Kirche bewährt; und noch heute, in dieser späten Stunde der Geschichte der Welt und der Kirche, hat Gott Seine gesalbten Priester, denen Er wiederum Seinen Willen kund machen kann zum Gehorsam des Glaubens.
Und ist dies nicht eine Zeit, da Gott hervortreten sollte, Sein Volk heimzusuchen? - da Er Seine Stimme erheben sollte zu allen, die noch treu geblieben sind, während die Gottlosen überhand nehmen? Wenn wir überall hören, wie die Wasserwogen brausen; wenn die, so in ihrem Herzen denken, die Zeit sei gekommen, alle Throne zu stürzen und Gottes Altäre abzubrechen, sich erheben gegen allen Glauben und alle heilige Scheu, und ratschlagen wider Gottes Gesalbten; wenn den Leuten bange wird vor Furcht und Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden: soll da nicht Gott, der immer derselbe Gott ist, der nie Seine Kirche verlassen noch versäumt hat, aufstehen und das Toben der Völker schelten, die Herzen Seiner Kinder, welche zu Ihm nach Hilfe aufschauen, trösten, die Ungerechtigkeit richten und zwischen Rein und Unrein scheiden? Zumeist aber, sollte er nicht erscheinen zur Hilfe der gesalbten Priester Seines Altars und der gesalbten Könige der Christenheit, und ihnen von neuem bestätigen, dass Seine Macht die ihre ist zur Erfüllung aller ihrer Pflichten, und dass es, trotz alles Anscheines, als hätten die Pforten der Hölle die Kirche des lebendigen Gottes überwunden, dennoch kein leeres Wort war, welches unser HERR Jesus Christus Seinen Aposteln beim Abschied zurief: “Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden; siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende”.
Niemand kann die schrecklichen Gefahren verkennen, welche euch von allen Seiten umgeben, niemand leugnen, dass euch jedwede Hilfe und jeder gute Rat von Gott not tue. Ja, auf allen Gebieten! Sei es angesichts der Beseitigung aller alten Grenzsteine und des Abbruchs aller Lebensordnungen; oder gegenüber der Tatsache, dass überall die Ehrfurcht gegen diejenigen, die da Vorsteher sind in dem Herrn, dahinschwindet: bei den Kindern gegen ihre Eltern, bei den Dienenden gegen ihre Herrschaften, bei den Untertanen gegen die Obrigkeiten. Oder man sehe auf die Verachtung gegen das priesterliche Amt und Leugnung der heiligsten göttlichen Wahrheiten, als seien sie wider die Vernunft; oder endlich auf jenes freche unverhüllte Geständnis der Ungläubigen und Empörer: es sei nun ihr fester Entschluss, das Werk, welches das letzte Jahrhundert unvollendet gelassen hat – die Auflösung aller bisherigen sittlichen, religiösen oder politischen Grundsätze und die Zerstörung aller vorhandenen Einrichtungen in Staat und Kirche – durchaus zu vollenden, um auf den Trümmern des christlichen Glaubens und der jetzt bestehenden Regierungen, unter dem Namen der Freiheit das neue Zeitalter einer atheistischen Anarchie aufzubauen!
Niemandem ist unbewusst, wie viele den Christenglauben um seiner selbst willen hassen, wie viele mehr noch ihn angreifen, weil er das Bollwerk für alle Regierung und gute Ordnung bildet; und in welcher unheilvollen Gemeinschaft viele, sogar angebliche Gläubige, aber durch die falschen Lehren eines unwahren Liberalismus Irregeführte, sich mit den Un-gläubigen zusammenfinden, um die Zerstörung der christlichen Verfassung bei den europäischen Nationen (zunächst die Auflösung der Verbindung zwischen Kirche und Staat) zu bewerkstelligen – ein Streben, welches nicht bloß gegen jene verderblichen Formen dieser Verbindung gerichtet ist, in denen die Kirche zur Magd des Staates erniedrigt, oder der Staat einer die weltliche Gewalt usurpierenden Priesterschaft unterworfen worden ist, sondern gegen die rechtmäßigsten Formen, ja gegen jede Form, in der die Religion einen Einfluss und eine Macht auf die öffentlichen Angelegenheiten ausüben soll. Und wie wenige selbst unter denen, die nicht in den Reihen der tätigen Angreifer stehen, verstehen das Leben des christlichen Berufes, die Autorität des christlichen Priesters oder die Würde des christlichen Königs! “König von Gottes Gnaden” der alte Titel christlicher Fürsten, wird noch als eine Form in den meisten europäischen Monarchien beibehalten, aber in wie wenigen ist es mehr als eine alte Erinnerung, ein letzter Schimmer von dem Bewusstsein der Verpflichtungen, die man vormals als wirkliche empfand, sowohl seitens der Herrscher gegen Gott und Seine Kirche, als seitens der Untertanen gegen den Stellvertreter Christi! Die Gefahr der gegenwärtigen Zeit besteht nicht bloß in dem bereits gemachten Fortschritt der Zerstörung und Entsittlichung, sondern in der allgemeinen Vergessenheit dessen, was die christliche Kirche, und dessen, was ein christlicher Staat ist – ein nationales Bündnis mit Gott.
Weil die Menschen dies vergessen haben, erscheint die Schar der Getauften heute in hundert Sekten zerrissen und zerspalten; geschieden voneinander sowohl in den äußeren Formen ihrer Verfassung und ihres Gottesdienstes als in ihren Lehren und ihrem ganzen Geiste; sich beißend und fressend und bereit, einander aufzuzehren. Wobei man entweder sich zufrieden gibt, es müsse so sein - indem sie weder unterscheiden den Leib des Herrn, dass er einer ist, noch welche Sünde das Schisma sei; – oder indem man alle andern außer sich verflucht und sie als Verworfene dem Untergang überlässt, uneingedenk des Bruderbundes und des heiligen Namens, der allen Getauften gemeinsam beigelegt ist. Unter den Priestern selbst besteht jeder Grad von Meinungsverschiedenheit in Sachen der Lehre, und der Zucht. Sogar die Einheit der römisch-katholischen Kirche ist nur ein leerer Name. Außerhalb des Gebietes, in welches sie sich durch ihre Bannstrahlen eingezäumt hat, umfassen die griechischen und protestantischen Kirchen ebenso zahlreiche Bekenner als sie. Im Inneren aber erstreckt sich ihre Einheit lediglich auf die Symbole des Glaubens und die äußeren Formen des Gottesdienstes; und selbst in diesen gestattet sie Verschiedenheiten (z.B. den unierten Griechen), während sie zugleich in dem Herzen ihrer Geistlichkeit, nicht minder als anderswo, Abweichung und Spaltung findet, die darum nicht geringer ist, dass sie sich unter den Mantel vorgeblicher Übereinstimmung verhüllt.
Durch dieselbe Unwissenheit über die göttliche Wahrheit geschieht es ferner, dass der allgemeine Ruf durch die Welt tönt, die Macht stamme vom Volk, und dieses sei ihre rechtmäßige Quelle, – eine Lehre, die die Wurzel alles bisherigen Gehorsams antastet, die es in eines jeden Ermessen stellt, wem er gehorchen will, die die Regierer zu Dienern der Regierten und für die Erfüllung des ihnen von Gott anvertrauten Amtes vor Menschen verantwortlich macht. Daher wird jede Monarchie als Tyrannei angefeindet; jeder Zügel und Zwang der Leidenschaften wird als etwas den natürlichen Rechten des Menschen Zuwiderlaufendes empfunden; jeder Versuch, die Presse zu beaufsichtigen, selbst wenn sie zum Verderben der Sittlichkeit oder zur Verbreitung offener Empörung dient, wird missbilligt; und der große Haufe des Volkes in jedem Lande, unkundig der wahren Grundsätze und verderbt durch die Lehren des Unglaubens, wird zum bereitwilligen Werkzeug für die Hände derjenigen zugerichtet, die ihre Leiter sind oder werden wollen. In manchen Ländern Europas mag die Gefahr weniger dringend erscheinen und das Volk gegenwärtig noch durch militärische Gewalt niedergehalten werden; aber die nämlichen verwüstenden Grundsätze sind überall wirksam. Auch sind sie nicht beschränkt auf die untersten Klassen; jeder Stand im Leben, vom Bauern bis zum Vornehmsten, ist davon durchdrungen. Auf dem Lande mag das Übel weniger offenbar sein, weil es da selten zu Taten schreitet; aber in den großen Städten ist seine Kraft desto mehr entwickelt. Da sind die Bollwerke Satans, da wurzeln und wachsen alle bösen Leidenschaften und Strebungen; in ihnen werden die Lehren des Atheismus und der Gesetzlosigkeit ausgebrütet, der ungezügelte Hass gegen alle Autorität, der Neid gegen den Reichtum, gegen Rang und Verdienst; hier werden Verbrechen jeder Art ersonnen und ausgeübt; hier werden die Pläne zu Aufständen, Empörungen, Gottlosigkeit, Zerstörung, Plünderung geschmiedet, und von Stadt zu Stadt verbinden sich die Menschen zum Werke des Umsturzes.
Auch die welche in den regierenden Stellen sowohl im Staat als in der Kirche stehen, können sich nicht genug in acht nehmen, demselben zu verfallen. Wenn die Geistlichkeit ihren Begriff von der Kirche auf die, welche ihrer Sekte angehören, beschränken will; wenn sie vergisst, dass alle Getauften ihrer Herde, ihre Kinder bilden, gleichviel ob ungehorsam oder gehorsam, ob sie abirren von der Herde oder gläubig hören auf die Stimme ihrer Hirten; wenn sie alle Trotzigen und Ungläubigen ausstoßen und wegwerfen will, statt sie mit den Seilen der Liebe festzuhalten, mit denen Gott die Gemeinden an die Hirten geknüpft hat; dann beweisen sie selbst dem Volke, wie wenig sie den heiligen Bund Gottes, das Familienband Seiner Hausgenossenschaft, zu würdigen wissen und verleiten durch ihr Beispiel das Volk, sein Vaterhaus gering zu achten und leichtsinnig zu verlassen. Ach, die Kirche Christi hat nur zu oft in ihrer Geschichte erlebt, dass leichtfertige Exkommunikation das geeignete Mittel ist, die Kommunion verächtlich zu machen.
Wenn die Könige und Herrscher ihrerseits nicht bedenken wollen, dass die Regierung Gottes Ordnung ist, zum Besten der Regierten und nicht der Regenten; wenn sie ihre Macht gebrauchen wollen, um ihrer Herrschsucht oder Rachsucht zu frönen, und vergessen, dass sie nicht die Tyrannen, sondern die Väter ihres Volkes sind, und zwar die Väter aller, nicht einer Partei; wenn sie, statt Gott zu offenbaren, der der Wohltäter und Erhalter aller Seiner Geschöpfe ist, nur als Menschen erscheinen, die ihre Nebenmenschen unterdrücken, so heißt das nicht herrschen von Gottes Gnaden, sondern durch Menschenwillkür oder vielmehr durch rohe Gewalt. Damit liefern sie freilich ihren Untertanen einen bequemen Vorwand dafür, dass Herrschaft und Autorität von Menschen stamme und darum auch besser von den Vielen als von den Wenigen ausgeübt werde.
Stimmt aber gar der gesalbte König oder der gesalbte Diener Christi dem Frevel dieser letzten Tage – der bürgerlichen und religiösen Zuchtlosigkeit – freiwillig bei, geben sie aus einem falschen Prinzip der Nachgiebigkeit gegen die öffentliche Meinung oder um augenblicklicher Ruhe oder ihrer weltlichen Interessen und Ehren willen ihre Stellung als Gottes Ordnung auf und erkennen selber das Volk als die Quelle ihrer Macht an und üben dieselbe nach der stets wandelbaren Volksstimme aus, oder wenn die Priester Gottes sich herbeilassen, Diener nicht der Einen Kirche, sondern einer der vielen Sekten zu sein, die sich in dem Tempel etabliert und ihr Idol zur öffentlichen Aufnahme in den pantheistischen Kultus des Zeitalters gebracht haben; wenn endlich die Herrscher im Staate das Ansehen, womit sie Gott betraut hat, vor der angemaßten Majestät des Volkes verhüllen, und statt nach Gottes Gesetzen, die da ewig sind, regieren wollen nach einer scheinbaren Nützlichkeit, die stets wechselt. weil sie von den launenhaften Bewegungen des Volkes abhängig ist; – wenn in der Tat einige in diese verhängnisvolle Schlinge gefallen sind und über ihre Verderbtheit nicht Buße tun, noch, soweit sie dies rechtmäßig können und dürfen, den Irrtum ihres Weges berichtigen wollen, im Aufblick zu Gott, der sie aus der selbst aufgeladenen Knechtschaft deren, über die sie herrschen sollten, befreien kann; – wenn es wirklich dahingekommen ist, dann wahrlich hat die Krankheit das eigentliche wahre Herz des Lebens erreicht – Gott ist nicht bloß verworfen, sondern verraten, und Er hat dann nur die Zornesschalen Seines verzehrenden Gerichtes auszugießen.
Die wahren Grundsätze bleiben dieselben für jede Form der Regierung, mag die höchste Gewalt unter mehrere verteilt sein oder in der Hand eines einzigen liegen. Ebenso wenig kommt es darauf an, welche Organe die höchste Gewalt ausüben. Unsere Worte beziehen sich ebenso sehr auf den obersten Magistrat in einer Republik und auf den Geist, in dem er eine durch das Gesetz des Gemeinwesens bestimmte Gewalt zu üben hat, als auf den unumschränktesten Monarchen. Wo Macht geübt wird, muss es geschehen aufgrund strengen Gehorsams und ernster Verantwortlichkeit gegen Gott, und nicht mit Nachgiebigkeit gegen die verkehrten Leidenschaften der Untergebenen; denn ihre Quelle ist Gott und nicht das Volk.
Aber wie auch immer das frühere Verhalten oder die gegenwärtige Gesinnung der Einzelnen beschaffen sein mag, welche in Kirche und Staat regieren; die furchtbare Krisis, der die Dinge in beiden entgegen eilen, ist klar vor aller Welt. Einige mögen sich damit schmeicheln, dass sie Mittel und Geschicklichkeit besäßen, den Strom zu hemmen. Einige mögen die Hoffnung hegen, dass sie über den Sturm gebieten und seine Wut in eine bequeme Bahn lenken könnten. Aber die Weisen und Klugen, selbst unter den Kindern dieser Welt, denken nicht so. Sie sehen einen den Horizont der Welt verdunkelnden Revolutionssturm kommen, den Anbruch eines Tages des Grimmes, der Trübsal und Angst, schwanger mit Ereignissen und Wendungen, die sie gern vorausbestimmen möchten, die aber aller Berechnung spotten. Die Erfahrensten erwarten mit bestürzten Sinnen das sichere Unheil, das sie nicht abzuwenden wissen. Die, welche nach dem Maße ihrer Erkenntnis Gott noch so treu sind, um den von Ihm geordneten Gewalten zu gehorchen und die Kirche als die verlobte Braut Jesu Christi zu ehren, trauern über die Verachtung der Autorität und über die Herabwürdigung von allem, was einst heilig und ehrwürdig geachtet wurde; und während sie ihre Hoffnung und ihr Vertrauen auf Gott festhalten, wissen sie doch weder, von welcher Seite sie Hilfe erwarten sollen, noch auf welche Weise sie geschafft werden wird. Inzwischen wächst das Toben derer, die sich gegen Gott erheben, von Tag zu Tag, und die Übertreter nehmen überhand. Die Grundsätze, welche in dem letzten Jahrhundert zum großen Teil auf Frankreich beschränkt waren und der Revolution dort den Weg bahnten, sind jetzt in jedem Lande Europas tätig, werden in allen Volksliteraturen ausgekramt und bilden den Grundton jeder Rede an das Volk. Die Mittel, um die Katastrophe aufzuhalten, mindern sich zum Erschrecken und verlieren täglich mehr an Kraft. Bereits ist in den meisten Ländern Europas die tempelräuberische Hand nach dem Eigentum der Kirche ausgestreckt worden. Die erste Tat dieser Art hat den Grundsatz und das Beispiel für alle folgenden geliefert, der erste Bissen der Beute hat die Gier nach mehr gereizt, und jener Geist zögernder Nachgiebigkeit, welcher zugleich die Unlust der Machthaber verrät zu bewilligen, wie ihre Unfähigkeit zu verweigern, dient nur dazu, Stoff zu noch größerem Unheil aufzuhäufen, das Gebäude tiefer und sicherer zu untergraben, den Trieb zum Bösen zu entzünden, bis die Flut der Ungerechtigkeit jedem flachen Damm unaufhaltsam durchbrechen und niederwerfen, jedes Gefühl von gesetzlicher Treue, jeden noch vorhandenen Rest von Pietät und Gottesfurcht aus dem Volke weit und breit mit sich wegschwemmen wird.
Noch gibt es solche, die zwar die Wirklichkeit und den furchtbaren Charakter der herannahenden Gefahren einräumen, aber wähnen, dass dies nur ein vorübergehender Sturm sei, der wie zerstörend immer wieder in seinem Gange, doch nur die Grundsätze, welche die Gesellschaft verpestet und aufgelöst haben, hinwegfegen werden, eitler Wahn! “Mene, Mene, Tekel, Upharsin: Gott hat dein Königreich gezählt und vollendet”, die Zeit des Endes ist gekommen; “Du bist auf der Waage gewogen und zu leicht gefunden worden; dein Königreich ist zerteilt und anderen gegeben worden” – dies steht heute so gewiss an jeder irdischen Institution, staatlichen wie kirchlichen, geschrieben, wie vor alters an den Palastmauern des Königs zu Babylon. Wenn aber Rettung zu erlangen ist, so muss Gott die Ursache des Unheils und den Weg der Rettung aufdecken; denn diese Dinge sind Gottes Gericht über die, welche Ihn, Seine Wege und Werke von alters verlassen haben; sie sind die Rache des Herrn für einen gebrochenen Bund, – der Fluch, welcher herannaht, das Land zu fressen, “denn das Land ist entweiht von seinen Einwohnern; denn sie haben die Gesetze übertreten und die Gebote geändert und gebrochen den ewigen Bund” ! O täusche dich nicht, Kirche des lebendigen Gottes, und ihr Nationen der Getauften! Das ist keine vorüberziehende Wolke, kein vorübergehendes Übel, kein zufälliges oder nur seine Zeit währendes Ereignis, aus dem ihr wieder hervortauchen werdet, um zu bleiben, was ihr waret. Die Geschichte der früheren Trübsale, aus denen ihr wieder hervorgegangen seid, und alle Erfahrungen der Vorzeit werden euch hier verlassen. Sie traten ein in Zeiten, wo die Unwissenheit der Massen zwar ein Herd der Gefahr war, aber zugleich das unbewusste Mittel bot, bessere Grundsätze zu bewahren. Aber jetzt liegt alles offen; jedes Gebiet menschlicher Erkenntnis ist durchforscht, jedes Vermögen in eine Burg Satans verwandelt, welcher Menschen gefunden hat, die sich als seine willigen Werkzeuge, entschlossen, bewusst und mit Bedacht dazu hergeben, sein Werk zu fördern. Die Zeit der Unwissenheit ist nicht mehr, “der Verstand ist groß geworden” in allen Dingen, nur nicht für das Verständnis Gottes und Seiner Wege; denn Seine Furcht, welche ist “aller Weisheit Anfang” weicht von der Erde! Und doch gibt es noch eine Zuflucht, eine sichere Bergungsstätte, ein inneres Heiligtum, eine Festung; und diese Zufluchtsstätte, dies Heiligtum, ist in Seiner Kirche; aber es kann nur erlangt werden durch eine Rückkehr zu den alten Pfaden, von denen wir längst abgewichen sind, durch eine Lossagung von den lang gehegten Sünden, die Gott betrübt und bewogen haben, von uns zu weichen, und durch die Wiederherstellung der Mauern Zions für ein Volk, das den Herrn, Seinen Gott, mit Tränen der Buße sucht. Es sind jene Zäune des Weinbergs des Herrn, jene Ordnungen, jene ewigen Ordnungen Jesu Christi, unter welchen die Gläubigen zuerst zu Seiner Kirche erbaut wurden, uns gegeben, auf dass Gott der Herr unter uns wohne. Denn wo Er wohnt, da ist Sein Zelt, ein Schatten vor der Hitze des Tages, eine Zuflucht, wenn die Tyrannen wüten wie ein Ungewitter wider eine Wand.
Daher mit aller euren heiligen Ämter gebührenden Ehrfurcht, o ihr ehrwürdigen Väter, denen die Seelen aller Kinder Gottes anvertraut sind – und ihr erhabene Fürsten, deren von Gott stammende Würde euch über alle eure kirchlichen und weltlichen Untertanen erhebt, und deren Thronen wir mit der Huldigung nahen, die den Gesalbten Gottes zukommt – bitten wir euch, der Botschaft, die wir vor euer Ohr bringen, Gehör zu geben, und zu prüfen, ob nicht Gott in Wahrheit Sein Volk heimgesucht hat, wie in den Tagen vor alters. Und obgleich wir die geheimen Wurzeln und Quellen sowohl der Übel, unter denen die Christenheit seufzt, als die viel schrecklicheren, welche noch kommen werden, offen darlegen müssen, indem wir die Sünden der Könige und Priester während vieler Geschlechter, wie die Übertretung und den Abfall aller Getauften zeichnen, so werdet ihr doch finden, dass Gott euch nicht verlassen noch vergessen hat. Möge Seine Gnade mit euch sein, dass ihr höret und verstehet!
Der ewige Gott, der durch Sein Wort Himmel und Erde und alles, was darinnen ist, gemacht hat, schuf den Menschen nach Seinem eigenen Bilde und gab ihm den Auftrag, dass er sich die Erde untertan machen und herrschen sollte über alle lebenden Wesen, die sich darauf regen. Gott machte ihn und alles sehr gut und gab ihm dies eine Gebot, von allen Bäumen des Gartens, wohin ein Gott ihn gesetzt, zu essen, nur nicht von dem Bäume der Erkenntnis des Guten und Bösen; denn an dem Tage, da er von demselbigen essen würde, werde er des Todes sterben.
Dennoch aß der Mensch und fiel, mit ihm fiel diese Schöpfung; durch ihn kam die Sünde in die Welt, und der Tod durch die Sünde. Das Ebenbild Gottes ward entstellt, Seine Geschöpfe gerieten in Elend, und Sein Werk zerfiel in Trümmer.
Aber Gott, der da reich ist an Gnaden, hatte in Seiner großen Liebe, mit der Er uns geliebt, schon die Wege versehen, wodurch Er Seine Schöpfung erlösen und wieder herstellen und allen Seinen Rat mit den Menschen erfüllen wollte. Aus Seinem Schoße sandte Er den Sohn Seiner Liebe, der aus Liebe und um unseres Heils willen Seine ewige Herrlichkeit verließ und, obwohl gezeugt vor Grundlegung der Welt, Gott von Gott, wahrer Gott vom wahren Gott, in die Welt geboren ward, empfangen vom Heiligen Geist, und geboren von der Jungfrau Maria. Er ward Fleisch und wohnte unter uns. Er nahm die vorher bestimmte Gestalt an, nach welcher der Mensch im Anfang geschaffen war. Er nahm an den Samen Adams, ja den Samen Abrahams und verband ihn in Sich selbst für immer in eine unzertrennliche Einheit mit der Gottheit. – Gott und Mensch in einer Person für immer vereinigt; Gott und Mensch durch eine Person für immer versöhnt, ohne Möglichkeit einer Scheidung; die gefallene Kreatur Gottes wieder erworben, ohne Möglichkeit eines neuen Falles; Leben aus dem Tode heraufgebracht durch die Auferstehung – wiedergeborenes Leben – Leben, das nie wieder sterben soll. Und denen, welche dieses Lebens teilhaftig gemacht sind und überwinden, wird Er geben zu sitzen mit Ihm auf Seinem Throne, wie Er überwunden hat und ist gesessen mit Seinem Vater auf Seinem Stuhl. So wird in dem ewigen Bestande dieses Königtums Gottes Ratschluss mit der Schöpfung erfüllt werden; denn die zukünftige Welt soll dem Menschen untergetan sein, und er wird herrschen über alle Werke der Hände Gottes.
Und hierin hat Gott Seine Gerechtigkeit geoffenbart, auf dass Er gerecht wäre und gerecht mache den, der da glaubt an Jesum. Denn durch sein heilig Leben erwies sich der Gottmensch als das unschuldige und unbefleckte Lamm, und durch Seinen Tod brachte Er ein aalgenugsames Opfer für uns. Er litt für unsere Sünden, der Gerechte für die Ungerechten. Er ist die Versöhnung für unsere Sünden und für die der ganzen Welt. Er hat uns Gott erkauft, nicht mit Silber oder Gold, sondern mit Seinem eigenen teuren Blute. Darum hat Ihn auch Gott hoch erhöht und allen Menschen versichert, dass Sein dargebrachtes Opfer für uns angenommen ist, indem Er Ihn von den Toten auferweckt und zu Seiner Rechten gesetzt hat. Und nun Er erhöht ist, hat Er empfangen vom Vater die Verheißung des Heiligen Geistes. Denselben hat er denen gegeben, welche glauben, dass sie erbaut werden zu einer Wohnung Gottes im Geiste; dass sie als lebendige Steine auferbauet werden zu einem geistlichen Hause und zu einem heiligen Priestertum, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesus Christus, wisset ihr nicht, o ihr Getauften, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst; denn ihr seid teuer erkauft.
Darum so preiset Gott an eurem Leibe und an eurem Geist, welche sind Gottes. So hat Gott, indem Er den Adam nach Seinem eigenen Bilde schuf, als in einem Geheimnis die zukünftige Herrlichkeit des Menschen und den künftigen Bestand der Welt unter Seiner Herrschaft gezeigt; und durch die spätere Geschichte Adams hat Er gleichfalls in einem Geheimnis die zukünftige Herrlichkeit der Kirche, als der Braut des Lammes und der Genossin Seines Thrones offenbart; denn es steht geschrieben: “Gott der Herr ließ einen tiefen Schlaf auf Adam fallen, und er entschlief. Und Er nahm seiner Rippen eine und schloss die Stätte zu mit Fleisch. Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die Er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Und Adam sprach: “Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch –, darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein ein Fleisch”. Hiervon gibt St. Paulus eine Erklärung in seinem Brief an die Epheser, da er spricht: “Christus hat geliebet die Kirche und hat Sich selbst für sie gegeben, auf dass Er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, auf dass Er sie Ihm selbst darstellte, eine Kirche, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder dessen etwas, sondern dass sie heilig sei und unsträflich. Wer sein Weib liebet, der liebt sich selbst, denn niemand hat jemals sein eigen Fleisch gehasset, sondern er nährt es und pfleget sein gleichwie auch der Herr die Kirche; denn wir sind Glieder Seines Leibes, von Seinem Fleisch und Seinem Bein”. Und danach, mit Wiederholung des Wortes Adams: “Um deswillen wird ein Mensch verlassen Vater und Mutter und seinem Weibe anhangen, und werden die Zweie ein Fleisch sein”. Dies ist ein großes Geheimnis, ich sage aber von Christus und der Kirche “O glorreiches Geheimnis der Berufung der Kirche, dass sie sein soll von Seinem Fleisch und von seinem Bein; obwohl getrennt und geschieden von Ihm, obwohl unendlich viel niedriger in Hinsicht auf die Würde Seiner göttlichen Person; doch für immer erhoben auf Seinen Thron und die Genossin Seiner Herrlichkeit! O unendliche Herablassung des Anbetung würdigen Sohnes Gottes, dass Er durch Sein eigen Kreuz und Leiden uns Ihm selbst darstellt als eine herrliche Gemeinde ohne Flecken und Runzel! Sie soll vollendet werden in Seinem gesammelten Volke, und die Stimme vieler Donner und soll verkünden: “Halleluja, denn der Herr, der allmächtige Gott, hat das Reich eingenommen. Lasset uns freuen und fröhlich sein und Ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und Sein Weib hat sich bereitet”. Die Zeit muss ja kommen, da dies Wort in Erfüllung gehen wird; denn es ist geschrieben in dem Buche der Wahrheit von der künftigen Herrlichkeit der Kirche. Nun ist es ihre höchste Pflicht, die Hoffnung dieser Herrlichkeit festzuhalten, sich auf die Begegnung ihres Herrn und Bräutigam zu bereiten und nach Seiner Erscheinung zu verlangen, der, wie Er vorangegangen ist zur Rechten des Vaters, um Seinen Jüngern eine Stätte zu bereiten, auch wiederkommen und sie zu Sich nehmen wird, auf dass wo Er ist, auch sie bei Ihm seien, zu schauen Seine Herrlichkeit, Ihm gleich gemacht in Seiner Herrlichkeit; denn sie werden Ihm gleich sein, sie werden Ihn sehen, wie Er ist. Ja, wie ein Weib, wenn sie gebiert – denn unter diesem Bilde hat der Herr selbst Seinen Jüngern die Zeit Seiner Abwesenheit prophetisch beschrieben – gleich wie ein Weib, wenn sie gebiert, Traurigkeit hat, dieweil ihre Stunde gekommen ist, so sollten sie Traurigkeit haben, bis Er sie wiedersehen werde; dann sollte ihr Herz sich freuen, und ihre Freude niemand von ihnen nehmen.
Dies ist der ewige Ratschluss Gottes mit Seiner Kirche, und die Mittel zur Ausführung dieses Ratschlusses, die Mittel, wodurch der Mensch, in Sünden empfangen und geboren, dieses Heiles teilhaftig werden soll, lassen sich in zwei Worten bezeichnen: es sind die Sakramente des Lebens, und die von Gott zur Entfaltung dieses Lebens verordneten Ämter. Diese zwei Stücke entsprechen jenem eben angegebenen zwiefachen Vorsatz Gottes: Seinem Vorsatz nämlich mit dem Menschen, als an sich betrachtet, und mit Seiner Kirche, als dem Leibe Christi, der Braut, die für Sein Kommen zubereitet werden soll. Und ebenso entsprechen sie dem doppelten Werke Jesu Christi auf Erden: Seinem Leben im Fleische, in dem Er unser Vorbild ist, der da heilig, unschuldig und von den Sündern abgesondert war, und dem Zeugnisse, welches Er für Gott ablegte, indem Er den Vater offenbarte, des Vaters Werke wirkte, Seine Botschaft ausrichtete, das Evangelium predigte und die Haushaltung der Gnade bei den Menschen einführte.
Die von Jesu Christo eingesetzten Sakramente, welche die unmittelbarste und innigste Beziehung zu dem Leben haben, welches Gott uns in Seinem Sohn gegeben hat, sind: das Sakrament der Taufe, gestiftet zur Mitteilung dieses Lebens durch Wiedergeburt aus dem Herrn Jesu Christo, welcher ist der zweite Adam, der lebendig machende Geist; und das Sakrament des Heiligen Abendmahls, wodurch dieses Leben erhalten, gestärkt und erneuert und seine fortwährende Betätigung gesichert wird.
In dem Sakrament der Taufe gebraucht Gott das Element des Wassers zur Abwaschung der Sünden und zu unserer Erlösung, als Antwort eines guten Gewissens gegen Gott durch die Auferstehung Jesu Christi. Es ist das Bad der Wiedergeburt, wodurch uns Gott in Seiner großen Gnade rettet; denn, die wir tot waren in Übertretung und Sünden, werden zu Kindern Gottes, nicht geboren vom Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott; und durch die Mitteilung dieses Lebens werden wir in der Tat und Wahrheit Glieder des auferstandenen Herrn Jesu Christi; über welche der Tod keine Gewalt mehr hat, lebendige Reben an dem rechten Weinstocke. Demgemäss erinnert uns St. Paulus in seinem Brief an die Römer, dass wir begraben sind mit Christo durch die Taufe in den Tod, damit, gleich wie Christus auferwecket ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also auch wir in einem neuen Leben wandeln; und dass wir, wissend, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, auf dass der sündige Leib aufhöre, uns dafür halten sollen, dass wir der Sünde gestorben sind, und leben Gott in Christo Jesu unsern Herrn.
In dem Sakrament der heiligen Kommunion wird das also gepflanzte Leben beständig ernährt durch das Essen des Fleisches und durch das Trinken des Blutes Jesu Christi. Das Brot, welches in der Kirche Christi gebrochen wird, ist wirklich und wahrhaftig die Gemeinschaft Seines Leibes, Dessen Leben am Kreuz ausgegossen ward, aber in dem nun nach Seiner Auferweckung aus den Toten, als in dem verklärten Leibe, das ewige Leben wohnt. Der Kelch, der in der Kirche Christi gesegnet wird, ist wirklich und wahrhaftig die Gemeinschaft Seines Blutes, und durch dasselbe werden die Gläubigen zu einem Geiste getränkt; es ist der Wein des Reiches, der Wein der Freude und Seligkeit, der Kelch des Heils. Und das ist die wahrhaftige, eigentliche und verordnete Wirkung dieses heiligen Sakramentes, das durch die mächtige Kraft Gottes die lebendigen Glieder des Leibes Christi zu solcher nahen Gemeinschaft, zu solcher Einheit und wechselseitigen Einwohnung mit Ihm gebracht werden – Er in ihnen und sie in Ihm – ja, zu solcher Gemeinschaft Seiner Macht und Gnade, dass die Tugenden Seiner verklärten Menschheit so naturgemäß und unwillkürlich an ihnen zum Vorschein kommen sollten, wie die Trauben an den lebendigen Reben eines Weinstocks. Sie sollen das wahre Leben Christi offenbaren im sterblichen Fleische, als geschrieben steht: “Wer da sagt, dass er in Ihm bleibe, der soll auch wandeln, gleich wie Er gewandelt hat”; und wiederum: “Wer da isset mein Fleisch und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und Ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibet in Mir und ich in ihm. Wie Mich gesandt hat der lebendige Vater, und Ich lebe durch den Vater, also wer Mich isset, derselbige wird auch leben durch Mich”.
Einzig durch die Taufe wird die Kirche von der Welt unterschieden. Jede Unterscheidung, durch welche nur ein Teil der Getauften als das Volk Gottes hingestellt werden soll, ist eine Erfindung von Menschen, die da meinen, ihre eigenen Bündnisse mit Gott machen und Sich Sein Gericht anmaßen zu können. So ist auch einzig das Fleisch und Blut Jesu Christi die Lebensspeise Seines Volkes, und jedes andere Mittel der Erhaltung, wodurch dieses verdrängt wird, ist bloßes Werk von Menschen, die sich von Trebern nähren und prassen ohne Scheu. Denn die Kirche Gottes ist keine flüchtige, schwankende Abstraktion, die von den Trennungen, Bündnissen, Meinungen oder Handlungen der Menschen abhinge, sondern eine feste unerschütterliche Stiftung Gottes, ins Leben gerufen durch Seine Tat und bestehend durch sichtbare und greifbare, von Ihm verordnete Symbole. Und diese sichtbaren und greifbaren Symbole, so unfähig sie in sich selbst und vor den menschlichen Sinnen sind, irgendeine geistliche Wirkung hervorzubringen, sind gleichwohl der Prüfstein und, recht empfangen, der wahre Triumph des Glaubens; eine beständige Erinnerung und kräftige Erweisung, dass Dasein, Gestalt und Fortdauer der Kirche allein von Gott und in keiner Weise von den Menschen kommt, aus denen sie besteht. Sie sind weder leere Zeichen wesenloser Dinge, noch sind sie bloß ein besonders geeigneter Ausdruck geistlicher Wahrheiten, der von Gott angegeben oder durch eine Übereinkunft der Menschen gefunden worden wäre; noch auch sind sie bloße Erinnerungszeichen von Segensspendungen, die anderswie oder nebenher empfangen oder auf unsichtbare Weise genossen würden. Sondern sie sind wirkliche Handlungen Christi inmitten Seines Volkes, die das, was sie ausdrücken. bewirken; es sind eben Sakramente, sichere Unterpfänder Seiner Liebe und Treue, womit Er die in dieselben gelegten Segnungen spendet. Sie besiegeln schon durch ihre Verwaltung den Bund mit Gott und die Segnungen wie die Verpflichtungen, die darin liegen. Sodass jeder getaufte Mensch gerichtet werden wird nach dem Bunde, als einer, der das Leben aus Gott empfangen hat, und jeder, der des Brotes und Kelches teilhaftig geworden ist, wird gerichtet werden als teilhaftig des Leibes und Blutes des Herrn. Ihm ist kein Rückzug mehr offen, sondern nur noch ein Fortschritt, entweder zur vollkommenen Seligkeit oder zum gänzlichen und ewigen Abfall.
Aber diese heiligen Gebräuche können nur verwaltet werden gemäß dem Gesetz der Kirche Gottes, durch die, welche hierzu Vollmacht empfangen haben; und diese Vollmacht kann allein ausgehen von dem Herrn Jesu Christo, dem Haupte Seiner Kirche, entweder unmittelbar, oder durch diejenigen, die Er zu ihrer weiteren Verleihung gebraucht. Damit kommen wir zur zweiten Klasse jener Mittel, durch welche Gottes Plan mit der Kirche ins Werk gesetzt wird, nämlich zu den von Gott verordneten Ämtern, durch welche der Herr Jesus Christus in Seiner Kirche wirkt, um die Heiligen zu vollenden und vor der Welt ein Zeugnis abzulegen.
Zuerst aber bemerken wir, dass der Herr Jesus Christus das Haupt Seines Leibes, der Kirche, von allen anderen Wesen unterschieden, und niemand sonst Ihm gleich ist. Und Er hat jenes einzige Werk zum Heil der Menschen vollbracht, kein anderes, auch nicht auf eine andere Weise. Denn einzig so war es des Vaters Wille: darum weil es genau dem vorgesetzten Zwecke entsprach, der nach Gottes Ratschluss nur auf diese Weise erreicht werden konnte. Gerade so verhält es sich aber mit der Kirche, dem Leibe Christi. Nichts sonst kann der Leib Christi sein, und nichts kann ihm gleich sein. Er ist, was er ist durch Ordnung und Stiftung Gottes zur Erfüllung eines einzigen Zweckes und Vorsatzes; und diesem Zwecke ist er in allen seinen Teilen angepasst. Wenn also Gottes Vorsatz erfüllt werden soll, so kann die Kirche nichts verschiedenes oder anderes sein, als so, wie Er sie gestiftet hat. Ist sie also jemals von ihrer ursprünglichen Verfassung abgewichen, ist ihre von Gott verordnete Organisation irgendwo mangelhaft geworden, so muss diese Abweichung wieder geregelt und berichtigt und das, was schadhaft geworden ist, erneuert werden. Die Zeit muss kommen, wo jener Vorsatz erfüllt wird, und zwar auf dem Wege und durch die Mittel, welche Gott angegeben hat; denn Seine Kirche wird nimmer dahinfallen – sie ist der Leib Seines Sohnes. Darum, wenn die Zeit kommt, wird die Kirche alle die Werkzeuge wieder erhalten, womit Gott sie versehen, und sie wird wieder in der Vollständigkeit gesehen werden, die Er ihr am Anfang gegeben hat.
Zum andern: Das Zeugnis, welches Gott von sich selbst der Welt gibt, geschieht nicht durch eine ungeordnete verschiedenartige Masse, sondern durch eine harmonisch geordnete, sichtbare Körperschaft. Gott ist unwandelbar, und der Charakter der Kirche kann ebenso wenig verändert werden als Er selbst, der sie in allen ihren Teilen geordnet hat. Ihr Wesen aber ist kein anderes, als wie Er selbst es in seinem Worte beschreibt; und keine Versammlung, kein Bund, keine Vereinigung oder Körperschaft, welche sie sei oder welchen Na-men sie auch führe, ist die Kirche – wie sie nach Seinem Sinn und Vorsatz sein muss, wenn sie nicht der Beschreibung entspricht, die Er von ihr gegeben hat.
Nun legt der Apostel Paulus an vielen Stellen seiner Briefe gelegentlich und ohne Zusammenhang, am vollständigsten und bestimmtesten aber in seinem ersten Briefe an die Korinther und im Briefe an die Epheser dar, welches die Verfassung der Kirche ist, wie Gott sie gestaltet hat; welches ihre vornehmsten Glieder und Teile sind; und welches der Zweck und Plan ist, der in der Kirche durch das Zusammenwirken und die Handreichung jener verschiedenen Teile erreicht werden soll. Daraus heben wir die folgenden Sätze hervor. Im ersten Brief an die Korinther im zwölften Kapitel setzt Paulus zunächst die Verschiedenheit der Gaben in verschiedenen Menschen im Leibe Christi auseinander, wobei er sich des Vergleichs mit dem menschlichen Leibe bedient, der da nicht ist Ein Glied, sondern viele Glieder, aber nur Ein Leib, woran jedes Glied des anderen bedarf. Danach fährt er fort: “Ihr seid aber der Leib Christi und Glieder, ein jeglicher nach seinem Teile, – und Gott hat gesetzt in der Gemeinde aufs erste die Apostel, aufs andere die Propheten, aufs dritte die Lehrer, danach die Wundertäter, danach die Gabe gesund zu machen, Helfer, Regierer, mancherlei Sprachen”. Und in seinem Briefe an die Epheser im vierten Kapitel spricht er: “Es ist ein Leib und Ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufs; Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater unser aller, der da ist über euch alle und durch alle und in euch allen. Einem jeglichen aber unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß nach der Gabe Christi. Darum spricht Er: Er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängnis gefangen geführt und hat den Menschen Gaben gegeben. Und Er hat etliche gesetzt zu Aposteln, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, für die Zubereitung der Heiligen zum Werke des Amtes, zur Erbauung des Leibes Christi, bis dass wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden, der da sei in dem Maße des vollkommenen Alters Christi; auf dass wir nicht mehr Kinder seien und uns wiegen und wägen lassen, von allerlei Wind der Lehre durch Schalkheit der Menschen und Täuscherei, damit sie uns erschleichen zu verführen. Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an Dem, der das Haupt ist, Christus, aus welchen der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hänget durch alle Gelenke, dadurch eins dem andern Handreichung tut nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seinem Maße und machet, dass der Leib wächst zu seiner selbst Besserung und das alles in der Liebe”.
Von den vier Klassen oder Ordnungen von Menschen, unter welchen der Apostel in der zuletzt angeführten Stelle die Ämter der christlichen Kirche zusammenfasst (wobei die in der vorigen Stelle sonst noch erwähnten eingeschlossen sind), ist eine jede, wie wir wissen, für ein besonderes bestimmtes Werk, das nicht durch eine der anderen Klassen gehörig erfüllt werden kann, weil jede das einzige und für ewig verordnete Werkzeug ist, wodurch Gott je eine bestimmte Aufgabe ausrichten will. So hat auch jede ihre besondere Beziehung zum Menschen, jede ihre besondere Arbeit am Menschen und eine den verschiedenen Charakteren der Menschen genau entsprechende Bedeutung. Der Eine ist mehr dem Einfluss der Autorität und Weisheit zugänglich, die das Eigentümliche des Apostels ist; eines Anderen Gewissen wird leichter überführt durch prophetische Äußerungen; ein Dritter lässt sich williger überzeugen, wenn er die frohe Botschaft hört, die der Evangelist predigt, während andere sich am liebsten der Pflege des Hirten und dem Unterricht des Lehrers hingeben, zu dessen Füßen sie beim Erwachen ihres geistlichen Lebens sich finden. Dies ist ebenso wahr von der Wirkung dieser Ämter innerhalb der Kirche als in bezug auf die Welt außer ihr: die Heiligen müssen vollendet werden nicht bloß durch den mittelbaren, sondern auch durch den unmittelbaren Dienst eines jeden dieser Ämter und so das Werk des Amtes nach innen sowohl wie nach außen erfüllt werden. Nicht durch den Dienst eines oder zweier derselben, sondern durch den Empfang des Segens aller soll das Kind heranwachsen zum vollkommenen Mannesalter, denn es ist Gottes Gesetz und Ordnung in Seiner Kirche, dass durch diese vier Ämter, nicht durch mehr oder weniger, jenes Wachstum erreicht werde. Jedes einzelne derselben und alle zusammen sind erforderlich, um Gottes Herrlichkeit zu offenbaren; sie sind die Gaben, durch deren Darreichung Gott sich herablässt, unter Menschen zu wohnen, und gerade zu diesem Ende sind sie gegeben. Mit anderen Worten, sie sind die Ordnungen, wodurch die wesentliche Güte und Segensfülle, die in Gott ist, der Welt geoffenbart und in den Schoß der Kirche geschüttet wird. Sie sind von Gott notwendigen und darum für ewig bestimmten Kanäle, durch welche diese göttliche Güte und Segnung ihren natürlichen Weg findet, um sich dem Menschen zu offenbaren und ihm zuzuströmen. Und soweit sie weggenommen und nicht sämtlich in voller Tätigkeit sind, ist der Glanz Seiner Güte verdunkelt, sind Seine Segnungen aufgehalten und hört die Kirche auf, die Wohnung Gottes, die Stätte Seiner Herrlichkeit und die Verkünderin Seiner mannigfachen Weisheit an die Fürstentümer und Herrschaften im Himmel zu sein.
Darum trug der Herr Jesus Christus, der den Vater offenbarte – denn wer Ihn sah, der sah den Vater, – alle diese Ämter in Sich, solange Er auf Erden war. Er war der Apostel unseres Bekenntnisses, der Gesandte Gottes, erfüllt mit der Weisheit Gottes, in Worten der Weisheit und heiligen Lehre, in Weisheit der Leitung und Regierung. Er war auch der Prophet, mächtig in Worten und Taten, der Offenbarung der Geheimnisse Gottes, der Deuter Seines Wortes. Er war der Evangelist, der Prediger des Evangeliums an die Armen, gesalbt zu heilen die Kranken, Wunden und Zerschlagenen. Er war endlich der gute Hirte, welcher Sein Leben ließ für die Schafe, und der Lehrer von Gott gesandt.
Auf gleiche Weise will sich aber Gott durch Christus Jesus noch offenbaren in Seinem Leibe, der Kirche. Christus selbst ist zur rechten Hand Gottes; Er allein enthält die ganze Fülle der Gottheit und vereinigt in Sich alle Strahlen der göttlichen Herrlichkeit: “denn es war das Wohlgefallen des Vaters, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte”; und “aus Seiner Fülle empfangen wir alle Gnade um Gnade”. Aber ein jeder von uns nur nach seinem Maße, wie der Apostel sagt: “Gleicherweise als wir in Einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben: also sind wir viele Ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des anderen Glied; und haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist”. Daraus folgt, dass alle vier Ämter, wodurch Gott erkannt und mitgeteilt werden soll, und welche in Jesus Christus vereint waren, in Seiner Kirche je durch verschiedene Glieder ausgeübt werden müssen. Und gleichwie Er am Anfang durch diese Ämter in Seiner Person der Welt Zeugnis ablegte, Seine Kinder sammelte und, die Er gesammelt hatte, segnete und tröstete; so wollte Er auch in Seiner Kirche durch dieselben bis an das Ende der Tage zeugen, sammeln, segnen. Aber das alles nicht durch das Wirken eines einzigen Menschen denn sonst wäre dieser der Träger der ganzen Fülle, wie es doch nur allein der Herr Jesus Christus selbst sein kann, vielmehr dadurch, dass Er jene mannigfaltigen Ämter verschiedenen Gliedern austeilt, so dass jeder seine eigene Aufgabe erfüllt und keines eine andere sich anmaßt; weil sonst die Eigentümlichkeit der verschiedenen Teile des Leibes verletzt werden, und ein Glied zum andern würde sagen können: “Ich bedarf deiner nicht”.
Denn die Kirche ist kein Phantasiegebilde; auch ist es keine bloße Redefigur, wenn sie “der Leib Christi” heißt, oder ihre verschiedenen Teile Glieder dieses Leibes. Die Kirche ist etwas wirkliches, sichtbar, fühlbar, begrenzt – eine Gemeinschaft von Menschen, die durch mannigfache Beziehungen zueinander und zu Ihm, ihrem Haupte, in eine so wahrhaftige und wirkliche Einheit gebracht sind, dass der menschliche Leib sie nur unvollkommen darstellen kann, ja nur ein äußerliches Bild, einen Schattenriss der Kirche abgibt, während sie selbst das große Original und Urbild des göttlichen Gedankens ist. Ebenso wenig sind die Gaben, welche Er für die Menschen empfangen und den Menschen gegeben hat, unpersönliche Einflüsse oder Ideen, sondern sie selbst sind lebendige Menschen, mittelst welcher die Fülle, die in Ihm ist, Seiner Kirche durch die Wirkung des Heiligen Geistes gespendet wird. Daher sagt der Apostel: “Nachdem Er aufgefahren ist in die Höhe, hat Er den Menschen Gaben gegeben; und Er hat etliche gegeben – nicht Menschen, nicht Gaben – als Apostel und etliche als Propheten und etliche als Evangelisten und etliche als Hirten und Lehrer”.
Auch sind sie nicht bloß gegeben für eine Zeit, die bereits vorüber wäre. Der Zweck, der durch sie erreicht werden soll, ist noch nicht erfüllt, und durch sie allein kann er erfüllt werden, denn die Heiligen sind noch nicht vollendet, das Werk des Amtes hat noch nicht sein Ende erreicht, der Leib Christi ist noch nicht erbaut; das ganze Volk Gottes noch nicht in Einheit des Glaubens hinangelangt zu dem vollkommenen Manne, zu dem Maße der Größe der Fülle Christi; die Kirche ist bis jetzt noch nicht als eine fleckenlose Jungfrau zubereitet zur Hochzeit des Lammes. Bis aber dieses Ziel erreicht und das Vollkommene erschienen ist, lassen sich die von Gott dazu verordneten Werkzeuge nicht entbehren, und darf ihre Tätigkeit nicht unterbrochen werden. Dies wird noch deutlicher werden, durch eine Betrachtung jeder eigentümlichen Aufgaben dieser verschiedenen Ämter.
Die Heilige Schrift gibt uns Aufschluss über die besonderen und bestimmten Zwecke, warum Apostel gegeben wurden. Sie sollten unter Christus die Häupter und obersten Regierer der katholischen Kirche sein; ferner die Quellen und Verkündiger der Kirchenlehre; und endlich durch Auflegung ihrer Hände den Heiligen Geist spenden, sowohl zur Versiegelung aller Gläubigen, als zur Ordination der Diener des Hauses Gottes. Diese letztere Vorrichtung begreift im Grunde schon die beiden ersten in sich. Denn die Ordnung, durch welche der Heilige Geist der Kirche dargereicht wird: die Priester geweiht und bei der Versiegelung und Konfirmation der Heiligen die Charismen ausgeteilt werden, je wie der selbige Geist will – diese Ordnung muss notwendiger Weise dieselbe sein, wodurch sowohl die Diener regiert, als alle äußeren Dinge der kirchlichen Verwaltung bestellt werden, und der Sinn der Kirche geleitet und erleuchtet wird. Solche Funktionen kann aber, soweit die biblische Offenbarung uns sehen lässt, niemand anders ausrichten als nur Apostel und die unmittelbar und persönlich von ihnen Delegierten. Den Aposteln wurden diese Pflichten vom Herrn selbst anvertraut. Daher wurde ihnen das Amt der Schlüssel übertragen, zu lösen und zu binden auf Erden – das Sinnbild und Unterpfand jener höchsten Gewalt, welche Jesus durch sie übte und immer üben wird. Deshalb behielt Er sie immer in Seiner Nähe, dass Er sie unterrichtete, nicht allein öffentlich, sondern auch sonderlich. Schon vor Seinem Leiden hat Er sie gereinigt durch Sein Wort und nach Seiner Auferstehung unter ihnen verweilt bis an den Tag, da Er aufgenommen ward, indem Er ihnen Seine Gebote übergab, mit ihnen redete vom Reiche Gottes, ihnen das Verständnis der Schrift öffnete und ihnen gebot – und zwar ausschließlich ihnen: “hinzugehen und alle Völker zu Jüngern zu machen und sie zu taufen und sie alles halten zu lehren, was Er ihnen geboten hatte”. Darum gab Er ihnen in der letzten Stunde vor Seinem Leiden die Verheißungen des Heiligen Geistes und gebot ihnen bei Seiner Himmelfahrt, auf deren Erfüllung zu warten. Apostel, und nur Apostel, kennt die Schrift als das Zentrum der Autorität, der Lehre, der Einheit für die ganze sichtbare Kirche Christi auf Erden, bis Er zum andern Male in Seiner Herrlichkeit erscheinen wird, ohne Sünde, zur Seligkeit denen, die auf Ihn warten. Und übereinstimmend damit wird in der Geschichte der Kirche, in der Apostelgeschichte gesagt, dass die Gläubigen im Anfang beständig blieben in der “Apostel Lehre und Gemeinschaft”. Daher brachten auch die, so Äcker und Häuser hatten, wenn sie dieselben verkauften, das Geld, und legten es zu der Apostel Füßen. Desgleichen, als das Amt der Diakonen errichtet werden sollte, waren es “die Zwölfe” welche die Menge zusammenriefen, und daher blieben auch, als die Kirche durch Verfolgungen zerstreut wurde, die Apostel allein zu Jerusalem. Die Apostel sind die Gründer der Kirche, nicht dieser Kirche oder einer anderen, sondern der Einen, heiligen, katholischen, daher apostolischen Kirche: – der Grund, worauf die lebendigen Steine erbaut werden, und das beständige Mittel, wodurch der ganze Bau des lebendigen Tempels, der Kirche, in Einheit des Geistes und Lebens, der Lehre und Verwaltung erhalten sollte. Das ist das Amt der Apostel, wie es die heilige Schrift klar beschreibt und seinen Wirkungskreis bestimmt!
Das Amt der Propheten ist nicht minder genau abgegrenzt. Der Prophet ist der Kanal, wodurch der verborgene Sinn Gottes in der Kirche kund gemacht wird, durch Offenbarung, nicht in Form der Lehre, – die Lehre der Kirche ist der “Apostel Lehre” – auch nicht in der Weise des Gebotes: “gedenket, sagt St. Paulus, an die Worte, die euch zuvor gesagt sind von den heiligen Propheten, und an unser Gebot, die wir sind Apostel des Herrn und Heilands”, sondern als Licht von Gott, durch welches die Apostel erkennen können, wie sie in der Ausübung ihres Regiments in der Kirche Christi verfahren sollen. Die Propheten sollten die mancherlei Geheimnisse, die im Gesetz und in den Propheten des Alten Testaments enthalten sind, offenbaren, damit die Apostel sie der Kirche als heilige Lehre darreichen können. So richten sie denselben Dienst aus und treten persönlich und unmittelbar zu den Aposteln in dasselbe Verhältnis, in welchem die alten Propheten und die ganze Haushaltung des Gesetzes zur apostolischen Kirche der Getauften steht. Denn St. Petrus sagt: “den Propheten ist es geoffenbart, dass sie nicht ihnen selbst, sondern uns dargereicht haben die Dinge, welche euch nun verkündigt sind von denen, die euch das heilige Evangelium gepredigt haben durch den Heiligen Geist, vom Himmel gesandt”. Endlich sollen sie den Willen Gottes bezüglich Seiner Diener, die Er im Amte gebrauchen will, erklären, welchen dann die Apostel durch die Ordination zu vollstrecken haben, wie St. Paulus in seinem Brief an Timotheus sagt: “Dies Gebot befehle ich dir, mein Sohn Timotheus, gemäß den zuvor über dich ergangenen Weissagungen, dass du in denselben eine gute Ritterschaft übst”; und abermals sagt er: “Ich erinnere dich, dass du erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist durch Auflegung meiner Hände”; und abermals: “Lass nicht außer acht die Gabe, die dir gegeben ist durch Weissagung mit Handauflegung der Ältesten”. In diesem allen sind die Propheten gleichsam die Ergänzung der Apostel, als der Grund, worauf die Kirche gebaut ist; sie sind die Kanäle zur Offenbarung der Geheimnisse, deren Haushalter die Apostel sind; sie sind das an einen dunklem Ort scheinende Licht, bei welchem jene sichere Schritte tun können.
Der Evangelist ist eine dritte Gabe mit ebenso genauen Grenzen seines Amtes wie die beiden vorhergehenden. Er ist der Prediger des Evangeliums, der von Aposteln bestellt wird und seine Sendung empfängt, der getragen, genährt und ausgerüstet wird im Schoße der Apostolischen Kirche und von da aus beides hinausträgt: das Licht der Wahrheit und die Kraft des Lebens, die Botschaft des kommenden Reiches und des kommenden Gerichtes, sowie die Kunde, dass Gott eine Zufluchtsstätte aufgerichtet hat, die Kirche Christi, in der allein Heil ist. Auf seinem Gange “heilt er die Kranken, treibt die Teufel aus und weckt die Toten auf” und hat er durch die Predigt des Wortes mit Zeichen und Wundem, die Gott durch ihn wirken mag, die Herzen der Hörer der Kirche zugezogen und sie durch die Taufe in dieselbe aufgenommen, so ist sein Amt erfüllt; und stracks folgt er seiner Sendung weiter und predigt das Evangelium anderen Orten, wie wir das an dem Beispiel Philippus des Evangelisten im 8. Kapitel der Apostelgeschichte sehen.
Während dies die Pflichten der drei eben erwähnten Ämter sind: dass der Evangelist die, welche seinem Wort glauben, aus der Welt sammelt und durch die Taufe ihnen das geistliche Leben, Gottes gewisse Gabe und Zusage für die Gläubigen spendet; dass Apostel und Propheten der Grund sein sollen und die ersten zugleich die Baumeister auf dem einzig wahren Grunde, Jesus Christus, so werden die Kinder Gottes, die also in die Kirche geboren sind, der Aufsicht und Pflege der Hirten und Lehrer, die zu diesem Amte durch die Hände der Apostel geweiht sind, anvertraut. Die Hirten sind es, welche unter der Aufsicht der Apostel die geistliche Leitung über die Getauften ausüben und über ihre Seelen zu wachen haben, wie geschrieben steht: “Gehorchet euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen”; und abermals: “Erkennet an, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch vermahnen”. Von den Hirten wird auch die Herde Gottes mit gesunden Worten der Lehre, wie sie sie von Aposteln erhalten haben, genährt, und die Schafe und Lämmer Jesu Christi geweidet, wie St. Paulus zu den Ältesten von Ephesus sagt: “Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, über welche euch der Heilige Geist gesetzt hat zu Bischöfen zu weiden die Gemeinde Gottes, welche Er durch Sein eigenes Blut erworben hat”. Und ebenso sagt St. Petrus, welchem der Herr besonders diesen heiligen Auftrag gegeben hatte: “Die Ältesten, so unter euch sind, ermahne ich, der Mit-kälteste, weidet die Herde Gottes, so euch befohlen ist und haltet die Aufsicht, so werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unverwelkliche Krone der Ehren empfangen”. Und während die Apostel das Regiment führen und die Speise der Lehre darreichen und den Heiligen Geist mitteilen im Gebiet der Gesamtkirche (wie sie denn im Anfang selber die ganze Priesterschaft, die Hirten und Lehrer der Kirche allein waren) – so bilden die sonderlich sogenannten Hirten nun die Kanäle, durch welche die Unterordnung unter die Apostel, dieselben Segnungen ausgespendet werden, je innerhalb bestimmter Amtsgrenzen; nicht dass sie wirken dürften wo es ihnen beliebt, sondern an der Herde “so ihnen befohlen ist” und “unter welcher sie sind”.
In den ersten Tagen der Kirche zu Jerusalem waren die beiden allein in Wirksamkeit getretenen Ämter der Apostolat, die Hauptschaft im Regiment, und der Diakonat, die Hauptschaft im Gehorsam - Priestertum und Gemeindedienst. Aber die Zunahme der Gläubigen zu Jerusalem selbst und bei weiterer Ausbreitung des Evangeliums die Bildung selbständiger Gemeinden an anderen Orten erforderte die Dienste noch anderer im Priestertum. In unvermeidlicher Folge und gemäß der natürlichen Entwicklung jeder einzelnen Kirchengemeinde erhob sich daher die christliche Hierarchie, die sich für jede besondere Gemeinde mit den notwendigen Unterordnungen und verschiedenen Pflichten jedes Ranges der Kirchendiener vollständig ausbildete. Aber dieselben sind sämtlich doch nur da, um das Hirten- und Lehramt an den einzelnen Gemeinden der Getauften auszurichten und auch jedem Individuum nahezubringen. Zwar das Priestertum, Episkopat und Hirtenamt der christlichen Kirche ist ein einiges; das unterscheidende Merkmal dieser vierten Amtsklasse besteht aber darin, dass, während die Apostel, Hirten und Aufseher mit allgemeiner Jurisdiktion und oberster Vollmacht sind, diese mit einer von Aposteln bloß abgeleiteten und für ein beschränktes Gebiet bestimmten Autorität ausgestattet worden und darum notwendig den Aposteln unterworfen sind. Ein Apostel, der ein Bischof werden und insofern seine Hirtenpflichten auf eine bestimmte Diözese oder Anzahl von Personen beschränken wollte, würde seine pastorale Aufgabe nicht länger in der Weise eines Apostels, sondern eben nur in der eines Bischofs handhaben. Und ein Bischof, welcher allgemeine Jurisdiktion beanspruchen würde, gäbe den besonderen Charakter eines Bischofs dran und nähme es auf sich, ein Apostel zu sein. So findet nach der Einrichtung der Kirche Gottes das Priestertum seine allgemeine Entfaltung in dem Apostelamt, seine beschränkte und besondere Ausübung aber in den Dienern der besonderen Gemeinde. Die Apostel vertreten das Eine Priestertum und den universalen Episkopat; die Hirten und Lehrer in ihren verschiedenen Stufen haben mit ihnen an diesem Einen Priestertum Anteil, um dessen Funktionen an allen Gemeinden der Heiligen auszurichten. Aber wie kein einzelner Bischof, so können auch alle zusammen nicht das bestimmte Amt und die damit zusammenhängenden Pflichten des Apostolates ausüben. Das ist nicht allgemein unmöglich nach der Natur der Dinge selbst, sondern auch gegen Gottes Ordnungen, der jedem dieser Ämter seine eigene Stelle und Pflichten gegeben hat. Apostel, nicht Bischöfe, sind Gottes Ordnung für apostolische Arbeit. Sonst würde immer jenes universelle Amt fehlen, welches das Ganze zusammenzufassen und darzustellen und nach außen zu vertreten hat; gerade wie alle Glieder des Leibes zusammen nur dadurch einen Menschen ausmachen, dass sie in einem Haupte zusammengefasst sind, welches ein von allen übrigen unterschiedenes Glied ist. So verwaltet Jesus, der im Himmel ist, durch Apostel die Funktionen des höchsten Regimentes und der Mitteilung Seines lebendigmachenden Geistes für alle Glieder in der allgemeinen Kirche.
Denn außer dem Unterschied hinsichtlich der obersten Leitung besteht noch dieser fernere Unterschied zwischen dem Amte eines Apostels und den untergeordneten Ämtern der untergeordneten Hirten und übrigen Diener: dass, während jedes Amt Leben spendet, das apostolische Amt die Darreichung des lebendigmachenden Geistes unmittelbar vom Herrn Jesus Christus bewirkt und so die Quelle und Kraft jedes anderen Amtes wird. Es ist das Organ zur Mitteilung des Heiligen Geistes, Dessen Gaben von allen Dienern, ja von allen Getauften, ausgeübt werden sollen. Es ist das Amt, wodurch Jesus Christus erkannt wird als der Täufer mit dem Heiligen Geist. Er allein kann den Heiligen Geist austeilen; und allein durch Apostel, nach der ursprünglichen Gestaltung der Kirche, hat Er ihn ausgeteilt. Daher als Philippus, der Evangelist, mit großen Zeichen und Wundem zu Samaria gepredigt hatte, und eine große Menge gläubig ward und sich taufen ließ, war es doch nötig, dass Petrus und Johannes sich von Jerusalem hinbegaben, auf dass die Gläubigen durch ihre Handauflegung und Gebet den Heiligen Geist empfingen. Schließlich muss noch ein fernerer Unterschied bemerkt werden. Weil die Apostel alle anderen Ämter in sich trugen, als der Grund, auf welchem alle anderen stehen in dem Herrn; weil ferner durch sie die Gabe des Heiligen Geistes, des Geistes der Einheit mitgeteilt ward und von ihnen der Eine Glaube ausging und die Einheit der Lehre und der Disziplin: so war es durch die Natur ihres Amtes gegeben, dass (während die Zahl der übrigen Kirchendiener niemals beschränkt werden kann) die Zahl der Apostel eine beschränkte sein musste. Denn das Regiment der Gesamtheit kann nicht in den Händen einer unbegrenzten oder unbestimmten Zahl ruhen. Nicht das die Zahl der Männer, welche nacheinander in diesem Amte stehen sollten, eine schlechthin bestimmte gewesen wäre! Die ganze Heilige Schrift und die unbestrittenen Überlieferungen der Kirche zeigen deutlich, dass mehr als zwölf Männer schon in den ersten Zeiten als Apostel arbeiteten. Aber gleich der Name, mit welchem sie genannt werden, “die Zwölfe” ferner die zukünftige Verheißung der Apostel aus der Beschneidung, dass sie die zwölf Stämme Israels richten sollten; die Erwählung von St. Matthias, um die Zwölfzahl voll zu machen, und viele andere aus der Heiligen Schrift und den Überlieferungen der Kirche hergeleiteten Gründe berechtigten zu dem Schluss, dass das Apostelamt an und für sich zwölffach ist.
Dies sind die Hauptämter des Leibes Christi, aber sie sind nicht der Leib. Sie sind die tätigen Glieder, die zum Leibe gehören und aus ihm alle ihre Kraft und Leben empfangen. Dieser Leib ist die große Schar der Getauften, die zwar insofern jenen Ämtern untergeben ist, als sie die der Aufsicht der Hirten anvertraute Herde Gottes bildet. Betrachtet man aber die katholische Kirche in ihrer körperschaftlichen Ganzheit, so sind die Knechte Gottes nur die Diener der Getauften um Christi willen, welche ihre verschiedenen Pflichten nur in dem Maße ausrichten können als die Gesamtheit mit dem Leben und Geiste Gottes, mit Heiligkeit, Rechtschaffenheit und Wahrheit erfüllt ist. Die Kirche ist apostolisch, nicht irgendwelche zwölf Männer. In der Kirche wohnt der Heilige Geist, der durch Apostel dargereicht, durch alle Ordnungen gespendet und in allen versiegelten Gliedern Christi geoffenbart wird. Und es handelt sich nicht darum, ob einige dieses Amt, andere ein anderes hohes Amt einnehmen sollen, etwa um selbstsüchtiger Erhöhung und Genugtuung willen; sondern darum, ob die Kirche - um nicht zu sagen auch die unbekehrte Welt! - ein Recht hat auf Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Die Getauften haben Gottes Wort und Bund dafür, dass sie den Heiligen Geist empfangen sollen und demgemäss auch dafür, dass Apostel, durch die Er gespendet wird, eine dauernde Ordnung, ein beständiges Amt sein sollen. Die Getauften haben das Leben aus Gott empfangen, sie sind die Kinder Gottes und haben ein Recht auf alle Gnadenmittel, womit Er am Anfang Sein Haus versehen hat, “Denn Gottes Gaben und Berufung mögen Ihn nicht gereuen”. Sie machen den Leib aus und durch wechselseitige Tätigkeit aller seiner Glieder, da jedes des anderen bedarf und jedes die Wirkung des Herrn durch alle anderen empfangen muss, hätte die Gemeinschaft der Freude und des Lebens erhalten werden, der ganze Leib gemeinschaftlich wachsen und sein eigenes Gedeihen vollbringen sollen. So wenigstens erging es bei der Geburt und in den ersten Tagen der Kirche, wie berichtet wird: “Alle Getauften blieben beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam auch alle Seelen Furcht an und geschahen viele Zeichen und Wunder durch die Apostel. Alle aber, die gläubig waren geworden, waren bei einander und hielten alle Dinge gemein. Ihre Güter und Habe verkauften sie und teilten sie aus unter alle, nachdem jedermann Not war. Und sie waren täglich und stets beieinander, einmütig im Tempel und brachen das Brot hin und her in den Häusern, nahmen die Speise und lobten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat hinzu täglich, die da selig wurden zur Gemeinde. Die Menge aber der Gläubigen waren Ein Herz und Eine Seele; auch keiner sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemein. Und mit großer Kraft gaben die Apostel Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesu und war große Gnade bei ihnen allen”. Und wiederum aus einer späteren Zeit schreibt der Apostel Paulus: “Denn ob ich wohl nach dem Fleisch nicht da bin, so bin ich doch im Geist bei euch, freue mich und sehe eure Ordnung und euren festen Glauben an Christus”. Einigkeit, Liebe, Glaube, Kraft und Wachstum ward jedermann kund; der Mensch ward gesegnet und Gott ward verherrlicht.
Eine solche Kirche ist Gottes Zeugin, und für eine solche zeugt Er. Das Zeugnis aber von Zweien ist wahr. Wie unter dem Gesetz niemand konnte zum Tode verurteilt werden, außer auf zweier oder dreier Zeugen Mund, so ist es Sein ewiger Ratschluss mit der Kirche, durch ein zweifaches Zeugnis die Welt der Gottlosen zu verdammen, “die zum Feuer behalten wird am Tage des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen”. Unser Herr Jesus Christus in den Tagen Seines Fleisches redete was Er wusste, was Er gesehen und gehört hatte, und gehorchte dem Willen Seines Vaters; und so zeugte Er für Gott. Aber auch Sein Vater, der ihn gesandt hatte, zeugte für Ihn durch die mächtigen Werke die Er Ihn gab zu tun. Und in gleicher Weise, wenn die Getauften von Jesus zeugen, im Glauben reden und Ihm in Heiligkeit gehorchen, so zeugt Gott auch von ihnen, als dem Volke Christi, durch den Heiligen Geist, der in der Kirche persönlich wohnt, wirket und redet, durch wen Er will, und damit als ein zweiter Zeuge das Zeugnis bestätigt, welches in jedem Werk des Glaubens enthalten ist. Es steht geschrieben: ‘Wenn der Tröster kommen wird, welchen ich senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir und ihr werdet auch zeugen, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen”. Und abermals: “Wir sind Seine Zeugen über diesem Wort und der Heilige Geist, welchen Gott gegeben hat denen, die Ihm gehorchen”. Und wiederum: “Wie wollen wir entfliehen, so wir eine solche Seligkeit nicht achten, welche, nachdem sie erst gepredigt ward durch den Herrn, auf uns gekommen ist durch die, so es gehört haben; und Gott hat ihr Zeugnis gegeben mit Zeichen und Wundem und mancherlei Kräften und mit Austeilung des Heiligen Geistes nach Seinem Willen”. Ohne dieses zweifache Zeugnis gibt die Kirche nicht vollständig Kunde von der Offenbarung Gottes im Fleische, das Amt der Gnade ist nicht erfüllt, und die Welt ist nicht ohne Entschuldigung. Wenn aber Gott Seinem Volke Macht gibt, also zu zeugen, so kann von Ihm nicht mehr für die Menschen geschehen. Er macht ja selig durch Seine Kirche, aber Er bedarf auch keines anderen Zeugen mehr gegen die Menschen, denn Er zeugt selbst durch Seine Kirche. Dann wird die Welt ihren Becher voll machen und das Gericht nicht länger verziehen. Die aber Glauben und Treue gehalten haben, werden dann mit Jesu, dem wahrhaft Getreuen, die Ungetreuen zum zweiten, ewigen Tode verurteilen! -
Das ist die Kirche in ihrer ursprünglichen Verfassung und wesentlichen Gestalt, gegründet auf einen Felsen, die der Hölle Pforten nicht überwältigen sollen, für die allein die Verheißungen Gottes sind und zu der in der Person von Männern, welche das Apostelamt bekleideten, die Worte Jesu gesprochen waren: “Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende”. Das ist die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, in der Gottes Gesetze befolgt, Sein Wille getan, Sein Lob gefeiert, Seine Macht verherrlicht, Seine Anbetung im Geist und in der Wahrheit dargebracht, die Gebete aller Heiligen, die Bitten, Gebete, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, gleich dem Weihrauch, zu Gottes Thron hinaufgebracht werden soll.
Sie ist Eine – ein Leben in allen Gliedern, ausgehend von einer Quelle und ernährt durch ein und dieselbe heilige Speise, vereint unter einer Leitung durch Ordnungen, die am Anfang gegeben wurden und niemals ohne Sünde gegen Gott und ohne Schaden für sie selbst verändert werden sollten; geeinigt durch den Einen Geist der Herrlichkeit in ihrer Mitte, wie die Herrlichkeit inmitten des Lagers Israel war, im Heiligtum der Stiftshütte. Eine nach innen, Eine nach außen, Eine nach Sinn, Herz und Geist; Eine im Wort, Eine in ihren Ordnungen, Eine im Glauben, Eine im Gottesdienst, Eine in ihrer Verwaltung, Eine, wie ein Weinstock Ein Baum ist, und nicht ein anderer, Eine, wie ein Tempel Einer ist, und nicht ein anderer, Eine, wie ein menschlicher Leib Einer ist, und nicht ein anderer, Eine, als das einzige Wesen ihrer Art, ja so sehr Eine, wie kein anderer Körper Einer ist; ja, so Eine, wie Gott der Vater eins ist mit dem Herrn Jesu Christo, wie geschrieben steht: “auf dass sie alle eins seien, gleichwie Du, Vater, in Mir und Ich in Dir dass auch sie in Uns eins seien, auf dass die Welt glaube, Du habest Mich gesandt. Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die Du Mir gegeben hast, dass sie eins seien, gleichwie Wir eins sind: Ich in ihnen und Du in Mir, auf dass sie vollkommen seien in eines und die Welt erkenne, dass Du Mich gesandt hast und liebest sie, gleichwie Du Mich liebest”.
Sie ist heilig, - wie es ziemt der Braut Dessen, der allein der Heilige Gottes ist, heilig, als das lebendige Opfer, das da heilig und wohlgefällig ist, beständig Gott dem Vater dargebracht durch den wahren Hohenpriester zu Seiner Rechten, heilig, als die Wohnstätte des Erhabenen und Heiligen, der in der Kirche wohnt, wie geschrieben steht: “Ich will in ihnen wohnen und in ihnen wandeln, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen Mein Volk sein”. Heilig, um des Heiligen Geistes willen, des lebendigmachenden Geistes vom Vater und vom Herrn Jesu Christo, durch den die Menschen von neuem geboren werden zum Bilde Gottes, den Geist der Heiligung, dessen Tempel die Kirche ist. Heilig, indem sie die Früchte des Heiligen Geistes bringt, als da sind: “Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit”. Heilig, indem sie die Gaben des Heiligen Geistes offenbart, als da sind: “Das Wort der Weisheit, das Wort der Erkenntnis, Glaube, Gaben der Heilung, der Wunderwirkung, Weissagung, Geistesunterscheidung, mancherlei Zungen, Auslegung der Zungen”.
Und nicht allein Eine und heilig ist sie, sondern auch katholisch , - ausbreitend ihre Segnungen, trachtend alle Nationen zu umfassen und Ströme lebendigen Wassers über die Wüste dieser Welt zu ergießen, voll Leben und freigebig, dasselbe überall zu verbreiten; erfüllt mit dem Geiste Gottes und verlangend Ihn auf alle Menschen auszugießen, die da ihre Evangelisten und Hirten, ihre Propheten und Aposteln zu allen Völkern aussendet, das Evangelium zu predigen aller Welt, zu lehren alle Gebote Christi, Gerechtigkeit und Frieden auf der ganzen Erde auszurichten; die da ausgeht, um jedermann zu ihrem Herrn zu rufen und alle Seines Heils teilhaftig zu machen, die da allen Menschen zuruft: “Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, auf dass ihr mit uns Gemeinschaft habet und unsere Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit Seinem Sohne Jesus Christus”.
Und endlich ist sie apostolisch. Die eine, heilige, katholische Kirche, die Botin Gottes, die der Welt alle unter jenen Attributen bezeichneten Güter zuführt, ist auch apostolisch nach Form und Amt, denn sie bewahrt die Ordnungen, wie sie am Anfang gegeben waren: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Sie hat Apostel gesandt “nicht von Menschen, noch durch Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott den Vater” und durch die Handauflegung dieser Apostel sind alle ihre Diener ordiniert und all ihr Volk mit dem Heiligen Geiste erfüllt. Apostolisch ist sie in ihrem ganzen Wesen, Geist und Wirken, gesandt vom Sohne Gottes, wie Er gesandt war vom Vater, ausgehend von Gott mit der Fülle des Segens für die Menschenkinder, und immer wieder zu Gott zurückkehrend, um neuen Segen zu schöpfen; ausgehend von Gott, sie selbst Seine Apostel, mit Seinem Gesetze in ihrem Herzen, Seiner Weisheit in ihrem Sinn, Seiner Wahrheit auf ihrer Zunge, Seiner Macht über Gnade und Gericht in ihren Händen; mit Seinem Frieden und Seiner Liebe auf allen ihren Wegen. So zeigt sie allen Menschen, wie Gott ist, entfaltet sie Seinen ewigen Ratschluss, erklärt Seine tiefen Ratschläge, hält Einzelnen, wie Familien und Staaten den Spiegel der Wahrheit vor, zeigt den Fürsten, wie sie regieren sollen, lehrt die Ratsherrn Weisheit, unterrichtet Eltern und Kinder, Gatten und Gattinnen, Herren und Diener, Könige und Untertanen über die Würde der menschlichen Natur, wie sie von Gott bestimmt sei, in allen jenen Beziehungen das Geheimnis Seines Wesens zu offenbaren. So scheint sie als das Licht der Welt, verbreitet Ordnung über das ganze gesellschaftliche Gebäude und reinigt die ganze Ökonomie des Lebens und bewahrt sie vor Fäulnis, als das Salz der Erde ! -
Einig, heilig, katholisch, apostolisch, nicht allein dem Namen nach, sondern in der Tat und Wahrheit; nicht bloß in der Form, sondern im Wesen; nicht bloß in ihrer Gesamtheit, abgesehen von den Individuen sondern so, dass jedermann wirklich als Glied eines Leibes dasteht, in allen seinen Teilen dieselben Züge der Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität trägt.
In diesem Ratschluss Gottes verharrend und mit Ihm im Lichte wandelnd und alle in eine versammelnd, die da selig werden sollen; so hätte die Kirche bereitet werden sollen als die selige Braut, die Erstlingsschar Gottes und des Lammes, “wartend auf die selige Hoffnung und herrliche Erscheinung des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus”. Dann sollte, so ähnlich wie Henoch durch den Glauben weggenommen wurde, dass er den Tod nicht sahe, und nicht mehr gefunden ward, darum, dass Gott ihn wegnahm”, so auch in ihr jenes Geheimnis Gottes vollendet werden: “Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, und dasselbige plötzlich in einem Augenblick zur Zeit der letzten Posaune” und: “Er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und wir, die wir leben und überbleiben, werden hingerückt werden in den Wolken und dem Herrn entgegen in der Luft und werden also bei dem Herrn sein allezeit”.
Wir halten inne in der Betrachtung dieses erhabenen Geheimnisses, welches den heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart und in der Kirche kundgemacht worden ist, auf dass den Fürstentümern und Herrschaften im Himmel kund würde an der Kirche die mannigfaltige Weisheit Gottes. Und wir schauen umher und suchen an den Getauften das Abbild solcher Schönheit, Seligkeit und Glorie, einer Herrlichkeit, welche nicht von der Pracht irdischen Glanzes abhängig ist, sondern in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist besteht. Wir suchen nach einem geeinigten Leibe, nach den Heiligen Gottes, die Seine Heiligkeit offenbaren, jene Reinheit und Wahrheit, welche Seinen Kindern ziemet; wir suchen nach jenem Amte des Geistes, welches herrlicher ist an Klarheit als das des Gesetzes, das im Anfang verordnet war, um in der Vollzahl seiner Organe Gott zu offenbaren (denn durch die Gaben, die Er gegeben, wohnt Er in Seiner Kirche); wir suchen nach einem geeinigten Volke, das als Ein Leib für Gott vor allen Menschen Zeugnis ablegt, dass Er der Vater und sie Seine Kinder sind, und für das Er wiederum Zeugnis ablegt durch die mächtigen Werke des Heiligen Geistes: wir suchen hiernach, aber wo finden wir es ? Die schöne Ordnung, die Gott zu einem noch lange nicht erfüllten Zwecke aufgerichtet, ist in ihren wichtigsten Teilen verstümmelt und in ihren edlen Verhältnissen entstellt. Anstatt zur Vollkommenheit vorwärts zu schreiten, ist die Gemeinschaft der Getauften zurückgegangen, sie haben die Mittel, wodurch Gott für ihre Vollendung gesorgt hatte, von sich geworfen oder sorglos fahren lassen. Hätten sie die Mittel benutzt, so würde der Zweck erreicht worden sein. “Ihre Schnur würde durch alle Lande und ihre Rede an der Welt Ende gegangen sein”. Dieses Zeugnis wäre das Mittel gewesen, um den guten Weizen in die Scheune zu sammeln, die Spreu aber mit unauslöschlichem Feuer zu verbrennen. Aber das allererste Amt in der Kirche, das apostolische Amt in Menschen, Aposteln, diese Wurfschaufel in der Hand des Herrn, womit Er Seine Tenne fegt, dieses Amt, wodurch Er mit dem Heiligen Geist und mit Feuer tauft, ist verschwunden; mag auch der apostolische Dienst stückweise fortgedauert haben, der eigentliche Zweck warum Apostel gegeben sind, ist noch unerreicht. Die Stimme des Herrn in der Weissagung durch die hierzu gegebenen Männer, längst verachtet oder gefürchtet, hat aufgehört sich vernehmen zu lassen, und Todesstille ist über das Volk Gottes gekommen. Der Heilige Geist hat, weil er gedämpft ward, sich nicht mehr offenbaren wollen, wie in den Zeiten vor alters; der Tröster hat aufgehört, zu denen von Jesus zu reden, die da meinten, nichts mehr zu bedürfen; und die Kräfte der zukünftigen Welt, Krankenheilung, Teufelsaustreibung und die anderen Beweise, dass Jesus der Herr und Sein Reich nahe ist, sind beinahe alle verschwunden. Denn die Menschen haben in der Welt ihre Ruhe gesucht und nicht länger nach dem himmlischen Königreich verlangt. O dass die Getauften aus dem langen Todesschlaf aufwachen möchten, in welchen sie versenkt sind! O dass die kleinlichen Streitigkeiten und Spaltungen, der Hass und Widerspruch der morgen- und abendländischen Kirche, der Römisch-Katholischen gegen die Protestanten aufhörten, in welche Satan ihre Aufmerksamkeit verstrickt hat, dass sie nicht um sich schauen und die schrecklichen Trümmer so vieler Geschlechter sehen könnten! Welche Abteilung der Christen trägt in ihren äußeren Umrissen oder in ihrem innewohnenden Geiste noch den Charakter der einen, heiligen, apostolischen Kirche? Wer kann auf die Herrlichkeit im Anfang hinblicken und sich daran messen, ohne bei dem Vergleich zu erschrecken? Aber ob auch Menschen sich täuschten, Gott lässt sich nicht spotten. Vergebens sucht Er in dem Aussehen der Christenheit die Merkmale der christlichen Kirche. Die nach verschiedenen Namen genannten Kirchen bieten sie nicht. Die Einheit, die Grundlage aller übrigen, ist gänzlich zerstört. Ohne diese aber kann man die anderen Merkmale nicht haben. Die in der Schrift beschriebene Heiligkeit gehört einem sichtbaren Leibe an, der einig und sichtbar, in allen seinen Teilen vollkommen, an jedem Teile in seinem Maße heilig sich darstellt und so als Gesamtheit in der Heiligkeit heranwächst. Wiederum ohne Einheit und Heiligkeit kann keine Katholizität bestehen; denn nur eine einige Kirche, ein heiliges Volk ist fähig das Evangelium aller Kreatur zu verkündigen, alle Völker zu lehren, dass sie halten alles, was der Herr geboten hat; und alle Menschen zum Glauben und zur Erkenntnis zu bringen, dass Gott Seinen Sohn zum Heile gesandt hat. Und endlich die eine, heilige katholische Kirche allein kann apostolisch sein; denn an einem solchen Leibe allein hat Gott aufs erste gesetzt Apostel, und nur eine solche kann Apostel oder andere von Apostel ordinierte Diener aussenden, jenes Zeugnis abzulegen und jenes Leben mitzuteilen, um deswillen die Kirche gestiftet ward. Die Christenheit, wie sie ist kann nur die Missionare einer oder mehrerer Sekten zu den Heiden senden, sie kann nicht Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer stellen, die von dem Einen Leibe aus den Einen Glauben und den Einen Geist mitteilen. Gewogen auf der Waage des Gerichts und gemessen nach dem Maßstab der Gerechtigkeit, kann sie nicht bestehen. So gewiss die Engel ihren ersten Stand verlassen haben, so gewiss die Völker vor der Sintflut abgefallen sind und das ihnen von Gott durch Adam verliehene Licht ausgelöscht haben, so gewiss als die Juden, die den Herrn gekreuzigt, Gottes Ratschluss über sich verworfen hatten: so gewiss sind die Getauften aus dem herrlichen Stande gefallen, in welchem Gott die Kirche im Anbeginn hatte.
Als die Kirche anfänglich in der sichtbaren Herrlichkeit des Heiligen Geistes geoffenbart wurde, gab der Herr Seinen Aposteln, die von Seiner Himmelfahrt zeugten, und alle vom Samen Abrahams und Apostel für die Beschneidung waren, den Auftrag, das Evangelium zuerst den Juden zu predigen; wie St. Petrus sprach am Tage der Pfingsten: “Tut Buße, und lasse sich jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes; denn eurer Kinder ist diese Verheißung”, und kurz danach im Tempel: “Euch zuvörderst hat Gott auferwecket Sein Kind Jesum und hat Ihn zu euch gesandt, euch zu segnen”. Die Juden aber wollten diese Gnade nicht annehmen, und das Apostelamt war für sie vergeblich gegeben. Jedoch war dieses zwiefache Zeugnis Gottes, das in Seiner Kirche zu Jerusalem abgelegt wurde, das Mittel, wodurch zu jener Zeit ein heiliger Überrest gemäß der Wahl der Gnade, gesammelt, Jerusalem gerichtet und die Juden bis auf diesen Tag zerstreut wurden. “Euch” sprach St. Paulus und St. Barnabas zu den Juden, “musste zuerst das Wort Gottes gesagt werden, nun ihr es aber von euch stoßt und achtet euch selbst nicht wert des ewigen Lebens: siehe, so wenden wir uns zu den Heiden”. So wandte sich Gott denn zu den Heiden und suchte sie heim, um aus ihnen ein Volk für Seinen Namen zu wählen. Gott wirkte und wirkt noch immer, ein Volk zu finden, welches Seinen Segen in ganzer Fülle ererben, und in welchen Sein Name auf das vollkommenste geoffenbart werden soll, ein Volk, das Er erst vollkommen machen, dann verwandeln und verherrlichen will. Und dieses sollte gerade durch Apostel zustande gebracht werden. Gerade hierzu erweckte der Herr den Paulus; um deswillen war er ausgesondert von Mutterleibe an, dazu verordnet als ein Prediger und Apostel, ein Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit, wie er an einer anderen Stelle spricht von “der Gnade, welche ihm von Gott gegeben war, dass er sein sollte ein Diener Christi unter den Heiden, zu predigen das Evangelium Gottes, auf dass die Heiden ein Opfer würden, Gott angenehm, geheiligt durch den Heiligen Geist”. Und so geschah es, als sie zu Jerusalem " sahen, dass Paulus vertrauet war das Evangelium an die Vorhaut, gleichwie Petrus das Evangelium an die Beschneidung (denn Der mit Petrus kräftig gewesen zum Apostelamt unter der Beschneidung, Der ist mit Paulus auch kräftig gewesen unter den Heiden); und als Jakobus, Kephas und Johannes, die für Säulen angesehen waren, die Gnade erkannt, die ihm gegeben war, gaben sie ihn und Barnabas die rechte Hand und wurden mit ihnen eins, dass diese unter den Heiden, sie aber unter der Beschneidung predigten". So taten die Apostel. Aber bald, selbst während St. Paulus noch in den Gemeinden wirkte, musste er klagen, dass sie aus der ersten Liebe in Lauheit gefallen wären, und aus der Gnade und Freiheit in Knechtschaft. Die korinthische Gemeinde, so voll von Gaben des Geistes, des Unterpfandes des Gottesreiches und jeglicher Vorbereitung auf das Kommen des Herrn, so dass Er zu ihr sagt: “Ihr habt keinen Mangel an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesu Christi”, wird zur selben Zeit in seinen Briefen an sie beschrieben als befleckt mit ärgerlichen Sünden, mit Menschenvergötterung und Rottenwesen, Neid und Hader, Unordnung und Aufruhr. Und nicht lange, nach einer Arbeit von nur wenigen Jahren, Paulus ward gebunden an die Römer übergeben, und wir hören ihn über die klagen, die auch in Rom “Christus verkündigten aus Zank, denn sie meinten, sie wollten eine Trübsal zuwenden seinen Banden”. Und als die letzte Stunde seines Märtyrertums herbeigekommen und die Zeit seines Abscheidens vorhanden war, mitten unter den Weissagungen und Anzeichen der bösen Tage, die über die Kirche kommen sollten, finden wir, dass “alle in Asia sich von ihm gewandt hatten”, “Demas ihn verlassen”, “Alexander ihm viel Böses erwiesen”, “bei seiner ersten Verantwortung niemand ihm beistand, sondern alle ihn verließen”. Während die Nachwelt das Andenken der Apostel mit fast göttlichen Ehren gefeiert hat, waren sie bei ihren Lebzeiten oftmals gering oder für nichts geachtet, sowohl von Gemeinden als von einzelnen. Gott ließ die Menschen gewähren und nahm, wiewohl nur für eine Zeit die Autorität, der man sich widersetzte, und die heilige Zucht, welche die Unheiligen nicht ertragen konnten, hinweg.
So gibt uns die Heilige Schrift Winke von dem Vorhandensein von Sünden, welche auf natürliche Weise zur Entziehung des apostolischen Amtes, wie es die dazu ausgesonderten Männer ausübten, führen mussten. Die Tatsache aber, dass die Gabe des Apostelamtes in seiner lebendigen Betätigung durch Männer, durch Apostel als Gottes eigentliche Ordnung für dasselbe, aufgehoben worden ist, während doch Gott Seine Gaben nicht gereuen, und der Zweck, für welchen sie gegeben worden waren, noch unerreicht blieb, ist an sich selbst der schlagende Beweis des Abfalls. Es frommt wenig, Mittel und Wege anzuzeigen, wodurch Gott für die Forterhaltung der Einheit im Regiment, Lehre oder Verwaltung der Kirche gesorgt habe oder sorgen könnte. Diese stellvertretenden Mittel können nie und nimmer das Werk zustande bringen, für welches das ursprüngliche Werkzeug von Gott in Seiner Weisheit angepasst war. Ebenso wenig frommt es, einen Beweis zu versuchen, dass nach der Bestimmung des Herrn Jesus Christus selbst Einer der Zwölfe einen Primat über die ganze Kirche bekleidet hätte, welchen er seinen Nachfolgern in dem Bistum zu Rom vererbt hätte; man müsste denn behaupten wollen, dass mit jenem Primat ein Amt aufgerichtet worden wäre, kraft dessen der Bischof von Rom die Obergewalt mit Ausschließung der Apostel haben sollte. Aber das würde ausdrücklich gegen die Heilige Schrift sein, welche erklärt, dass Gott in der Kirche gesetzt hat “auf das erste die Apostel” und es würde zur weiteren Folge haben, dass nach dem Tode von St. Petrus die anderen überlebenden Apostel, St. Johannes, den der Herr lieb hatte, mit eingeschlossen, nicht mehr die Ersten in der Kirche, sondern dass Linus und Cletus und Clemens, alle noch Zeitgenossen von Johannes, die Ersten, die Apostel nur die Zweiten geworden seien. Außerdem ist es unmöglich, dass der römische Stuhl zu einer Obergewalt erhöht werden konnte, die St. Petrus doch nicht als Bischof, sondern als Apostel besessen hätte. Zwar weist die Geschichte der Kirche Fälle auf, dass eine nur an einer Person haftende Jurisdiktion schon in sehr früher Zeit sich mit gleicher Vollmacht, obwohl geringerem Umfange, auf den Sitz vererbte, an dem jene das Bischofsamt bekleidet hatte. Aber dass eine höhere Jurisdiktion, dass so hohe Vorrichtungen, wie laut unserem Nachweis die apostolischen waren, in gleicher Weise übergehen sollten, ist ebenso nach dem Gesetze und Brauche der Kirche entgegen, als dass ein Bischof, der vielleicht noch nebenher eine untergeordnete Pfründe innehat, seine bischöflichen Funktionen an den Kleriker vererben könnte, welcher ihm in jener Pfründe nachfolgt. Wir haben gezeigt, dass Gottes Ordnung für die Einheit des Geistes, des Glaubens und des Regimentes, das Apostolat ist; dass das Gesetz der allgemeinen Kirche einzig ausgehen kann von denen, welche unter Christus ein beständiges Regiment und Episkopat über die ganze Kirche in der Welt haben; und dass Aposteln allein diese Macht übertragen worden ist. Dagegen kann von niemanden sonst, seien es Patriarchen oder Bischöfe oder Presbyter, deren Vollmacht sich tatsächlich auf ihre eigene Provinz, Diözese oder Pfarrei beschränkt, universale Aufsicht geübt oder eine katholische Kirchenverbesserung eingeführt werden. Und darum wäre es die Pflicht aller Bischöfe vom Anbeginn bis auf diesen Tag, und nicht der Bischöfe allein, sondern aller gewesen, die nach dem Frieden und der Wohlfahrt Jerusalems sich sehnen, Tag und Nacht zu Gott zu rufen anfangs, dass das apostolische Amt der Kirche erhalten, später, dass es ihr wiedergegeben werden möge.
Es ist wahr, als durch Unglauben und Gleichgültigkeit solche Gebete um die Fortdauer der Gaben Gottes nicht emporsteigen konnten und die Apostel in der Kirche aufhörten, da überkamen die Bischöfe notgedrungen und natürlich die oberste Gewalt, aber gleich wahr ist es, dass damit ebenso natürlich und notwendig Gottes Weg zur Einheit Seiner Kirche verlassen wurde. Und die ganze Erfahrung der Kirche seit jener Periode bis auf die Jetztzeit, wo eine neue und erschrecklichere Gestalt der Verderbnis aufgekommen ist, zeigt nur ein beständiges Streben, Einheit herbeizuführen und durch ungesetzliche Mittel: bald durch Anrufung der weltlichen Gewalt (was zum erstenmal mit einem heidnischen Kaiser – Aurelian – bereits um die Mitte des dritten Jahrhunderts geschah), bald durch Überhebung eines Bischofs über seine Brüder. So war denn dies die Sünde und dies die Strafe, welche die Getauften als ein Leib betraf; die Sünde, dass sie, und zwar ihre Vorsteher sogar aus Eigennutz, mit dem Wegfall des apostolischen Amtes zufrieden waren; die Strafe, die grausame Zerrissenheit des Leibes Christi, die Spaltungen und Trennungen und Abweichungen im Glauben und in der Zucht, die Tyrannei der Staatsgewalt oder die Usurpation eines Universalbischofs. Dennoch darf man nie bezweifeln, dass Gott in Seiner Barmherzigkeit und Gnade allezeit von Geschlecht zu Geschlecht die Besten, die Er in Seiner Kirche finden konnte, gebraucht und geehrt hat, so dass Seine heiligen und treuen Kinder niemals völlig verlassen gewesen sind; noch hat Er jemals aufgehört, in Seiner Treue sich zu allem zu bekennen, was, wie entstellt auch von menschlichen Aufsätzen, von Seinem Namen und Seinen Ordnungen noch vorhanden war.
Es ist nicht zu verwundern, dass aus jener Sünde zahllose Übel folgen mussten, und dass der Verfall und die Entartung unvermeidlich immer weiter fortschreiten, bis alle Gewalt und jedes Amt erloschen, und alles in jene wirre Masse aufgelöst sein wird, aus der der Antichrist seine Bausteine auflesen und als Nachäffung der Kirche Gottes sein Lügengebäude aufrichten wird. Waren die Getauften und ihre Vorsteher insgesamt darüber einverstanden, dass die Fortdauer von Aposteln, der wahren Brunnen und Quellen des Glaubens, unwesentlich sei; was wunder, dass sich unzählige Ketzereien einschlichen! Wenn Bischöfe es auf sich nehmen, die Kirche selber zu regieren ohne Apostel, so werden die Presbyter die Bischöfe bald gering achten, um alsbald selber für unnötig angesehen zu werden. Und endlich wird gerade die Masse der Frommen die Erfüllung jener Weissagungen herbeiführen helfen, die St. Paulus, St. Petrus und St. Judas auf die letzten Zeiten geredet haben “Sie laden ihnen selbst Lehrer auf nach denen ihnen die Ohren jucken” “verachten die Herrschaften” “sind frech” “lästern die Majestäten” kommen um in dem Aufruhr Korah; weiden sich selbst ohne Scheu; achten das Ansehen der Person um Nutzens willen; machen Rotten als Fleischliche, die nicht den Geist haben. Wahrlich, wenn nicht in Jesus, dem Haupt der Kirche, alle Fülle enthalten und Er nicht immerdar bereit gewesen wäre, sie durch Menschen zu offenbaren, sobald nur der Glaube der Kirche den Segen wieder annehmen wollte, und wenn nicht zugleich in Gottes Herzen die Zeit von jeher bestimmt gewesen wäre, wann derselbe wieder durch die im Anfang gesetzten Kanäle fließen sollte, so wäre die Kirche längst von der Flut der Bosheit verschlungen und die Verheißungen des Herrn, dass der Hölle Pforten sie nicht überwältigen sollten, ganz vereitelt worden.
Waren keine Apostel mehr da, so lässt sich leicht begreifen, dass auch die Propheten aufhören mussten, denn die Handauflegung der Apostel ist der rechtmäßige Weg, um den Heiligen Geist mitzuteilen, sowohl in Gaben, als in Ämtern und Wirkungen. Apostel sind Seine unmittelbare Gabe; aber Propheten und andere Ämter sind, wenigstens der Ordnung nach, Seine durch Apostel vermittelten Gaben. Und obgleich die Stimme der Weissagung erschollen sein mag in der Kirche, da ja der Herr zuweilen auch außerordentlicherweise reden kann, durch wen Er will, so dass man Gott nicht Grenzen setzen darf im freien Gebrauch Seiner noch übrigen Ordnungen, so war doch zu erwarten, dass mit dem Aufhören der Apostel auch die Propheten als ein beständiges Amt im Hause Gottes aufhören mussten.
Das Wort Gottes durch einen Propheten, einen von Gott hierzu verordneten Diener, ist eine Kundgebung Seines Sinnes an die ganze Kirche; und doch konnte es ihr nur durch Apostel als eine gültige Mitteilung und Vorschrift übergeben werden, wie St. Petrus sagt: “Gedenket an die Worte, die euch zuvor gesagt sind von den heiligen Propheten und an unser Gebot, die wir sind Apostel des Herrn und Heilandes”. Diejenigen, welche aber späterhin die höchste Kirchengewalt überkommen hatten, nahmen in der Verfassung der allgemeinen Kirche ein niedrigeres Amt ein als das der Propheten. Die heilige Schrift sagt: “aufs erste die Apostel, aufs andere die Propheten, aufs dritte Lehrer, danach Helfer, Regierer usw.”. Ebenso werden in der entsprechenden Stelle im Briefe an die Epheser die Apostel zuerst aufgezählt, danach die Propheten, danach die, welche das Lehramt innehaben, es sei nach innen oder nach außen – die Evangelisten und die Hirten und Lehrer. Demnach musste das Wort des Propheten (dessen Autorität nur unter der Leitung von Aposteln eine rechtmäßige Geltung finden konnte, weil nur von ihnen, wie wir gesehen haben, Autorität ausfließen konnte) mit der unzureichenden Autorität des Bischofs in Widerstreit geraten. Und ohne unserer Einbildung zu folgen, wo die Kirchengeschichte schweigt, wissen wir doch gewiss, dass Gott nicht gegen, sondern gemäß dem natürlichen Gange von Ursache und Wirkung verfährt und lediglich ein fortwährendes Wunder gegen den natürlichen Gang der Dinge hätte nach dem Aufhören von Aposteln das Amt der Propheten forterhalten können, wie es der christlichen Kirche gehört. Wir sprechen hier von Propheten, nicht wie sie unter dem Gesetz waren, sondern wie sie sind am Leibe Christi.
Die Kirche, das heben wir noch einmal hervor, ist nicht eine menschliche Einrichtung für menschliche Zwecke, sondern Gottes Schöpfung für Seine Zwecke. Wenn sie diese nicht erfüllt, wird sie gleich dem dumm gewordenen Salz. Gottes Absichten aber können nur durch die Mittel erreicht werden, die Er erwählt hat, wie sie deutlich die Heilige Schrift angibt, die weder gleichgültig sind, noch beiseite gesetzt, oder mit anderen vertauscht, noch durch irgendwelche menschliche Erfindung, sei sie welche sie wolle, ersetzt werden können. Und deren Verachtung straft sich schwer, und deren Verlust zieht eine klägliche Verstümmelung des Leibes Christi, eine Hemmung und Hinderung des Segens Gottes nach sich. Denn sie sind notwendig, sie sind genügsam, sie sollen nur aufhören, wenn sie den Zweck, für den sie gegeben wurden, wirklich und völlig erreicht haben. Es ist nicht ein Wort in der Heiligen Schrift, welches verriete dass Gott ein einziges derselben abtun wollte; und es ist eine Vermessenheit gegen Gott und eine Verachtung Seiner Weisheit und Seines Rates, zu glauben und in solchem Glauben zu handeln, dass irgendeines derselben entbehrt werden könnte; aber die beiden hauptsächlichsten dieser Ämter, die eigentlichen Grundlagen des geistlichen Gebäudes, ganz zu beseitigen, ist eine Sünde, deren gleichen in einem menschlichen Staate etwas Unerhörtes sein würde.
Anstatt die Schuld der Getauften zu verringern, wird sie nur größer dadurch, dass sie sich ihrer Schande rühmen und die Absichten Gottes deuten nach ihrer eigenen Bosheit, durch welche der Verlust, und nach ihrem Unglauben, durch welche die lange Dauer des Verlustes verschuldet ward. Denn einerseits vergessen oder leugnen sie ihre Sünde, die Sünde vieler Geschlechter, und gefallen sich in einem geistlichen Optimismus, der da meint, es sei alles so wie es Gott haben will, weil es eben ist, wie es ist; andererseits, anstatt sich zum Herrn zu bekehren mit Tränen, dass sie das gute Land verachtet haben, verschmähen sie geflissentlich (als habe das einer längst vergangenen und fast märchenhaften Gnadenzeit zugehört) jedes Kennzeichen, an dem die Kirche als die Wohnstatt des lebendigen und wahren Gottes erkannt werden könnte.
Bedurfte die gesamte Kirche keines Zusammenhaltes durch apostolische Hände mehr, dass es ausreichte, sie Bischöfen zu übergeben, um ihre Einheit sicher zu stellen? Nein, das war nicht die göttliche Weise und Einheit, und darum ist es kein Wunder, wenn wir beim weiteren Verlauf finden, dass die Einheit so nicht erhalten werden konnte. Zu behaupten, dass die Einheit der Kirche auf ihrer Stellung unter irgendeinem anderen Bischofs als dem Herrn Jesus Christus selbst beruhe, ist die eine Form des Irrtums, deren Frucht heißt: Menschenknechtschaft, mit Beseitigung und Verdunkelung des Herrn; ein Abtun des Hauptes vom Leibe, als sei dieser selbst genug! Dagegen zu behaupten, diese Einheit bestehe ja in dem unsichtbaren Haupte Jesu im Himmel, mit Ausschluss jeder sichtbaren Einheit auf Erden, ist die zweite Form des Irrtums, und seine Frucht heißt: unaufhörliche, endlose Spaltung im Leibe Christi. Die Behauptung, dass jede Landeskirche ein unabhängiges Ganzes bilden sollte, verrät zwar ein Streben, den letzteren Irrtum bis zu einem gewissen Grade zu berichtigen, lässt aber das Übel im ganzen bestehen und liefert schließlich eine Zerrissenheit in größerem Maßstäbe, die sich notwendigerweise so bald fühlbar genug machen würde, als wieder eine Universalmonarchie aufkommen sollte, und niemand kann sagen, wie bald das geschehen mag!
Aber es handelt sich nicht um das Regiment der Kirche allein; wir haben oben den Zusammenhang zwischen den Dienern der Kirche und den Ordnungen für das geistliche Leben gezeigt. Letztere wurden freilich fort und fort verwaltet, obwohl nicht von Männern, die von Aposteln ordiniert und von dem zuvor über sie ergangenen Wort der Weissagung berufen waren. Denn die Priester hatten seither ihre Ordination nur von solchen, die an die Stelle von Aposteln getreten waren, und die zwar einen Segen der Gnade besaßen und spenden konnten, aber doch nur in einem geringeren Maße, wie es der Verstümmelung des Amtes und der Verkürzung der Kirche in ihren vornehmsten Gliedern, und darum in dem ganzen Haushalte ihres Daseins entsprach. Wir wollen nicht leugnen, dass ein Maß des Heiligen Geistes durch die Handauflegung der Bischöfe erteilt und Gnade gespendet worden ist in den Sakramenten, welche die von ihnen Ordinierten verwalteten; denn das würde der Wahrheit der Kontinuität der Kirche, als des Leibes Christi, widersprechen und so viel heißen, als dass die Kirche ganz in Abgang geraten sei. Aber eben so sehr würde es der Wahrheit der Kirche widerstreiten zu behaupten, dass ein Bischof Gottes Ordnung sei, den Heiligen Geist mitzuteilen, gemäß dem in Seinem Worte geoffenbarten vollkommenen Wege; oder dass es gleichgültig sei, ob dies durch einen Bischof oder durch einen Apostel geschehe. Denn was wir schon in bezug auf die pastorale Funktion gesagt haben, das gilt auch von dieser. Ein Apostel ist von Gott dazu gegeben, das Regiment in der Universalkirche zu führen, den Heiligen Geist durch Auflegung seiner Hände mitzuteilen und denselben in der ganzen Fülle sowohl den Bischöfen, als den übrigen zu spenden. Ein Bischof ist ein Bischof und nicht ein Apostel; er hat ein eigenes Amt, das er zu erfüllen hat, und ein begrenztes Maß von Gnade, das er innerhalb eines bestimmten Gebietes zu spenden vermag.
Auch ist es wahr, dass nach dem Aufhören von Aposteln und Propheten die Kirche in ihrem Haupte im Himmel immer vollständig war und es beständig blieb. Er war immer der Apostel und Prophet für Sein Volk, und die Kirche war immer der Leib, darauf angelegt, die Dienste jener Ämter durch Menschen zu empfangen und alle ihre einmal offenbarten Glieder zu haben, auch wenn sie nicht, wie es hätte sein sollen in sichtbarer Vollständigkeit jener Glieder auf Erden bestand. Darum lag immer, wann je Gottes Weisheit es für gut fände, die Möglichkeit vor, dass jene Ämter in Menschen, wirklichen Aposteln und Propheten, wiederhergestellt werden konnten. Er konnte dafür sorgen, und Er hat dafür gesorgt, dass Seine Kirche nie aufhörte. Aber es hat keine Veränderung des Planes stattgefunden, noch hat Gott eine zweite Art von Mitteln eingeführt, um Seinen Plan auszuführen, gleich als hätten die ersten ihren Zweck nicht erreichen können und seien als nutzlos beiseite gesetzt worden. Zwar sind die ersten hierher durch die Sünde Seines Volkes fehlgeschlagen, und Er hat Werkzeuge genommen, wie Er gerade konnte, bis ER die ersten und ursprünglichen wieder würde ans Licht bringen können unter einem Volke, das Glauben hätte sie anzunehmen. Aber freilich nicht ohne großen Schaden haben sie einige Zeit gefehlt und sind durch andere ersetzt gewesen. Die vollständigen Mittel, durch welche der Heilige Geist den Getauften Gnade mitteilt, sind nicht in Tätigkeit, und deswegen wird die volle Gnade nicht gespendet. Die Gaben, mittelst deren Gott der Herr unter den Menschen wohnen wollte, sind nicht bewahrt worden, und die bleibende Gegenwart Gottes hat einem Zustande Platz gemacht, worin die Herrlichkeit des Gottes Israel verdunkelt erscheint, wo sie gleichsam ihre heilige Wohnstätte verlassen und nur noch zögernd auf der Schwelle verweilt hat. Die Ordnung, die ausdrücklich dazu gesetzt war, der Kirche Leben zu spenden, und die anderen vornehmlich, die es durch alle Glieder in Umlauf setzen sollten, sind ins Stocken geraten. Der Strom des Lebens ist nur kümmerlich geflossen und hat sich nur schwach verbreitet; das Wachstum der Kirche ist gehindert worden, alles ist rückwärts gegangen, und Gottes Absicht harrt noch ihrer Erfüllung.
Die Sakramente, nunmehr von Männern verwaltet, welche ihren Auftrag durch geringere Werkzeuge erhalten hatten, und unter einem Volke, welches nicht als Ein Leib die volle Mitteilungen des Heiligen Geistes empfangen konnte – sofern das hierfür verordnete Organ fehlte – hörten auf so lebensvoll und kräftig zu sein, wie sie sollten. Der Glaube, der in seinem Rückgang die vornehmsten Ämter der Kirche nicht hatte behaupten können, erwies sich auch als unzureichend, den vollen Segen der Sakramente zu ergreifen. Die Streitigkeiten und Widersprüche in bezug auf die Sakramente sind ein dauernder Beweis von Abfall und Unheiligkeit. Wären die Getauften fort und fort in dem Genusse der inneren Gnade geblieben, so hätte kein Streit über die äußerlichen Mittel derselben stattfinden können. Hätte sich das Leben Jesu in ihren sterblichen Leibern geoffenbart und wären die hohen Kräfte der zukünftigen Welt darin geübt worden, wäre die Kirche als die wahre Wohnung des Herrn Jesus Christus im Heiligen Geist geoffenbart worden, und hätte sich Seine wirkliche Gegenwart kundgetan in der Verwandlung der Gläubigen nach Seinem Bilde von einer Klarheit zur anderen, so hätte kein Streit darüber sein können, ob die Ordnungen der Einweihung (Taufe, Konfirmation, usw.) bloß äußerliche Kennzeichen des christlichen Bekenntnisses und eine Berechtigung zu äußerlichen Vorzügen bedeuteten oder ob sie den Seelen der Empfänger einen geistlichen und unauslöschlichen Charakter aufdrückten; mit anderen Worten, ob durch die Sakramente Gnade mitgeteilt oder bloß der Glaube gestärkt werde. Aber wenn der Glaube aufhört, es zu bewähren und im Leben und Wandel auszudrücken, dass die Getauften mit Christus gestorben und durch den Glauben frei von Sünden sind, “der Sünde gestorben und lebendig gemacht für Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn” so hört man auch auf, für Gott Zeugnis abzulegen, dass Er Seinen Ordnungen treu bleibt. Die Unheiligkeit der Getauften ist die tatsächliche Leugnung, dass die Taufe etwas mehr sei als eine bloße Zulassungsform zu den äußerlichen Rechten der Kirche. Und seit sich für das glorreiche Geheimnis der wahren sakramentalen Gegenwart des Herrn Jesus Christus in dem heiligen Abendmahl und des wahrhaftigen Genusses Seines Heiligen Leibes und Blutes jener geistliche und rechte Beweis nicht mehr fand, den es an einem Volke haben sollte, das bewussterweise und offenkundig in dem Herrn wohnt und Er in ihnen durch den Heiligen Geist – da erst hat man im Gefühl dieses Mangels es versucht, durch Mittel, die unvermeidlich zu noch tieferen Übeln führen mussten (z.B. durch leeres Gepränge für die Sinne oder durch scharfsinnige Schlüsse für den Verstand) eine Wahrheit darzutun, die bloß im Geiste erfasst werden kann. Die Scholastik hat sich bemüht, Subtilitäten zu erfinden, die, indem sie die Zuverlässigkeit aller menschlichen Sinne leugnen, zu einem allgemeinen Skeptizismus führen müssen, und die Kommunion der Gläubigen ist einer pomphaften Feierlichkeit gewichen, welche meist vom Priester allein verrichtet wird. Anstatt dass die heiligen Elemente alsbald genossen würden, werden sie zur Anbetung emporgehoben und umhergetragen; und im günstigsten Lichte betrachtet, wird Gott hierbei unter dem Bilde eines Geschöpfes angebetet, vor dem die Schar der Getauften niederfällt. Und während ein Anschein von Gottesdienst vorgewendet wird, und ein mehr als gewöhnlicher Anspruch, Jesus Christus Ehre zu erweisen, so wird Seine Stiftung gering geachtet, und der Kelch, von dem er sagt: “Trinket alle daraus”, in offenem Widerspruch mit Seinem Worte den Laien entzogen.
Wahr ist es, dass dennoch Scharen von Menschen in den vielen Jahrhunderten, welche bisher verflossen, für Gott wiedergeboren worden sind. Die Langmut Gottes hat uns zur Seligkeit gereicht, während es schien, als verzöge Er Seine Verheißung. Viele Heilige Gottes hat es gegeben, Bekenner und Märtyrer, Väter und Lehrer der Kirche, die Gott verherrlicht haben und Seinen Kindern zum Segen gewesen sind; ihre Arbeit ist nicht vergeblich gewesen, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Aber es waren nur Wenige gegen die Menge; der heilige Leib, wie er am Anfang war, die Menge der Gläubigen, ist nicht zur Vollkommenheit fortgeschritten. Gott ist in Diesem und Jenem bekannt geworden, aber in Seiner Kirche ist Seine sichtbare Herrlichkeit verdunkelt gewesen, und gerade das Bewusstsein von dieser Unvollkommenheit des ganzen Leibes hat zu einer ungebührlichen Verehrung lebender sowohl wie verstorbener Heiliger geführt. Aus der nämlichen verhängnisvollen Quelle – erstlich dem Abfall und danach der Unheiligkeit der Kirche – flossen die anderen Irrtümer in Lehre und Leben, welche im Mittelalter entstanden und kräftig wurden. Die ungebührliche Verehrung der Reliquien hätte nimmer unter einem Volke aufkommen können, das sich selbst als die lebendigen Glieder Christi betrachtete. Denn nie würden solche, die da wussten, dass sie “gekommen waren zum Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem und zu der Menge der viel tausend Engel, zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten, und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes”, die, welche in dieser Würde mit Bewusstsein gestanden und erkannt hätten, dass sie schon jetzt Gottes Kinder sind, nach einer Mittlerschaft der Toten gesucht haben, sie, die Lebenden. Auch die Lehre vom Fegefeuer hätte nie unter solchen aufkommen können, die da wussten, dass sie schon jetzt mit Christus auferstanden waren durch den Glauben, den Gott wirket”, und denen “die Augen ihres Verständnisses so erleuchtet gewesen wären, dass sie erkannt hätten die überschwängliche Größe Seiner Kraft an uns, die wir glauben, nach der Wirkung Seiner mächtigen Stärke, welche Er gewirket hat in Christus, da Er Ihn von den Toten auferwecket hat”. In gleicher Weise sind die Gelübde des Zölibats und das Verbot für die Diener des heiligen Amtes ehelich zu werden, nur ein Beweis, dass den Getauften, da sie selbst unrein waren, alles unrein geworden war; und ein Versuch, aus dieser bewussten Unreinheit heraus zu gelangen; aber ein unnatürlicher Versuch, der nicht von Segen begleitet sein kann, da er die Heiligkeit, statt in den rechten Gebrauch der erlaubten und natürlichen Dinge, in die Enthaltung von denselben verlegt und so Gott und Seine Werke und Wege tadelt und Seine eigene heilige Ordnung verwehrt, von der die Schrift sagt: “Die Ehe ist ehrwürdig für alle und das Ehebett unbefleckt”.
Als nun das Leben aus Gott in dem Leibe der Getauften verriet, so gewann die Reinheit der Lehre mehr als je an Bedeutung. Solange die Apostel lebten, war ihr Ausspruch das Panier der Lehre; und wenn auch damals schon Ketzer auftraten, so wurden sie doch schnell ausgeschieden und ihre Sätze kraft der durch Apostel ausgesprochenen Vollmacht der Kirche verdammt. Die von Aposteln überlieferte Lehre war die Lehre der Kirche. Als aber sie dahingegangen waren, konnte kein einzelner Bischof das Urteil der Kirche gegen irgendwelche neuen Ketzereien aussprechen, außer insofern sein Urteil von dem der allgemeinen Kirche abgeleitet oder bestätigt war. Oftmals aber im Laufe der Geschichte wurden Ketzereien von Bischöfen selbst eingeführt; und obgleich jeder Bischof der Einen, allgemeinen Kirche ist, so ist doch die Ausübung seines Amtes auf seine eigene Diözese beschränkt, und alle seine Brüder sind ihm nebengeordnet und seinesgleichen in der allgemeinen Kirche, da ja jeder in seinem eigenen Sprengel über die Lehre und Ordnung der Kirche das ausschließliche Regiment zu üben hat. Die Zusammenberufung der Bischöfe in Provinzial-Synode reicht auch nicht aus, denn die Bischöfe ganzer Provinzen sind in Ketzerei geraten. Das einzige Mittel, wodurch die allgemeine Kirche seit den Zeiten der Apostel hoffen durfte, ein entscheidendes Urteil über streitige Punkte zu fällen, war eine allgemeine Kirchenversammlung. Aber die Unzulänglichkeit auch dieser letzten Hilfe, die der Kirche blieb, hätte ihr besser als alles übrige die Augen über ihren Verlust öffnen können. Unter der Regierung heidnischer Kaiser war es vormals der Natur der Sache nach unausführbar, alle oder die Mehrzahl der christlichen Bischöfe zu versammeln. Und später, als die Kirchenversammlungen unter dem Schutz christlicher Herrscher gehalten wurden, lag die Entscheidung über die streitige Frage oft schon in der Wahl des Versammlungs-Ortes; und das Urteil des größeren Teils der Kirche – die Lehre der Rechtgläubigkeit und Katholischen – wurde durch die Entscheidung eines schlau gewählten und hinterlistig versammelten Minderzahl umgestoßen, wie St. Hieronymus bei einer Gelegenheit es ausdrückt: “Der ganze Erdkreis seufzte und war verwundert, sich arianisch zu finden”.
Wie wenig das Regiment der Bischöfe oder die Oberaufsicht von Patriarchen zur Einheit führte, zeigte sich an der Lage der Kirche, als der römische Kaiser Constantin zum Christentum bekehrt, Afrika in den Händen der Donatisten, und eine große Zahl von Bischöfen samt ihren Kirchen in Ägypten und ganzen Distrikten Asiens den Lehren des Arius zugetan war. Diese Gerichte Gottes rechtfertigen die Weisheit Seiner eigenen Ordnung für die Kircheneinheit – Apostel, die die ganze Kirche hinsichtlich des Glaubens sowohl wie der Verwaltung regieren sollten! Und der niedrige Stand der Sittlichkeit, welcher unmittelbar nach der Bekehrung des Staatsoberhauptes sich ergab und die alte Reinheit verdrängte und seitdem fort und fort den Namen der Christenheit geschändet hat, bekundete gleicherweise den Verfall des geistlichen Lebens. Dass Glaube und Sitte so verderbt werden und dabei die wahre Quelle der Kirchenverbesserung und Wiederbelebung fehlen konnte, dies hätte die Bischöfe der Kirche doch leiten sollen zu erwägen, wovon sie gefallen waren, und zu Gott unter Tränen und Flehen zurückzukehren, dass Er Seine alten Ordnungen unter ihnen wieder herstellen möchte. Statt dessen schritten sie mit ihrem unbedachten Vertrauen auf sich selbst, und in der festen Meinung, das alles notwendigerweise so sein müsse, wie es eben war (eine Haltung, in der die Leiter der Kirche wie durch ein Gericht der Blindheit seitdem verharrt haben), zu einem ferneren Akte geistlicher Verderbnis, der geistlich betrachtet etwas Erschreckliches ist. Freilich ohne das zu ahnen, vielmehr in unverständigem Eifer für Gott und für Seine Wahrheit und in der Meinung, Ihm zu dienen, riefen sie nämlich die Einmischung eines christlichen Kaisers an, öffneten der weltlichen Gewalt die heiligen Zäune der Kirche und bahnten so den Weg zu jener Vereinigung der geistlichen und weltlichen Gewalt in einer Hand, die nichts anderes ist, als eine Vorwegnahme der Auferstehungsherrlichkeit und des Himmelreichs, ehe es der Vater erscheinen lässt.
Hiermit sind wir zu der Periode gekommen, wo nicht bloß Einzelne, sondern ganze Völker die Autorität der Kirche anerkannten, darum müssen wir hier das richtige Verhältnis zwischen den weltlichen Herrschern oder Regierungen und der Kirche etwas deutlicher darlegen.
Als Gottes auserwähltes Volk Ihn gereizt hatte, es zu verlassen, in Seinem Zorn ihr König- und Priestertum zu verwerfen, den Bund mit David zu verschmähen, seine Krone zu entweihen und zu Boden zu werfen, Zion zur Wüste zu machen und Jerusalem zu einer öden Stadt, ihr heiliges schönes Haus, worin ihre Väter ihn gepriesen, zu zerstören, Israel zu verwerfen und Juda in die Zerstreuung dahin zu geben, da berief Er Seinen Knecht Nebukadnezar und unterwarf ihm alle Völker und befahl Zedekia, dem König von Juda und allen vom Samen Abrahams, die noch im Lande ihres Erbes geblieben waren, ihren Nacken unter das Joch des Königs von Babylon zu beugen und Ihm zu dienen, und seinem Volke, indem Er den Gehorsam gegen diesen König zum Prüfstein des Gehorsams gegen Ihn selbst machte. Und diesem Nebukadnezar offenbarte sich Gott in einem Nachtgesicht, welches – da es ihm entfallen war und keiner von den Sterndeutern und Weisen seines Reiches es ihm anzeigen konnte – abermals samt seiner Deutung dem Daniel, einem aus den Gefangenen, enthüllt wurde. Und zwar war das der Traum und seine Deutung: Unter der Gestalt eines Bildes, dessen Haupt golden, dessen Brust und Arme von Silber, dessen Bauch und Lenden von Erz, dessen Schenkel von Eisen, und die Füße einesteils von Eisen, andernteils von Ton waren, wurden vier aufeinander folgende Perioden eines Universalreichs über die Menschenkinder dargestellt; die letzte derselben wiederum in zwei aufeinander folgenden Abschnitten, der Stärke und der Spaltung und Schwäche. Und dem Traum ward diese Anwendung gegeben: Nebukadnezar sei ein König der Könige, denn der Gott des Himmels und der Erde hätte ihm sein Königreich gegeben und ihn gesetzt zum Herrscher über alle; nach ihm würden drei andere Königreiche aufkommen, von denen das letzte zuerst stark sein würde wie Eisen, nachmals aber geteilt werden sollte; und wie die Zehen an den Füßen des Bildes einesteils Eisen und einesteils Ton seien, so werde dieses zum Teil ein starkes, zum Teil ein schwaches Reich sein. Aber zur Zeit jener Könige, welche die Vision als die Zehen des Bildes darstellte (die in ihrer äußerlichen Form geteilt, ihrem Stoffe nach gemischt erschienen), werde Gott vom Himmel ein Königreich aufrichten, das nimmermehr zerstört werden, noch auf ein anderes Volk kommen, sondern alle jene Königreiche zermalmen und vernichten solle, während es selbst ewiglich bleiben werde.
Als nun die Völker nach Gottes Vorsehung einer Weltherrschaft in dem vierten dieser geweissagten Königreiche unterworfen waren, nämlich dem römischen Reiche, nicht in seiner letzten Periode der Teilung und Schwäche, sondern noch in seiner vollen Kraft: da ward Jesus geboren, aus dem Samen Davids nach dem Fleische, und von Ihm wurde durch den Engel der heiligen Jungfrau, Seiner Mutter, verkündet, ehe Er empfangen ward, “der Herr werde Ihm den Stuhl Seines Vaters David geben, und Er werde König sein über das Haus Jakob ewiglich und Seines Königreichs werde kein Ende sein”. Dennoch gebot Er uns durch Sein eigenes heiliges Beispiel, Steuern zu geben, wie er selbst sie dem Römischen Kaiser gab, laut Seiner Worte: “Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gottes was Gottes ist”. Demgemäss lehnte Er auch alle Macht über die Dinge dieser Welt ab : “Wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt?” Und als sie Ihn mit Gewalt zu ihrem König machen wollten, ging Er hinweg und entzog sich ihnen. Ebenso hat Er, als Er vor den römischen Landpfleger gebracht wurde, dessen Macht anerkannt, indem Er sagte: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, Meine Diener würden darob kämpfen.” Und als Pilatus zu ihm sprach: “Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen und Macht habe, dich loszulassen?” – da antwortete der Herr: “Du hättest keine Macht über Mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der Mich dir überantwortet hat, der hat die größere Sünde”. Diese Wahrheit, welche Er so durch Seine Lehre aufgestellt und durch Sein Beispiel besiegelte, ward abermals bestätigt durch den Mund Seiner Apostel. St. Paulus sagt: “Es ist keine Obrigkeit ohne Gott, wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Deshalb müsset ihr auch Steuern geben, denn sie sind Gottes Diener”. Und abermals sagt St. Petrus: “Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Übeltäter und zum Lobe den Frommen”, und abermals: “Fürchtet Gott, ehret den König”.
Das Königreich also, welches der Gott des Himmels aufrichten wird, ist noch nicht zur Herrschaft über die Dinge dieser Welt gelangt; und während die getaufte Kirche jetzt die Erstlinge dieses Königreichs in den Gaben des Heiligen Geistes, den Kräften der zukünftigen Welt, besitzt und wie St. Petrus sagt “ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk” ist; und während nach dem Worte der Offenbarung St. Johannes “Jesus, der Fürst der Könige auf Erden uns schon zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott und Seinem Vater”, so müssen wir doch um des Gewissens willen der Obrigkeit untertan sein, die Gewalt über uns hat. Das Reich Gottes ist noch in uns; es ist noch nicht gekommen, wir bitten noch zu unserem Vater, dass es kommen möge, und es wird kommen “in der Wiedergeburt, wenn des Menschen Sohn wird sitzen auf dem Stuhl Seiner Herrlichkeit.” Dann erst werden auch die zwölf Apostel, die mit Ihm auf Erden waren, “sitzen auf zwölf Stühlen, zu richten die zwölf Geschlechter Israels”. Dann aber wird auch das Gesicht St. Johannes in der Offenbarung in Erfüllung gehen: “Ich sah Stühle, und sie setzten sich darauf, und ihnen ward gegeben das Gericht! Das ist die erste Auferstehung! Selig ist und heilig, der da Teil hat an der ersten Auferstehung; über solche hat der andere Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit Ihm regieren tausend Jahre.” Doch noch sind wir in dem natürlichen Leibe und haben den geistlichen noch nicht empfangen; wir werden ihn erst empfangen bei Seiner Erscheinung und in Seinem Reiche; “denn unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesus Christus, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird”. Inzwischen müssen wir uns begnügen, zu sein wie unser Meister, als Er auf Erden war, und Seinem Beispiele nachfolgen. Er war geboren als ein König, doch unterwarf er sich und zahlte Steuern; wir als Getaufte sind auch geborene Könige, ja die Kirche ist das Königreich, und in der Kirche wird die Herrlichkeit des Reichs geübt, und die Diener der Kirche sind Diener des Reichs, und die Namen desselben sind ewige Namen! Aber die Kirche ist das Himmelreich “im Heiligen Geiste”, das Königreich im Geheimnis; die Auferstehung ist noch nicht geschehen; noch sind die Reiche dieser Welt nicht gestürzt, sondern den bestehenden Gewalten gebührt Treue und Gehorsam in den Dingen dieser Welt. Daher, wenn in der Kirche ein König die Taufe begehrt, so wird er getauft wie jeder andere; und wenn er zum Altar Gottes naht, so empfängt er die heilige Kommunion aus den Händen der Priester Gottes wie jeder andere, nicht als König, und Altar Gottes naht, so empfängt er die heilige Kommunion aus den Händen der Priester Gottes wie jeder andere, nicht als König, und wenn er niederkniet im Hause Gottes, in der Versammlung des Volkes, so empfängt er den Segen wie jeder andere, als ein Christ, nicht als ein König. Im Bereich des Staates aber müssen die Getauften, Priester wie Laien ihm gehorchen. Mag der König getauft sein oder nicht, ihm gebührt Gehorsam in dieser Welt, als der Ordnung Gottes für die weltliche Regierung, wenn auch das Reich dieser Welt nicht das Reich des Himmels ist. Und wie viel höher der Lohn sein mag, den ein gläubiger König hernach empfangen soll, so wird er ihm doch nur werden wegen der größeren Verantwortlichkeit, die er als Mensch, und der schweren Pflichterfüllung, die er als Christ, aber nicht als ein Diener der Kirche, auf sich hatte. Darum aber bestreiten, dass der Thron das Symbol, und in einem christlichen Lande mehr als ein Symbol, das sichere Unterpfand der ewigen Herrschaft Jesu Christi sei, gerade wie der Altar Seiner Priesterschaft das Symbol Seines ewigen Priestertums ist – oder dass in einer Gemeinschaft von Getauften, die als Gemeinde den Glauben der Kirche Christi bekennt, königliche Herrschaft und priesterliche Gewalt auch gegenseitige Beziehungen und Verpflichtungen habe, hieße, das Königtum und das Priestertum Christi auseinanderreißen. Die häuslichen und bürgerlichen Verhältnisse sind ihrem Ursprung nach eben so gut von Gott verordnet und eben so sehr Mittel des Segens, als die kirchlichen. Der König und der Vater sind so nötig, wie der Apostel und der Hirte. Und in einem christlichen Lande drückt ihnen die Taufe ein heiliges Siegel auf und gibt ihnen Gott durch Seine Priester eine Weihe schon in ihrem Ursprung. Denn in der Kirche des lebendigen Gottes werden die Gelübde von Mann und Weib, welche sich einander verlobt haben, anerkannt und gebilligt; und durch Gottes Priesterschaft werden diese Gelübde angenommen und eine geistliche Vereinigung der beiden bewirkt. So kommt auch der christliche Herrscher zur Kirche Gottes, und hier werden seine Gelübde, sein Volk traulich zu regieren und alle seine königlichen Pflichten zu erfüllen, angenommen; aus den Händen des Priesters Gottes empfängt er die Salbung, durch welche er in den Stand gesetzt wird, seine Pflichten zu erfüllen, und so regiert er von Gottes Gnaden. Aber auf Gottes Kirche, auf den Kreis der in der Taufe beruhenden oder aus derselben abgeleiteten geistlichen Verhältnisse, ist die Macht des Priesters beschränkt, und er hat sich nicht in die Leitung einer Familie einzumischen, noch weniger in die der Staatsfamilie. Umgekehrt ist in der Kirche auch der höchste Monarch nur ein Empfänger der Gnade Gottes: Regiment, Funktion und Dienst in derselben sieht ihm sonst nicht zu und, wenn er sie ausübt, ist es Usurpation.
Die weltlichen und kirchlichen Oberen haben also jeder seinen besonderen Wirkungskreis. Das Amt des Priestertums soll Königen und Völkern ihre Pflichten lehren und allen und jedem die Gnade und den Segen vermitteln, ohne welche sie außerstande sind, jene zu erfüllen. Es gibt keine gute gesunde Politik, die nicht christlich ist; und die Priester sind die verordneten Lehrer der göttlichen Grundsätze für Herrscher und Untertanen. Aber ihre Pflicht ist eine rein geistliche. Ihre Worte werden an den Glauben und an das Gewissen gerichtet, ihre Macht ist geistlich, und als Bürger sind sie Gehorsam schuldig. Die Pflicht der Könige ist: ihr Volk nach den Gesetzen und Ordnungen Gottes zu regieren, die sie (in dem Glauben, dass Er und nicht Menschen sie gegeben) aus dem Munde der Priester annehmen. So sind sie, wie die ersten, so auch die gehorsamsten Söhne der Kirche, aus deren Schoß alle Getauften Gottes geboren sind und an deren Brust alle ernährt werden, und darum werden sie die Kirche mit kindlicher Sorge vor jeder Gefahr bewahren und beschirmen. Über die Leute aller ihrer Herrschaften sollen sie herrschen in Gerechtigkeit; aber Herrschaft und Gewalt über den Glauben, innere oder äußere Gewalt in der Kirche, steht ihnen nicht zu; sie wäre ein Eingriff in die Würde Christi als des wahren Melchisedek. Christus allein ist König der Könige und Priester des Allerhöchsten.
Die Salbung und Krönung eines christlichen Königs durch die Hände eines Priesters Gottes ist eine löbliche Ordnung. Sie besagt nicht, dass der Priester zeitliche Gewalt über den Herrscher habe; sie besagt, dass niemand seine Pflichten erfüllen kann außer durch Gottes Segen, und dieser Segen nur in Seiner Kirche, und zwar durch die Segensordnung, die dafür da ist, empfangen werden kann. Gleich den übrigen feierlichen Handlungen der Kirche Gottes ist auch diese kein leeres Gepränge, sondern ein wirksames Mittel, wodurch Gott dem Herrscher Gnade gibt und Herrscher und Untertanen zu einer im Heiligen Geiste verbundenen Gemeinschaft gestaltet. Auf jeden Fall aber schließt sie den Gedanken aus, dass dem Herrscher geistliche Gewalt über die Kirche zustehe von deren Dienern, als des Herrn Hand, er seine Krone und die Segnungen empfängt. Sie besiegelt und heiligt alle ursprünglichen Pflichten beider, des Königs und des Volkes, gegen Gott und gegeneinander: des Königs Pflicht zu regieren, nicht für sich selbst, sondern zum Besten seines Volkes, die Schwachen zu schützen, die Unterdrückten zu rächen, für die Betrübten zu sorgen, seine Macht zum Schutze aller auszuüben und vornehmlich immer eingedenk zu sein, dass alle Gewalt von Gott kommt – andererseits die Pflicht jedes einzelnen, als eines Gliedes des Staates zu stehen an seiner Stelle, gebietend oder gehorchend, wie Gott ihn mag gestellt haben, und sich selbst als einen Verwalter für den Herrn anzusehen über alle, die Seiner Sorge anvertraut sind. Sie erinnert Könige und Herrscher samt ihren Räten, gesetzgebenden oder beratenden, zu herrschen, zu beraten, Gesetze zu geben und zu vollstrecken, in der Furcht Gottes und zum gemeinen Wohl, Richter und Amtleute, Recht und Gerechtigkeit zu üben, Edelleute und Herrschaften, eingedenk zu sein, dass sie Gott von dem Gebrauch ihres Ranges, Ansehens und Besitzes Rechenschaft ablegen müssen; Kaufleute, Fabrikanten und andere, was auch ihr Gewerbe sein mag; Gatten und Familienhäupter, sich die Ehrbarkeit vor jedermann zu befleißigen; und wiederum Weiber und Kinder, Diener und alle Untergebenen, ihre Vorgesetzten Achtung und Gehorsam zu zollen, indem sie die Gewalt Gottes anerkennen in den Namen, die Er selbst trägt als der König, Herr, Richter, Vater und Gebieter. Aber die feierliche Handlung der Einführung eines neuen Königs in sein Reich durch seine Krönung in der Kirche führt noch höhere und besondere Pflichten und noch größere Verantwortlichkeit mit sich. Sie bedeutet, dass König und Volk einen Bund schließen, Gottes wahre katholische Kirche zu beschützen und zu verteidigen; für den König insbesondere, dass er dem Worte Gottes freien Lauf lasen, die Belehrung aller seiner Untertanen erleichtern und durch sein Beispiel und seinen Einfluss Gottes Ansehen in der Kirche erhalten will. Sie schließt in sich das Bekenntnis, dass der Vater alle Gewalt dem Sohne übergeben hat und dass der Herrscher Sein Stellvertreter ist, bis dass Er kommt. Vor allem bringt sie beide, König und Volk, in die Lage, den Heiligen Geist empfangen zu können zur Erfüllung des Gesetzes Christi im Herrschen wie im Gehorchen. Sie sichert ihnen bei allem ihrem Vornehmen Gottes Gegenwart und Schutz und die Fülle jeglichen Segens zu, den sie als ein Staat empfangen können. Aber sie bedingt auch ebenso sicher die Zerstörung jedes sittlichen Bandes, welches Menschen zusammenhält, die Entfesselung aller ihrer Leidenschaften, die Verderbnis und Auflösung des ganzen gesellschaftlichen Lebens, wenn dieser Bund gebrochen und diese Stellung durch Abfall aufgegeben wird.
So hätte die Stellung der Kirche und des Staates zueinander sein sollen, als das Haupt des letzteren sich bekehrte und das Christentum die Staatsreligion wurde. Wären die Getauften damals in der wahren kirchlichen Stellung gewesen und hätten sie alle Ordnungen für die Einheit der Lehre und des Regiments besessen, so hätte die Kirche dagestanden als die Lehrerin des Königs und des Volkes, mochten sie es annehmen oder nicht; als die Lehrerin aller Menschen in allen ihren verschiedentlichen Lebensaufgaben und als die Spenderin der Gnade an alle, um dieselben zu erfüllen. Nie wäre alsdann von dem Heiligen Geiste erfüllten Dienern die Kirche und den gläubigen Herrschern eines gläubigen Volkes die Verbindung der Kirche und des Staates als eine Sache der Nützlichkeit oder der Eifersucht, weder von den einen, noch von den andern behandelt worden. Sie würde sich in die einfache Frage aufgelöst haben: ob der Gott (dessen Gegenwart in der Kirche alle erkannten) das Volk und die Regierung durch Seine Diener in bezug auf jene sittlichen Beweggründe, Mittel und Zwecke unterweisen dürfe, durch die sie bei ihrer Herrschaft und bei ihrem Leben geleitet werden müssen? Die wahrhafte Lehre von der Stellung der Kirche – nicht eine kluge Berechnung, sondern eine lobende Wirklichkeit, die sich an das Gewissen des Menschen richtet, würde ihre Diener vor dem niedrigen Ehrgeiz, Macht im Staate zu erlangen, bewahrt und die Zulassung weltlicher Gewalt in geistlichen Dingen unmöglich und unnötig gemacht haben.
Aber als die Christenheit das Apostelamt willig hinsterben ließ und sich damit beruhigte, dass ihre Sünde Gottes Wille sei, als ihre Vollmacht, die Widerspenstigen dem Satan zu übergeben zum Verderben des Fleisches, durch äußerliche Exkommunikation und Auslieferung an den weltlichen Arm ersetzt werden musste, und an die Stelle des Ansehens apostolischer Entscheidung die der Synoden und Bischöfe getreten war, deren Geltung nur auf ihrer Anzahl beruhte, so war diese Waffe, wie wir gesehen haben, nicht ausreichend in einem Streite, den Bischöfe gegen Bischöfe, Synoden gegen Synoden führten. Wenn nun dennoch Einheit, oder als Ausdruck derselben Einförmigkeit, erhalten werden sollte – denn Einheit ward doch noch immer als ein wesentliches Kennzeichen der Kirche angesehen, so war, weil Gottes Ordnungen fehlgeschlagen waren, scheinbar das einzige Mittel, seine Zuflucht zur weltlichen Macht zu nehmen. Die unmittelbare Folge davon war, dass man die weltliche Macht zur höchsten Richterin in Sachen des Glaubens machte: der Kaiser, thronend in einem Konzilium von Bischöfen, wurde ebenso wohl das geistliche wie das weltliche Haupt.
Dass dies der wahre Stand der Sache ist, welcher Vorwand oder Anschein auch derselben gegeben werden mag, das hat der Erfolg bewiesen. Wenn der Kaiser arianisch war, so waren es auch alle Bischöfe, die nicht von ihren Sitzen vertrieben wurden, war er rechtgläubig, so wurde die Rechtgläubigkeit wieder hergestellt. Als dagegen ein Kaiser heidnisch wurde, blieb die Kirche in ihrem Innern unberührt, wenn auch in ihrer äußeren Würde und Macht nicht unbeeinträchtigt. Zuletzt, beim Verfall der kaiserlichen Gewalt und bei der Teilung des Reiches in viele Staaten, suchte der Bischof von Rom (als der Priester der Hauptstadt und hochgerühmte Primas desjenigen Teils der katholischen Kirche, in dem man für die Einheit und Rechtgläubigkeit am längsten und am erfolgreichsten eingestanden hatte) seinerseits eine Einheit zustande zu bringen, bei der abermals, obgleich in entgegengesetzter Weise das Reich Christi vorweggenommen und nunmehr ein Priester auf den Thron gesetzt ward.
Welches immer die Beweggründe derer gewesen sind, die zuerst die Berufung auf die weltliche Gewalt oder die Erhebung des Bischofs von Rom befördert haben, sei es im ersteren Falle geistliche Unduldsamkeit oder Eifer für Gottes Sache, sei es im zweiten geistlicher Ehrgeiz oder ein besserer Beweggrund gewesen, zuletzt lag der Grundsatz, dass die Einheit ein Kennzeichen der wahren Kirche sei und deshalb auch sichtbar hervortreten müsse, allen ihren Bemühungen zugrunde. Einheit konnten sie nicht erreichen, denn sie wird nie erreicht werden ohne durch jene Einwohnung Gottes, für welche Apostel, Propheten, Evangelisten und Hirten (Apostel und Propheten als die Wurzel der übrigen) gegeben waren. Auch das Streben nach Einförmigkeit war wenigstens eine Anerkennung dessen, was die Kirche sein sollte; eine Huldigung, welche die Getauften, einmal aus ihrer geistlichen Stellung gefallen, noch der Wahrheit zollten, die sie hätten verwirklichen und offenbaren müssen. Nur bei all solcher Anerkennung des Grundsatzes griffen sie, anstatt das Vergangene zu bereuen und Gottes wiederkehrende Gnade zu suchen, zu Mitteln, die nur zum Verderben gereichen konnten. Zuerst wurde die wahre Stellung einer Kirche verlassen und willentlich verleugnet und ein Schritt getan, vor dessen Folgen man lediglich durch den Untergang des Kaiserreichs bewahrt blieb, des Rohrstabs, auf den man sich gestützt. Zunächst riss der Bischof von Rom die zwiefache Würde des Herrn, der allgemeine Bischof und der Fürst der Könige auf Erden zu sein, an sich und nahm in Anspruch und übte das Recht, Kaiser und Könige ein- und abzusetzen und allen Völkern Steuern aufzulegen. Anfangs freilich wurde jener Anspruch von der ganzen Kirche mit Protest zurückgewiesen, doch nur um ihn allmählich dennoch zuzulassen. Das Ergebnis beider Übergriffe war in der Geschichte des Christentums ein beständiger Kampf der geistlichen und weltlichen Macht, die sich wechselseitig verstören. Der Kaiser ging von dem Rechte aus, Kirchenversammlungen zu berufen und zu leiten, das ihm die Vorsteher der Kirche für ihre eigenen Zwecke angetragen hatten, um auch das weitere Recht, der Wahl des Papstes und anderen Patriarchen, in Anspruch zu nehmen. Und späterhin bei der Teilung des Reiches in mehrere Königreiche beanspruchten auch deren Könige die Investitur der Bischöfe, mit Zurücksetzung des Wahlrechts der niedrigen Geistlichkeit und streckten, obwohl nur weltliche Herrscher, ihre Hände aus, um die Symbole geistlicher Ämter in der Kirche zu verleihen. Auf der anderen Seite forderte die Geistlichkeit, und zum großen Teil mit Erfolg, Exemptionen von der Staatsgerichtsbarkeit, von Besteuerung und Kontrolle durch den Staat und ging in einigen Fällen so weit, dass sie Könige absetzte. Endlich machte sich der Bischof von Rom alle diese gegenseitigen Kämpfe und Übergriffe zunutze, um ein politisches Übergewicht zu erlangen und seine Macht über alle übrigen Bischöfe der christlichen Kirche zu befestigen. Freilich blieb ihm der Genuss dieser Gewalt so wenig unangefochten, dass er bald einmal Nachgiebigkeit gegen die Bischöfe einer Nationalkirche (wie z.B. der Gallikanischen) bezeigen, bald einmal der weltlichen Gewalt das Recht der Ernennung zu kirchlichen Ämtern einräumen und sie so als Organ des Heiligen Geistes anerkennen musste.
Dies ist die äußere Gestalt der Kirche, wie sie notwendig aus der Verwerfung der äußeren Ämter und sichtbaren Glieder des Leibes Christi hervorgehen musste; ihren inneren Zustand haben wir bereits dargetan.
Alle diese inneren und äußeren Übel haben bis auf den heutigen Tag fortgedauert, das geistliche Leben ist fast erloschen, und die Getauften bezeugen dadurch, dass sie ihre Zuflucht zu fleischlichen Mitteln nehmen, ihre geistliche Verkommenheit. Denn nur weil geistliches Regiment in der Lehre und Zucht – das Regiment im Heiligen Geist – etwas Unbekanntes geworden war, konnte man nach weltlichen Mitteln greifen, um dieselben festzustellen. So ist das hohe und himmlische Mysterium der Kommunion des Leibes und Blutes Christi in ein einsichtbares und irdisches Ding verwandelt und erniedrigt worden. Die Reinheit und Jungfräulichkeit derer, die dem Lamme nachfolgen, wurde äußerlich nachgeahmt dadurch, dass man verbot, ehelich zu werden und befahl Speisen zu meiden. Die glorreiche Wirklichkeit der Gemeinschaft der Heiligen wurde zu äußerlichen, abergläubischen Akten der Verehrung von Bildern und Reliquien der Verstorbenen; die Übung geistlicher Zucht durch Apostel im Heiligen Geiste zum Begriff eines Fegefeuers, worin die erlösten, vom Heiligen Geist geborenen Gotteskinder noch von Sünde gereinigt werden müssten. Das Geheimnis der Kirche, das Reich, ward in diese Welt eingeführt vor der Auferstehung und Wiedergeburt, vor jener Zeit, da erst die Kinder Gottes und die Erben des Reiches offenbar gemacht werden sollen! Und bei alledem, das bange Gefühl im Herzen, dass man nicht ist, was man zu sein vorgibt; und jene Unfähigkeit, in der unerschrockenen Majestät der Wahrheit dazustehen, welche sich oft genug darin zeigte, dass man zu Verfolgungen und so furchtbaren Grausamkeiten und Missetaten seine Zuflucht nahm, wie sie bei keiner anderen Menschenklasse verübt worden sind. Gleichwohl, trotz aller dieser Verderbnisse und Gestalten der Bosheit, ist auch die römisch-katholische Kirche eine Zeugin für Gott gewesen – eine Zeugin für die Einheit der Kirche in Glauben, Regierung und Gottesdienst; eine Zeugin, dass in den Sakramenten Wirklichkeit enthalten ist, und dass sie nicht bloße Formen sind. Sie hat den Namen der wahren Religion durch die Zeit heidnischer und arianischer Barbarei hindurchgerettet, und von ihr wurde die Flut des eindringenden Muhammedanismus zurückgedrängt. Sie ist zu manchen Zeiten die treue Beschützerin der Rechtgläubigkeit und allezeit die der wahren katholischen Lehre der heiligen Dreieinigkeit gewesen. Hätten doch die, welche sich von ihr trennten, ihren Widerspruch auf die Dinge beschränkt, worin sie geirrt hat, und nicht Lehren und Grundsätze aufgestellt, welche noch tiefere Verderbnis wirken, den Glauben noch sicherer untergraben und die ganze Masse der Christenheit mit einer Ungläubigkeit durchdringen, welche dem Antichrist um so gewisser den Weg bereitet, als sie unmittelbar aus ihren Grundsätzen und nicht bloß aus einem Gefühl der Empörung über römische Irrtümer entspringt!
Der Hauptpunkt der Lehre, worauf die Spaltung der griechischen und römischen Kirche sich bezog, nämlich der Ausgang des Heiligen Geistes, ist nicht ein Streit um Worte, sondern um das Herz des Christentums. Denn, leugnet man, dass der Heilige Geist ausgeht vom Vater und vom Söhne (nicht vom Vater allein), so leugnet man im Grunde, wenn es auch vielleicht nicht sofort zutage tritt, dass der Herr Jesus Christus der Täufer mit dem Heiligen Geiste ist, leugnet, dass die Kirche, die der Tempel des Heiligen Geistes ist, der Leib Christi sei, und damit auch, dass die, welche die Gabe des Heiligen Geistes zum Werke des Amtes empfangen, wirklich Diener Christi seien, so leugnet man endlich, dass die Christen, die als Getaufte den Heiligen Geist empfangen (und denen allen die Verheißung gegeben ist), Zeugen sein für Den, der aufgefahren ist zur Rechten des Vaters. Denn für den Sohn zeugen die Zeichen, Wunder und Gaben des Heiligen Geistes dann nicht mehr, wenn es so ist, dass der Heilige Geist nicht vom Vater und vom Sohne ausgeht, oder dass der Heilige Geist nicht ist der Geist des Sohnes, der Geist Dessen, der die Wahrheit ist. Der Irrtum in der Lehre der griechischen Kirche greift also die ganze Stellung der Kirche als eines Leibes und jedes Getauften als eines Gliedes Christi an. Und so ist es eine gerechte und genau entsprechende Strafe, dass diese Kirche im Ganzen als eine der drei großen Abteilungen der Kirche betrachtet, sich heutzutage mehr von inneren geistlichen Leben, von vernünftiger Andacht und lebendiger Religion entblößt findet, als irgendeine andere christliche Gemeinschaft. Auch in den äußeren Beziehungen haben ihre Ordnungen und Ämter weniger von der Würde der Kirche, und ihre kirchlichen Vorsteher sind mehr der Unterdrückung durch den weltlichen Arm anheimgefallen als irgendwelche anderen; sowohl in Russland, wo durch eine politische Behörde ihre Interessen wahrgenommen und sie selbst regiert wird als in der Türkei und im Orient, wo sie die Beute der Osmanen und nur deswegen am Leben gelassen worden ist, weil sie ein brauchbares Werkzeug für Staatszwecke und ein bequemes Unterpfand für die politische Unterwürfigkeit ihrer Gemeinden abgab.
Die Protestanten andererseits (wir reden hier von ihnen als einem Ganzen und in bezug auf die Tendenz und gegenwärtige Wirkung der bei ihnen im allgemeinen geltenden Grundsätze) widerstehen zwar den Irrtümern und Verderbnissen in Lehre und Praxis, welche in der römischen Kirche vorwalten. Aber ihre ins andere Extrem getriebenen Meinungen und ganze Haltung sind durchweg nur eine – von vielen offen und mit Selbstruhm zugestandene – Leugnung, dass die Kirche notwendigerweise, ja auch nur zeitweise, eine sichtbare sein sollte; dass die Ämter Gottes etwas Wirkliches in derselben seien, und dass die Sakramente etwas mehr bedeuten als bloß angenommene Symbole. Und während sie mit Worten die katholische Lehre annehmen, dass der Heilige Geist als eine göttliche Person ausgehe von dem Vater und dem Sohne, geraten sie, nur unter einer feineren Form, in den Irrtum der griechischen Kirche, indem sie das persönliche Werk des Heiligen Geistes in der Kirche für wenig mehr achten als einen gewissen göttlichen Einfluss. Und indem sie bald eine überlieferte Lehrform, bald einen philosophischen oder einen Gefühlsbegriff an die Stelle der wahren Lehre von der Fleischwerdung des Gottesmenschen, von Seiner bleibenden Gegenwart und Einheit mit der Kirche setzen, haben sie fast allen Glauben verloren, dass Er wirklich auf dem Throne Seines Vaters lebt und zu uns vom Himmel durch den Heiligen Geist mittels der Ämter Seiner Kirche spricht.
Die protestantischen Reformatoren gelangten schon im Anfang nicht zur Einheit unter sich selbst; sie bauten nicht die Eine Kirche aus dem Abfall, sondern fügten nur noch viele Sekten zu dem vorgefundenen Babel hinzu. Sie begnügen sich damit, Systeme zu gründen, und suchten die Kirche mit Lehren und Glaubensbekenntnissen zu bilden, anstatt zu Gott aufzuschauen, dass Er Seinen Tempel auf lebendigen Männern aufbaute, die in Seinen Ordnungen ständen. Die größeren Gemeinschaften der Protestanten machten zu ihrer Verteidigung gegen die weltliche Macht der römischen Katholiken bald Bündnisse mit den Herrschern des Staates; jede für sich, ohne Rücksicht auf andere, und jede in der Absicht, ihr eigenes System in ihren Landesgrenzen festzustellen. Und so haben sie die nämlichen Übel gezeugt, die in der griechischen Kirche bestehen, dass das Leben fast erloschen und die Kirche mit Füßen getreten und nur noch des Staates Magd ist; während die zahlreichen Sekten, welche aus ihnen hervorgegangen sind, einem Geiste der wüsten Gesetzlosigkeit und des Ungehorsams Raum gegeben haben, einem Geist der Empörung gegen alle Autorität in der Kirche und im Staate. Die Geschichte des Protestantismus ist nicht die Geschichte der Einen Kirche, sondern vieler Sekten gewesen, nicht Eines Glaubens, Einer Hoffnung, Einer Taufe, sondern vieler Glauben, Hoffnungen und Taufen. Sie haben nicht zusammen gelebt als Brüder und an Einem heiligen Tisch gegessen und getrunken, sondern haben sich getrennt und untereinander gebissen und gefressen. Die Kirche war Eine im Anfang durch die Einwohnung des Heiligen Geistes, später wurde sie zusammengehalten durch Ehrgeiz und Grausamkeit, aber seit der Reformation war gar keine Einheit zu sehen, sondern eine Menge einander feindlicher Sekten, eine der anderen widersprechend, die ihren einzigen Anspruch auf Einheit in die Heilige Schrift als die Norm der Wahrheit, setzten; während sie doch die Unrichtigkeit ihres Anspruchs damit bewiesen, dass eine jede sich auf die Heilige Schrift beruft, um ihre besonderen, manchmal widersprechenden Glaubenspunkte zu stützen.
Schon von der frühesten Zeit an verriet das gleichgültige, unheilige Wesen vieler, die sich zu den Lehrern der Reformation bekannten, nur zu deutlich, dass sie die Reformation vielmehr als eine Emanzipation von den Fesseln begrüßten, die durch das Papsttum ihren ungezügelten Lüsten angelegt waren, denn als eine wahre Freiheit des Geistes von der Knechtschaft Satans. Die alsbaldige Zuflucht zum Schwerte, die Einmischung der reformierten Fürsten und Geistlichen in die inneren Unruhen Deutschlands, die hervorstechenden Züge der Religionskriege in Frankreich, ihre Leiter, Anführer und Armeen, alles das zeugte deutlich, wie niedrig ihr geistlicher Zustand war. Endlich gar jene ungebührliche Bedeutung, welche das Recht des freien Urteils unmerklich, aber fast unvermeidlich erhalten musste bei Leuten, die in ihrem Streiten für Gerechtigkeit und Wahrheit gegen Finsternis und Irrtum jenes Recht auf zügellose Weise ausübten, fern von aller Zucht des Hauses Gottes oder der Stimme Seines Geistes, die da demütigt, reinigt und bewahrt; dies alles zeigt die tief liegende Wurzel des antichristlichen Geistes, welcher neuerlich so reißend und für alle, welche sehen wollen, so handgreiflich in allen Lebensgebieten sich hervordrängt. Denn nach jenem Grundsatz, wie man ihn jetzt auslegt, darf jeder einzelne sein eigener Richter sein und alles Urteil und Ansehen des Königs und Priesters, der Obrigkeiten und Herrschaften, des Gatten und Vaters verachten, er darf über alles neben und über ihm urteilen. Ein jeder ist sich selbst genug als Führer, Bewahrer und Lehrer, mit einem Herzen, das sich über Gottes Wort hinwegsetzt oder es sich selber auslegt, anstatt sich darunter zu beugen – alles zur Herabwürdigung des Hauptes des Leibes, zur Verachtung jeglicher Ordnung, ausgenommen derjenigen, die man sich zum Götzen gemacht hat. Und inmitten der politischen und wissenschaftlichen Parteisucht, in welche die reformierten Kirchen gesunken sind, ändern die neueren wirklichen oder nur angeblichen Erweckungen im Grunde nichts an unserem Gemälde. Die ganze Absicht der evangelischen Erweckung ist ja nicht die Wiederherstellung der Getauften zu einer gesunden Übung jeglicher rechten Tätigkeit der Kirche Gottes, sondern die Unterschiebung anderer Helfer, einzelner oder Vereine, kurz von Menschen, die nicht von Gott berufen sind; von religiösen Gesellschaften, welche die Kirche von der Ausübung ihrer noch übrigen Ämter und Gaben durch Menschensündlein verdrängen; von Missionaren, Männern, ja sogar Frauen, welche von eigenmächtig errichteten Vereinen ausgesandt werden. Und die Bibel, die Gott der Kirche anvertraut hatte, dass sie unter ihrer Autorität und Segnung allen ihren Kindern dargeboten werden sollte, wird als ein toter Buchstabe, gleich einer Ware, in Umlauf gesetzt und zu einem weiteren Mittel der Leugnung gemacht, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist, während sie für Ihn als den alleinigen Heiland doch auf jedem ihrer Blätter zeugt.
Blicken wir nun auf die Lage der Christen und sehen wir sie an, wie Gott sie ansieht, als ein Ganzes; vergessen wir alle ihre Spaltungen, Seiten und Benennungen, die alle gleich weit von der ursprünglichen Verfassung und Gestaltung der Kirche entfernt sind, und erkennen wir sie nur nach diesem einen Kennzeichen – als die Getauften, so nehmen wir in den beiden hervorragendsten ihrer Abteilungen das Streben des Heiligen Geistes, des Geistes Gottes, noch wahr, an der ganzen Kirche jenes zwiefache Werk zustande zu bringen – die Mitteilung Seines Lebens und die Offenbarung desselben durch lebendige Zeugen, wodurch Gott den Leib Seines Christus vollenden will. Wir sehen aber ebenso sehr, wie das Geheimnis der Bosheit in zwiefacher Weise hiergegen anstrebt und beide Werke des Geistes Gottes aufhält und verderbt, um die Kirche und die Welt zuzubereiten für die Offenbarung jenes Gottlosen, des vorher verkündigten Antichristen. Denn Römisch-katholische und Protestantische sind nicht Namen von zwei Kirchen, sondern der Ausdruck dessen, was in dem Leibe vorhanden ist, Gutes und Böses, so dass es keinen Irrtum und keine Wahrheit in der einen Abteilung gibt, die nicht auch in der anderen wäre, obwohl die Arten, wie sie sich kundgeben, sehr verschieden sind und die bezeichnendsten und hervorragendsten Züge beider einander entgegengesetzte sein mögen. Dabei wird das, was wir in Hinsicht auf diese zwei Abteilungen zu sagen haben, auch alles das begreifen, was von der dritten großen Abteilung der Getauften, der griechischen Kirche, gesagt werden müsste.
Die römisch-katholische Kirche hat getrachtet, die Einheit der Kirche in ihrer Form, Verfassung und Lehre zu erhalten. In ihr allein ist ein Zeugnis gesehen worden, dass die Kirche Eifer ist, sowie eine Wirksamkeit des Grundsatzes, dass Einheit oder wenigstens das beständige Streben dieselbe zu erhalten, ihr unveräußerlicher Charakter ist. Und ihr Zeugnis ist das Zeugnis des Ganzen, dass die Kirche Eine ist. Der Protestantismus ist eine Geschichte sowohl des Strebens der Kirche, jenes Leben aus Gott zu erhalten, welches ihr zuerst anvertraut war, als der Regung des Bewusstseins, dass noch etwas anderes not tue als bloße Einheit. Sein Zeugnis ist das Zeugnis der Kirche für das Leben aus Gott.
Ferner, wie das von diesen zwei Abteilungen der gesamten Kirche abgelegte Zeugnis verschiedener Art ist, so ist auch die Sünde, durch welche das Zeugnis einer jeden der vollen Wahrheit ermangelt, von verschiedenem Charakter. Die Sünde der Kirche Roms ist die: dass sie bei dem Streben nach Einheit wenig oder gar nicht auf die Erhaltung des göttlichen Lebens in der Kirche bedacht gewesen ist. Sie hat das Mittel dem Zwecke vorgezogen und um eine scheinbare Einheit darzustellen, eine äußerliche Einförmigkeit an die Stelle gesetzt, und das hat sie gegenüber unzähligen Spaltungen, die immer in ihr bestanden, nicht durch Mitteilung des Einen zu jedem Teile hinfließenden Lebens, sondern nur durch Anathematas und Bannstrahlen, durch Unterdrückung und Gewalt zustande gebracht; es ist ein Hohn der Einheit, eine Einheit des Todes geworden. Andererseits hat die protestantische Kirche das Leben zu erhalten gesucht durch andere Mittel als die von Gott eingesetzten, zu persönlichen und selbstsüchtigen Zwecken, und man kann sagen, mit gänzlicher Beseitigung der Kirche Gottes, und so hat sie zwar das Leben erhalten, aber nur um es in Trennung und Spaltung zu verbrauchen.
Die eine hat die Einheit auf Kosten des Lebens erkauft, die andere hat das Leben durch die Verachtung der Kirche, des Leibes des Herrn, ohne Den das Leben und der Name geistlichen Wesens nur ein mystischer Traum ist, verwirkt. Die in dem protestantischen System verkörperten Übelstände sind darum vorhanden, weil es da unter Getauften ein Bestreben gibt, das Leben unabhängig von der Kirche, die Gottes Ordnung hierfür ist, zu erhalten, das Übel im Papsttum aber, weil es da eine Liebe für die Form, aber verbunden mit Gleichgültigkeit gegen das Leben gibt. Und so sind das Papsttum, indem es das Mittel dem Zweck vorzieht, und der Protestantismus, indem er den Zweck ohne das Mittel erreichen will, beide nicht wahrhaftige Zeugen für Gott – beide kommen darauf hinaus, nur den gefallenen und zerrütteten Zustand der Getauften zu fördern und auszudrücken.
Die Folgen hiervon in der gesamten Kirche sind die von uns beschriebenen. Zuerst wirkten Unwissenheit, Unheiligkeit und Aberglauben mit ihrem unheilvollen Einfluss zusammen, dass die Kirche so weit in Sinnlichkeit, Gottlosigkeit und Käuflichkeit versank, wie sie sich in den Jahrhunderten vor der Reformation darstellt. Darauf brach aus einem langen Schlummer unter der äußeren Form, währenddessen das Leben schnell dahin geschwunden war, zuerst der Unabhängigkeitssinn hervor und hinterher der alles durchdringende Geist der Spaltung. Und nachdem alle diese entgegengesetzten, aber gleich verderblichen Richtungen zusammengewirkt hatten – Aufklärung und Unwissenheit, Selbstgenügsamkeit und abergläubische Unterwürfigkeit, Gesetzlosigkeit und Priesterlist, so war das unvermeidliche Endergebnis jener Unglaube, der mit dem Aberglauben auf der einen und der religiösen Enthusiasterei auf der anderen Seite näher verwandt ist, als es die hervorstechenden Züge beider zunächst vermuten lassen.
Viele der protestantischen Gemeinschaften sind dem Königtum des Papstes nur ausgewichen, um unter das Priestertum des Königs zu geraten, indem sie freiwillig die geistlichen Ämter von seiner Bestallung abhängig machten und ohne Widerrede das Eigentum der Kirche von räuberischen Herrschern als Preis ihrer Unterstützung einziehen ließen. Andere haben selbst den Begriff von einer Regierung in der Gesamtkirche verworfen und gesucht, jede kleine Gemeinde und Vereinigung von aller Verbindung mit anderen loszumachen, und so unter der Maske christlicher Freiheit und des Rechts der Privatmeinung in die Staaten, wie in die Kirche, den Hass gegen alles Regiment und die Verachtung aller Autorität eingeführt. Unter der Form persönlicher Frömmigkeit und der Gemeinschaft mit dem unsichtbaren Haupte zerreißen sie ohne Bedenken Seinen Leib, teilen Seine Kleider unter sich und werfen das Los um Sein Gewand. Sie stellen das Phantom einer unsichtbaren Kirche und eine mystische Einheit auf, die nicht einmal wie die römisch-katholische den Anspruch macht, auf Ordnungen Gottes zu stehen.
90. Die protestantischen Regierungen, die meistenteils ihre Geringschätzung der heiligen Ordnungen der Kirche damit begründeten, dass dieselbe ja doch nicht hätten fortbestehen können, haben die Kirche in ihren Ländern für ihre eigenen Zwecke gebraucht, sich mit unheiliger Gönnerschaft überall eingemischt und in die Kirchenstellen Männer eingesetzt, welche nur durch Konnexionen oder Gelehrsamkeit empfohlen waren. Schließlich sind sie, in gänzlicher Unwissenheit darüber, dass die Kirche ein Leib ist und nicht viele, und eine Lehre hat und nicht viele, dazu gelangt, ihre Untertanen von jedem umherziehenden Abenteurer im Predigthandwerk, dem schändlichsten aller Gewerbe, irreführen zu lassen. Und das Volk seinerseits, auf allen Seiten durch die Beispiele seiner Vorgesetzten und oftmals durch die Vorschriften seiner Lehrer belehrt, dass es berechtigt und befähigt sei, sich über alle Gegenstände der Politik und Religion seine eigene Meinung zu bilden, dass jede Beschränkung solchen Rechtes Tyrannei oder Verdummung, dagegen der zügellose Gebrauch der Zunge ein unveräußerliches Grundrecht sei, hat alle Furcht Gottes abgeworfen und steht bereit, jede Schranke der Religion und der gesetzlichen Obrigkeit umzustürzen, und die von gottlosen Philosophen so pomphaft vorgetragenen Lehren, jene, ach ! alle Klassen des christlichen Gemeinwesens durchsäuerten Grundsätze in Praxis umzusetzen.
Ja, alle Klassen der Christenheit! Denn nicht unter den Protestanten allein sind diese Grundsätze wirksam: überall schmeicheln alle, die Gewalt in Kirche und Staat besitzen, dem Volke. Selbst diejenigen, welche für ihre eigene Person völlig jenen Grundsätzen der Ehrfurcht, Autorität und dankbaren Ergebenheit beistimmen, durch welche Könige und Priester dem Herzen eines Volkes ehrwürdig sind, verbergen ihre Meinung vor den Menschen aus Furcht vor der öffentlichen Meinung. Sie beugen sich vor jener kleinlichen Weisheit des jetzigen Zeitalters Anbequemung an die Umstände, und helfen damit sehr kräftig die große Lüge Satans ausbreiten, welche jetzt von Land zu Land in der Christenheit erschallt: das Volk sei die Quelle der gesetzlichen Gewalt! Allerorten wird die Volksgunst gesucht, mit dem Bekenntnis der Wahrheit zurückgehalten, und der Gedanke, dass der Herrscher Gottes Ordnung ist, verschwindet aus seiner eigenen Brust, wie er aus dem Herzen seiner Untertanen bereits geschwunden ist. Und die Kirche hat in ihrem Verhältnis zum Staate nicht mehr die Autorität, Könige und Völker zu belehren, sie wird auf das Maß von politischen Einfluss beschränkt, das sie etwa noch besitzen mag; ihre Zeremonien und Dienste bei allen Staatsaktionen werden nicht mehr als Spendungen eines besonderen Segens betrachtet, sondern entweder abgeschafft oder lediglich als ein Teil des offiziellen Gepränges beibehalten.
So gehört es auch zu den Errungenschaften der Zeit, dass die dem Altar Gottes schuldige Entrichtung des Zehnten abgeschafft ist. In einigen Ländern war sie längst außer Gebrauch gekommen, da die reformierte Geistlichkeit nicht wagte, ihr Recht geltend zu machen. In anderen ist sie durch die gesetzlose Gewalt der Revolution ohne Hoffnung auf Wiederherstellung beseitigt worden; und jetzt wird auch das letzte Überbleibsel gefordert unter dem gleißenden Vorwand, dass die modernen Grundsätze der Staatswirtschaft den Zehnten nicht mehr zuließen, dass er auch nur eine parteiische Besteuerung und der Landwirtschaft nachteilig sei. Aber gerade der Umstand, dass in diesen Gründen etwas Wahres liegt, ist der dauernde Beweis, dass die Christenheit von dem Glauben ihrer Väter abgefallen ist. Der Zehnte ist wirklich eine ungleichmäßige Besteuerung geworden, weil St. Augustinus Wort an die Gläubigen*, den Zehnten zu geben nicht bloß vom jährlichen Feldertrage, sondern von ihrem täglichen Verdienste, längst nicht mehr der Überzeugung und Übung der Christen entspricht. Als die Frömmigkeit unserer Vorfahren durch öffentliche nationale Beschlüsse dem Herrn die Zehnten weihte, waren die Reichtümer des römischen Reiches verschwunden, und es ist nicht zuviel gesagt, dass es damals kaum noch andere Quellen des Wohlstandes gab als den Bodenertrag. Weil deswegen füglich Gesetze auf andere Arten von Eigentum sich nicht geben ließen, bezogen sich die Zehntgebote bei allen Völkern dem Buchstaben nach lediglich auf Bodenerzeugnisse. Aber heutzutage, wo Gott zum Lohne der Frömmigkeit die Reichtümer der christlichen Völker auf eine in der früheren Geschichte beispiellose Weise vermehrt hat, ist selbst wo der Buchstabe des Gesetzes noch unverändert besteht, der Geist, in welchem Zehnten gebracht werden sollten, verschwunden. Anstatt die Zehnten von aller Habe im Glauben darzubringen, haben die Nachkommen sich auf die buchstäbliche Verpflichtung beschränkt und haben so, durch Vorenthaltung der Zehnten von allem sonstigen Einkommen, auf den Zehnten vom Bodenertrag allerdings den Vorwurf einer ungleichmäßigen Besteuerung gebracht. Darüber ist die nationale Huldigung gegen Gott, welche man durch Entrichtung des Kirchenzehnten ausdrückte, als des Teils, den Er sich unzweifelhaft vorbehielt, da Er die Erde und ihre Früchte den Menschenkindern gab – denn der Zehnte ist älter als das Gesetz Moses und von jeher der Tribut gewesen, den die Gläubigen Gott als dem Geber aller Dinge darbrachten, allenthalben vertauscht worden mit spärlichen Dotationen, die man der Kirche aus Klugheit oder Gunst, nicht als nach Pflicht und Recht bewilligt hat. Die Priester Gottes sind besoldete Diener des Staates geworden. Aber die Geschichte Europas zeigt und wird es noch erschrecklicher zeigen, dass um dieser Dinge willen das Gericht Gottes nicht zögert, wie es der Prophet Maleachi sagt, der die Sünde in ihrem Ursprung aufgedeckt, das einzige Heilmittel vorgehalten, und auch die stolze Antwort der Christenheit auf die Anklage des Herrn vorhergesagt hat: “ihr seid von euerer Väter Zeit an immerdar abgewichen von Meinen Geboten und habt sie nicht gehalten. So bekehrt euch nun zu Mir, so will ich mich zu euch bekehren, spricht der Herr Zebaoth. So sprechet ihr: worin sollen wir uns bekehren? Ist es recht, dass ein Mensch Gott täuscht, wie ihr mich täuschet? So sprechet ihr, worin täuschen wir Dich? Am Zehnten und Hebopfer! Dann seid ihr auch verflucht, denn ihr täuschet Mich allesamt”.
Der nächste Schritt auf der verhängnisvollen Bahn abwärts ist der Grundsatz, dass der Staat alle Formen der Religion nach einem Maßstab vollständiger Gleichheit beurteilen und behandeln, und entweder einer jeden Sekte nach ihrer Artzahl eine gleiche Geldhilfe gewähren oder einer jeden den Unterhalt ihrer eigenen Diener überlassen müsse. In beiden Fällen verleugnet der Staat die Kirche Gottes, im letzteren sogar Gott selbst und alle Religion. Denn beim ersteren Fall hört der Staat auf, in irgendeinem eigentlichen Sinne des Wortes christlich zu sein; beim letzteren bekennt er sich, sofern sein Regiment in Betracht kommt, zu einem Grundgedanken des Atheismus. Gottes Wahrheit ist Eine, Sein Heil ist Eins, und in der einen Kirche Gottes allein sind sie zu finden. Sie gehen von Gott zum Menschen und müssen von den Menschen angenommen oder zu ewigem Schaden verworfen werden. Sie können nie eine Sache menschlicher Wahl sein, noch durch menschliche Majoritäten bestimmt werden. Also jede Art von Religionsgesellschaften auf gleichem Fuße zu behandeln, ist seitens des Staates eine tatsächliche Verleugnung der Offenbarung; und wenn Diener einer Region, welche behaupten die Kirche Gottes zu sein, darein einwilligen, so ist es ein Verrat ihres Auftrages, und das Volk, das in diese Bestrebungen eingeht, verleugnet seine Taufe. Wenn aber das Volk nicht im Bewusstsein seiner Pflicht erhalten wird; wenn die Geistlichen recht um Christi willen als Seine verordneten Organe für jeglichen Segen Gottes ihre Stellung behaupten, und als Seine Priester das Volk zu Gott erheben, so erniedrigen sie sich nur selbst auf eine Stufe mit jenen eigenerwählten Hirten, jenen selbstgemachten Bischöfen, die – eine Erfindung der Neuzeit – keine göttliche Einsetzung oder Vollmacht für ihr Amt besitzen, noch auch nur beanspruchen. Dann handeln sie, als ob entweder das pastorale Amt und alle kirchliche Tätigkeit gar keine Gabe oder Vollmacht von Gott, noch Auftrag von Christus erheische oder als ob sie selbst an ihrer Stellung und ihr ein Besitze jener Gabe, Autorität und Vollmacht zweifelten.
Es ist wahr, dass einige Regierungen nicht förmlich nach solchen Grundsätzen gehandelt, und dass die Staatskirchen sie verworfen haben, aber nichtsdestoweniger haben sich dieselben in die Politik nicht bloß protestantischer, sondern aller Staaten eingeschlichen, die eine größere Anzahl von Protestanten enthalten. Selbst in den streng römisch-katholischen Ländern fangen die Herrscher an, wo sie es nur ohne Gefahr tun können, zu behaupten, dass die Gunst der Regierung gegen irgendeine Religionsgesellschaft im Verhältnis zu deren Kopfzahl stehen müsse, und dass der einzige Grund für die Anerkennung einer Staatskirche der sei, dass sie die Kirche der Mehrheit bilde.
So sind die einzigen Mittel aufgegeben worden, wodurch die Herrscher in den Stand gesetzt wären, ihre Pflicht auf Gott wohlgefällige Weise zu erfüllen und den Übeln zu steuern, welche über die Völker Europas hereinbrechen. Denn gerechtes Regiment kann nicht in der Kraft des natürlichen Menschen geübt werden, der allezeit töricht, gewalttätig und widerspenstig ist; und die Herrscher, die nicht bei Gott die Gnade Seines Geistes suchen, die die Salbung vergessen, welche sie von dem allein Heiligen empfangen haben, müssen dahin kommen, ihre göttliche Vollmacht zu missbrauchen und Unterdrücker zu werden. Ja, das ist immer die Quelle der Tyrannei und schlechten Regierung gewesen: in den heidnischen Zeiten, darum, dass die Gewalthaber die Salbung noch nicht hatten, nach der Einführung des Christentums, weil sie nicht blieben in der Gnade, zu der sie sich nur äußerlich bekannten, und der sie doch auch nicht entsagen mochten. Jetzt aber vollendet sich die Sünde der Herrscher der Christenheit dadurch, dass sie im Herzensgrunde diese Gnade missachten und vergessen oder sogar sie offen verleugnen. Darum werden ihre Reiche durch Erschütterungen und Gerichte heimgesucht. Das Volk, welches unter den Regierungssystemen leidet, die seinen Frieden und sein Glück nicht gesichert haben – denn Volk wie Herrscher denken nicht an die Quelle, von welcher die Heilung ihrer Schäden kommen muss, nämlich von Gott. Sie erheben sich mit Ungestüm, um selbst die Heilmittel zu suchen, irregeführt durch die eitlen Gedanken der Verbesserungs- und Umsturzmänner werden die Menschen bereitwillige Werkzeuge, um alle Einrichtungen in Kirche und Staat in eine unheilbare Auflösung zu stürzen.
Die französische Revolution von 1793 war nur ein teilweiser Ausbruch der allgemeinen Erschütterung, die sich jetzt vorbereitet – der erste Stoß jenes Erdbebens, das jedes Staats- und Kirchengebäude niederwerfen wird. Verderbnis am Hofe und in der Kirche hatten das Glück und das sittliche Gefühl zerstört und Unglaube die Grundsätze der großen Masse untergraben. Das Volk, gedrückt und gereizt, durchbrach endlich alle Schranken, und alle bösen Leidenschaften wurden los. Bosheit und Blutvergießen, ein teuflischer Hass gegen Gott und die Religion und gegen alle Regierung, Ehrbarkeit und Tugend, hatten volle Herrschaft, unerhörte Verbrechen wurden bis in den Palast des Königs hinein verübt, und abscheuliche Ausschweifungen und schmachvolle Entweihungen sogar in den Kirchen Gottes, Mord ward die Politik und Gottesleugnungen die Religion eines ganzen Volkes.
Dabei erhob sich jene Revolution angesichts besserer, damals noch geltender Grundsätze, gegen die sie zwar mit mächtiger Gewalt anstürmte, die aber schließlich noch einmal ihre Kraft brachen. Jetzt aber schwebt die Revolution, von der die frühere nur das Vorbild und die Vorbotin war, über dem Haupte einer vom Übel gänzlich durchdrungenen Christenheit und reißt und schwemmt die Einrichtungen fort, deren Grundlagen schon morsch sind. Denn jener Strom des Unglaubens, der in den Zeiten der päpstlichen Verderbnis noch still unter dem Boden dahinfloss, der in den Tagen des protestantischen Abfalls mächtig anschwoll und ans Licht hervorbrach, wird nun zur dritten und letzten Flut antichristlicher Gotteslästerung sich aufbäumen und beide, Kirche und Staat, als die sichtbaren Ordnungen Gottes, die öffentlich für Ihn zeugen, hinwegspülen und an ihrer Stelle die Ordnungen der Hölle aufrichten. Der Frevel wird gesetzliche Gestalt gewinnen und jeder Schimpf an Gott und Seinem Christus verübt werden – nicht durch die stürmischen Akte wütender Haufen, sondern durch gesetzliche Maßregeln, mit allem Pomp und Urstand von Regierungshandlungen, doch vom Volk ausgehend, dessen Wille allgewaltig sein wird. Die Bande der Gesellschaft, die früher durch die gewalttätige Leidenschaft des Menschen zerrissen wurden, werden dann durch seine gottlose Weisheit gelöst werden. Und sind erst Gottes Bande zerbrochen, so werden keine anderen die Menschen mehr binden können; jedermanns Hand wird gegen seinen Nächsten sein, und Gottlosigkeit wird das Gesetz der Welt werden, bis alle unter dem Zepter jenes Antichristen versammelt sind, der sich eilends offenbaren wird.
Denn wir wissen aus Gottes Wort, dass in den letzten Tagen Hoffart, Gier, Ruhmredigkeit, Stolz, Lästerung, Ungehorsam, Undankbarkeit, Unheiligkeit, Mangel an natürlicher Liebe, Unversöhnlichkeit, Verleumdung, Unkeuschheit, Wildheit, Ungütigkeit, Verrat, Frevel, Aufgeblasenheit, Wollust – und zwar beschönigt durch allerlei Schein von kirchlichem Wesen und Frömmigkeit, aber ohne deren Kraft – nicht bloß ihre Anhänger haben werden, wie wohl zu allen Zeiten, sondern, dass diese Laster die Herrschaft über die Menschen erlangen werden. Mit einem Wort: Gesetzlosigkeit wird überall hin dringen und obsiegen und die Menschen gleich den Wogen der See hin- und herwerfen, bis sie alle ihre Kraft zusammenfasst in jenem Boshaftigen, dem Gesetzlosen, der geoffenbart werden wird, dem Menschen der Sünde, der da ist ein Widerwärtiger und sich überhebt über alles das Gott oder Gottesdienst heißt, dessen Zukunft geschieht nach der Wirkung Satans mit allerlei lügenhaften Kräften, Zeichen und Wundern. Und er muss in Kürze geoffenbart werden! Denn unter dem wachsenden Tosen und den grausen Wirren jedes Volkes in jeglichem Land Europas, bei dieser Bangigkeit und Erwartung der Nationen, eilt die in Gottes Wort vorher verkündigte Zeit herbei, wo des Menschen Sohn kommen wird in den Wolken des Himmels, zu richten die Völker und jenes Reich aufzurichten, das kein Ende haben wird. Und wenn Er kommt, wird jener Gesetzlose bereits enthüllt dastehen; denn es ist geschrieben, dass der Herr ihn umbringen wird mit dem Geiste Seines Mundes und seiner ein Ende machen durch die Erscheinung Seiner Zukunft.
Das ist die furchtbare Krisis in der Geschichte der Menschheit, welcher die Welt entgegengeht, und das ist die “Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden”. Und “wie ein Fallstrick wird der Tag kommen über alle, die auf Erden wohnen”. O, dass darum diese Warnung eindränge in die Ohren und Herzen aller Gesalbten Gottes! Denn wo sie nicht hören und glauben, kann nichts die Priester der Kirche Gottes davor bewahren, sich unter den falschen Propheten zu scharen, der von der Erde aufsteigt, und nichts die Könige der Christenheit erretten, dem Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, ihre Macht zu geben und sich dann unter ihm zum Streite mit dem Lamm zu sammeln. Dieser Krieg aber wird ihr Untergang sein, wie geschrieben steht: “Ich sah das Tier und die Könige auf Erden und ihre Heere versammelt, Streit zu halten mit Ihm” und “Diese werden streiten mit dem Lamm, und das Lamm wird sie überwinden, denn Er ist ein Herr aller Herren und König aller Könige”.
Also, den Abfall und das herannahende Gericht, die sichtbare Verderbnis und das gegenwärtige Elend der Getauften Gottes, die gänzliche Unähnlichkeit jener Gemeinschaften, die sich Kirche nennen, mit derjenigen, die in der Heiligen Schrift unter diesem Namen als “die Kirche” beschrieben wird – mag man jede einzelne für sich oder alle zusammen prüfen, sowohl nach ihrer äußeren Gestalt, Ordnung, Einheit und geistlichen Herrlichkeit, als nach ihrer inwendigen Heiligkeit, Reinheit, Frieden, Segen und Güte, ferner ihre daraus folgende Unfähigkeit, Gottes Ratschluss an sie oder ihre Pflicht gegen Ihn und Seine Geschöpfe zu erfüllen; endlich ihre gänzliche Unbereitschaft auf das Kommen des Herrn: dies alles haben wir nun dargetan. Und wir rufen die Gewissen aller, zu denen dieses unser Zeugnis dringt, zu Mitzeugen für die von uns vorgelegten Tatsachen auf. Der höhnische Ungläubige weist mit Fingern auf die Getauften und andererseits auf die Heilige Schrift hin, und indem er das Wort mit dem Zustande vergleicht, findet er die praktische Widerlegung des Glaubens und die Schlussfolge (die ihm die Bekenner selber liefern): dass die Offenbarung zu verwerfen sei. Die kalten, kritischen Halbgläubigen unserer Tage aber, die sich von den Ungläubigen nur unterscheiden, wie sich eben eine Sekte von Philosophen von der andern unterscheidet, machen den Christenglauben lediglich zu einem “System des Christentums” und schreiben alles, was eine höhere Meinung davon geben kann, morgenländischer Ausdrucksweise zu. Und die große Masse der Christen ist, ohne an Gottes Ehre und Plan zu denken, oder Ihm überhaupt einen Plan zuzutrauen, zufrieden mit ihren mancherlei Weisen geistlicher Befriedigung und sucht nur Ruhe für ihr Gewissen, während ihre Meinungen und Grundsätze nicht höher stehen als die ihrer heidnischen Vorfahren! Denn wenn wir die Religion nur gebrauchen wollen, um unsere Furcht zu beschwichtigen oder unserer Einbildungskraft zu willfahren, als ob Gott gar nichts dabei zu sagen oder nicht einen Plan damit hätte, den Er, wenn auch langsam für unsere Augen, doch sicher ausgeführt, so machen wir in der Tat ein christianisiertes Heidentum daraus. Doch nicht bloß die Zustimmung des Gewissens zu dem, was wir bezeugen, sondern auch seine bewusste oder unbewusste Besorgnis, seine Furcht vor gegenwärtigen Übeln, die sich nicht abwenden lassen, seine Angst vor dem, was noch kommen mag – auch dies stimmt mit unserm Zeugnis. Endlich die rastlose Bewegung der Welt, die nimmer enden wollenden und ewig unbefriedigten Fragen, warum es also gehe, das allgemeine Geschrei nach Verbesserung und Änderung – bestätigen gleichfalls die Wahrheit. Denn jede Verbesserung ohne Gott, die bestens eingerichtete Regierung, welche menschliche Weisheit für Kirche und Staat erfinden könnte ohne den Geist Gottes – ist nur Täuschung, ist eitel, ja, ohne Rücksicht auf Ihn ins Werk gesetzt, Sünde. Es ist wie Sauls Tat, der die Geister heraufbeschwor, als Gott ihm nicht mehr durch Träume, nicht mehr durch das Urim, noch durch die Propheten antwortete; oder wie Nebukadnezar, der in seinem Geiste über den Traum der Zukunft beunruhigt nach den Zauberern und Wahrsagern Babylons sandte. Aber Gott allein ist es, “der da offenbart, was tief und verborgen ist, und Er weiß, was in der Finsternis liegt, denn bei Ihm ist eitel Licht”. Und weil die christlichen Häupter noch immer Seine Gesalbten sind, hat Er ihnen jetzt die Zeichen der Zeit gedeutet und die verborgene Ursache dieser Übel kund gemacht, auch die schrecklichen Gerichte, welche noch bevorstehen – die freche Gewalttätigkeit jenes Feindes Gottes und der Menschen, der alten Schlange, welche zuerst den Menschen betrog, und nun die Betrogenen sammelt, um sie in einen gemeinsamen Sturz zu verwickeln, endlich die nahe Zukunft Dessen, der vom Himmel geoffenbart werden soll mit Seinen mächtigen Engeln, Ruhe zu geben denen, die auf Ihn warten, aber Schande und ewige Verachtung denen, so Gott nicht erkennen und nicht gehorsam sind dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Wer aber wird den Tag Seiner Zukunft erleiden mögen, und wer wird bestehen, wenn Er erscheinen wird? Nur ein heiliges Volk, das da wandelt als Kinder des Lichtes und des Tages, nur ein Volk, erfüllt mit dem Heiligen Geiste, jene Knechte Gottes, die an ihren Stirnen versiegelt sind, ehe die vier Winde des Himmels alle Elemente der Zerstörung loslassen werden. Diese Handreichung des Heiligen Geistes kann aber nicht gegeben, die Versiegelung nicht vollzogen, die Kirche nicht vollendet werden, außer durch die Ordnungen, die Gott am Anfang dazu gegeben hatte. Diese sollen fortan wieder gegeben werden; alle Verheißungen der Schrift von der Wiederherstellung Zions zur Stunde seiner größten Gefahr sollen erfüllt und der Ratschluss Gottes hinausgeführt werden nach Seinem Plane und mit Seinen Mitteln und nicht nach Menschendünken. Gott wird wieder erscheinen in der mächtigen Gegenwart Seines Geistes; wiederum sollen Seine Gaben, die Er bei der Himmelfahrt Seines Sohnes gegeben hat und die Ihn nicht gereuen, offenbart werden: Apostel, gesandt nicht von Menschen, noch durch Menschen; Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer, von Aposteln ordiniert, sollen das Werk Gottes in Seiner Kirche treiben und die Erbauung des Leibes bewirken; der Leib soll mit Leben erfüllt, die toten Gebeine sollen zusammengebracht und wieder an ihre rechte Stelle eingefügt werden, dass sie sich erheben, ein mächtiges Heer. Die so dem Lamme nachfolgen, die Unbefleckten, in deren Munde kein Falsch sein wird, die da unsträflich sind vor dem Throne Gottes – sie werden mit dem Lamme auf dem Berge Zion, als die offenbar gewordenen Erstlinge Gottes und dem Lamme, das Unterpfand der glorreichen Ernte, die geschehen soll, wenn der Menschensohn Seine Engel senden und Seine Auserwählten sammeln wird aus den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Das ist eure Berufung, ihr Getauften, denn Gott hat euch nicht verstoßen, und dies ist eure Hoffnung! Nach dem Worte Seines Bundes, da ihr aus Ägypten zoget, soll Sein Geist unter euch bleiben, und Jesus, das Haupt der Kirche, ist noch immer bereit, Seine Ordnungen zu diesem Zweck wieder hervorzubringen, damit Seine Diener fähig seien, das Werk zu tun, das Er von ihnen verlangt.
Und darum, ihr ehrwürdigen Bischöfe, Väter der Kirche, werdet ihr aufgefordert, eure Herden Ihm darzubringen als ein heiliges Volk, das in dem Gericht bestehen und würdig erfunden werden kann, zu stehen vor des Menschen Sohne. Und ihr, erhabene Könige und Fürsten, euch will Gott sich treu erweisen, und euch und eure Völker vor den Fluten der Gottlosigkeit erretten, wenn ihr an eurem Teil eure Pflicht gegen Ihn anerkennen und Ihn in Seiner Kirche suchen wollet. Nur ist dieses keine irdische Befreiung, keine Wiederherstellung irdischer Macht und Herrlichkeit! Schon ertönen die letzten Schläge der Totenglocke dieser Weltzeit – die Welt vergeht und die Dinge dieser Welt! Die einzige Hoffnung, wie es immer die Hoffnung der Kirche gewesen ist, geht dahin, dass wir hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft, und also bei dem Heim seien allezeit, erlöst von den Stricken der Versuchung, von der großen Trübsal, welche kommen wird über den Erdkreis. Aber werdet ihr hören? Gott weiß es. Gewiss, viele werden, und alle könnten hören; und wer da will, soll durch Gottes Siegel von dem Untergang gerettet und in den Gezeiten Gottes bewahrt werden zur bösen Zeit. Wer aber nicht hören und das Siegel Gottes nicht annehmen will, wie wird er jenem Gericht entgehen, von dem geschrieben steht: “dafür, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, dass sie selig würden, wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, dass sie glauben der Lüge, auf dass gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit.
Ihr aber, die Ihr leidtraget über den geniedrigten Stand der Kirche Christi: die Ihr wünschet, dass die Getauften dem Bilde Jesu, des Sohnes Gottes, ähnlich werden und wandeln möchten in Heiligkeit und Liebe, dass Gottes Ebenbild hergestellt und die Schar der Gläubigen Ein Herz und Eine Seele werden möchten, erfüllet mit dem Heiligen Geiste, ihr, die ohne eigene stolze Pläne begehrt, dass dies durch Gottes Mittel geschehe und durch keine anderen – euch vor allen beschwören wir, der Gnade nicht zu widerstehen, die wir euch verkündigen, und nicht die Wahrheit Seiner Ratschlüsse, die wir euch dargelegt, für etwas Unglaubliches zu halten. Ja, weigert euch des Wahnes, dass Gottes Gaben und Berufungen für immer zurückgenommen seien. Hebt eure Häupter auf, denn mitten in der Finsternis lässt Er Sein Licht aufgehen! Die Zeit herannahender Gerichte ist immer auch die gewesen, wo Er Seine Stimme zur Warnung erheben und Seine Zufluchtsstätte bereiten wollte, in der Schutz und Schirm zu finden ist.
Und schon hat Er sich aufgemacht, Sein Heiligtum wieder zu bauen, die zerfallene Hütte Davids, Seinen Wohnsitz in Zion. Von da geht Sein Zeugnis an alle Getauften, ausgerichtet von zwölf Männer, die durch den Heiligen Geist zu Aposteln berufen und aus den Orten ihrer Geburt ausgesondert worden sind für den Dienst Christi in allen Landen. Ihr Amt wird es sein, durch den Glauben und das anhaltende Gebet des Volkes Gottes allen Getauften den Segen auszuspenden, den Jesus, der Apostel Seiner Kirche, durch Apostel geben möchte. Und unsere gegenwärtige Aufgabe ist nicht allein, dem Volke Gottes seine Übertretungen vorzuhalten und dem Hause Jakob seine Sünden, sondern auch die Gnade und Barmherzigkeit des Herrn zu verkündigen, der Sein Volk tröstet und freundlich redet mit Jerusalem, damit der Weg des Herrn bereitet und die gute Botschaft auf den Bergen gepredigt werde, dass Jesus Seine Herde weiden, die Lämmer in Seine Arme sammeln und an Seinem Busen tragen und die Schafmütter sanft führen will.
Denn Gott hat das Flehen Seines Volkes gehört; sowohl das stille Gebet, den Ausdruck des Sehnens, welches Sein zuvorkommender Geist in den Herzen Seiner Verborgenen erweckt hat, wie die Bitten, welche durch die Fügung Seiner Vorsehung zu jeder Zeit in der Kirche, auch noch in den Gottesdiensten der getrennten Gemeinden der Getauften, dargebracht worden sind. Er hat Sein Ohr geneigt zu der Stimme eines Jeden, welcher im Glauben und mit aufrichtigem Herzen zu Ihm gefleht, dass “Er die Betrübnis Seines Volkes ansehen und Den bald senden wolle, den Er senden will, das Lamm, als den Herrscher der Erde, von dem Fels in der Wüste bis zu dem Berge der Tochter Zion, damit Er von uns nehme das Joch unserer Gefangenschaft”*. Er hat gehört auf das Schreien derer, die über den gesunkenen Zustand Seiner Kirche getrauert und zu Ihm gerufen haben, dass Er sich aufmache und Seine Macht anlegen und uns mit Seiner großen Kraft helfen möge, damit das, was unsere Sünden aufgehalten haben, durch Seine Gnade und Erbarmung beschleunigt werde.
So haben sich besonders im Laufe dieses Jahrhunderts viele, die einen Eifer für Gott hatten, allerorten, zumal in Großbritannien, vereinigt im Gebet um eine reichliche Ausgießung des Heiligen Geistes. Im Jahre 1830 wurden im Westen von Schottland diese Gebete des Volkes Gottes, dieses Rufen des Heiligen Geistes, von Ihm selbst beantwortet! Die Form Seiner Äußerung dabei war in diesen unseren Tagen geistlicher Trunkenheit und Ordnung so, wie der Prophet Jesaja in seinem Gesicht von dem Gericht über die Trunkenen Ephraims und über Jerusalem sie geweissagt hatte, nämlich: “Mit stammelnden Lippen und mit anderen Zungen”. Die Glieder der schottischen Kirche, unter denen der Geist des Herrn damals Seine so lange verstummte und vergessene Stimme erhob, waren einfache, ungelehrte Leute, die mit der praktischen und buchstäblichen Bedeutung des 14. Kapitels des ersten Korintherbriefs so wenig vertraut waren wie die übrige Kirche. Aber sie hatten gelernt und erwarteten mit hoffnungsvollem Glauben, dass die Kirche nochmals und bleibend mit geistlichen Gaben erfüllt werden würde, wie in den Tagen vor alters. Auch einige Personen in London, Glieder der anglikanischen Kirche, und andere, die mit ihnen gleichen Glaubens waren, empfingen dasselbe Siegel und dieselbe Antwort auf ihr Gebet. Da keiner der Geistlichen der Staatskirche dieses Landes die Hand der Liebe ausstreckte, um die so gebrauchten Gefäße des Herrn zu schützen und zu halten, fand der Herr selbst Schirm für sie in der Gemeinde eines Dieners der schottischen Kirche zu London, welcher längst bezeugt hatte, dass der Herr nahe sei, und nun auch wartete auf den Trost Israels in der Wiederherstellung der Gaben des Trösters. Ihm gebührt außer dem Lob, dass seine guten Werke in allen Kirchen finden sollten, die besondere Ehre, dass er zuerst die Stimme Gottes erkannte und gestattete, dass sie sich in der kirchlichen Versammlung derer vernehmen ließ, welche sich als Seine Diener und als Jünger Jesu Christi bekannten.
Es war ein wunderbares und erhabenes Werk, das Gott damals tat, als Er Seine Stimme noch einmal inmitten Seines versammelten Volkes erhob. Da war Freude im Himmel: die Engel sangen und gaben Gott die Ehre; die Engel freuten sich im Himmel, als die Stimme Jesu inmitten Seines Volkes gehört wurde. Und diese Stimme soll nicht wieder schweigen, sondern forttönen bis an die äußersten Enden der Erde!
Was aber war die Frucht dieser Stimme, die inmitten der Kirche erscholl und von der Kirche verworfen wurde, die zu den Wächtern kam, und sie erkannten nicht den Schall der Posaune und warnten nicht das Land, die zu dem Volke kam, und sie verspotteten sie und achteten ihrer nicht? Die Stimme rief: “Alles Fleisch ist wie Gras”; und sie verdorrte auch das Fleisch, seine Kraft und Macht, seine Schönheit und Herrlichkeit. Der Wandel der Vorsichtigsten erwies sich vor derselben als unachtsam, die Wege der Aufrichtigsten als eitel böse Wege; die Weisheit der Weisen und der Rat der Klugen ward zuschanden, die Gedanken und Pläne der Menschenherzen wurden aufgedeckt, und das Dichten derselben, welches böse ist von Jugend auf, wurde ans Licht gezogen! Das Licht schien an einem dunklen Orte: die lebendige Deutung des Geistes über die heilige Schrift ward gegeben, und das Gesetz und das Zeugnis in eins verbunden!
Wäre aber das Werk des Herrn nicht weitergegangen, so würde alles, was wir gewonnen hätten, die Erkenntnis unserer eigenen Sünde und der Sünden unserer Väter gewesen sein; es wäre uns nur ein bitteres Warten auf den Umsturz alles Ehrwürdigen und Heiligen zuteil geworden, ohne eine Spur von Hoffnung oder eine erdenkbare Hilfe.
Aber Gott hat das Werk Seiner Hände nicht verlassen. Zwar verhältnismäßig wenige in dem Land, wo Gott sich so geoffenbart hatte, achteten auf die Kunde, dass der Heilige Geist wieder inmitten Seiner Kirche rede, und noch wenigere erkannten die Stimme ihres Vaters, aber einige erkannten sie doch! Und die, welche hören und sich bessern lassen wollten, haben die Kraft der Stimme des Allmächtigen erfahren, der da tötet und macht lebendig, der da verwundet, aber auch wieder heilt. “Sie hat Er durch Seine Propheten geschlagen”. Sie hat Er gewaschen durch das Wasserbad des Wortes. Er hat sie geführt durch Seinen Geist, Er hat sie zurückgerufen zu den alten Wegen und sie gelehrt darinnen zu bereiten, die durch mancherlei Prüfungen und Züchtigungen, durch manche Kundmachung ihrer eigenen Ungerechtigkeit und Verkehrtheit und Seiner unfehlbaren Gnade, Macht empfangen sollten, die Macht Gottes selbst, zum Aufbau Seiner Kirche und zum Segen Seiner Kinder, um alle Getauften in eins zu bringen, sie zurückzurufen zu der apostolischen Weise und Verfassung der Kirche Christi, sie vorzubereiten zur Aufnahme des vierfachen Amtes Jesu und sie in den Gehorsam der rechten Ordnungen des Herrn zu bringen.
Vom ersten Augenblick an, da die Stimme des Heiligen Geistes in Schottland gehört wurde, ertönte der Ruf nach einem Leibe. Was damit gemeint sei, wurde nur von wenigen und nur unvollkommen verstanden, am wenigsten gerade von den Propheten, durch welche jener Ruf geäußert worden war. Erst nachmals wurde es deutlich erkannt, dass die Gabe der Weissagung nützlich und heilsam nur innerhalb der Grenzen der Kirche, welche der Leib Christi ist, geübt werden kann. Aber wenn auch anfangs nicht verstanden, wurde das Wort doch im Glauben angenommen. Und darum vermochte Gott Antwort auf das Gebet derer, die da glaubten und trotz der Sünde und Unwissenheit Seiner unwürdigen Werkzeuge, bald mehr denn hundert Personen zu erwecken, welche im Heiligen Geist durch Weissagung redeten, und schließlich durch einen feierlichen Akt der Kirche zwölf Männer auszusondern mit dem Namen “Apostel” der ihnen durch das Wort Jesu im Heiligen Geist beigelegt war. Es ist Ihm gelungen, ein Muster, ein Bild von dem, was Seine Kirche sein sollte, aufzustellen, indem Er apostolischen Gemeinden in den meisten großen Städten Englands, Schottlands und Irlands und an einigen Orten auf dem Kontinent Europas und in Amerika errichtete. Diese Gemeinden sind aufgebaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, jede unter der Leitung eines Engels oder Vorstehers und von Ältesten, nicht mehr als sechs in der Gemeinde, welche mit dem Engel das siebenfache Ältestenamt bilden - Gottes Ordnung für geistliches Licht, daneben mit anderen Priestern, je wie das Bedürfnis der Herde es erforderte und Gott sie gibt, die als Gehilfen der Ältesten dienen, ihnen gleich im Priestertum aber ihnen untergeordnet im Rang und Regiment; endlich mit Diakonen und Unterdiakonen. Den Armen wird das Evangelium gepredigt durch Evangelisten als dasjenige Amt, welches für das besondere Werk der Sammlung in die Kirche bestimmt ist.
Die Priester, welche den Dienst der Hirten versehen, und die Evangelisten werden ausdrücklich zu ihrem Amte durch das Wort der Weissagung berufen und durch Handauflegung der Apostel ordiniert. Die Diakonen aber warten auf die Zeit, wann die Apostel ausgesandt mit der Fülle des Segens des Evangeliums Christi, ihre Hände auf alle Glieder der Kirche legen und die Gabe des Heiligen Geistes austeilen werden. Dann wird das Volk auch seine Diakonen voll des Heiligen Geistes vor die Apostel stellen, wie es in der Kirche am Anfang geschah. Auch hat der Herr geboten, dass beim heiligen Abendmahl ungesäuertes Brot gebrochen werde, zum Zeichen der Absonderung von aller Verderbnis der Lehre, Verwirrung der Zucht und Unreinheit des Lebens, von aller Ketzerei und Spaltung und allem unheiligen Wesen, was alles Seinem Herzen eine Last und Seinem getauften Volk eine Schmach ist.
Dies ist keine neue Sekte, es ist Gottes Werk, um Seinen Segen der ganzen Christenheit, der ganzen getauften Welt mitzuteilen. Gott verwirft niemanden. Er will alle, die sich von Herzen zu Ihm bekehren, annehmen und an ihre rechte Stelle setzen. Es ist Gottes Zeugnis: eine Kirche, die inmitten eines ungehorsamen und widerspenstigen Geschlechts einhergeht im Gehorsam gegen alle, die über sie gesetzt sind. In der ganzen Christenheit, Gesetzlosigkeit: hier Unterwerfung unter die Autorität, außerhalb, Spaltung und Sekten: hier ein Leib, einig im Glauben, mit Lehrern, die einmütig dasselbe lehren. Draußen, Schulen des Antichrists unter dem Vorsitz von Häuptern, die sich das Volk selbst erwählt hat: hier, Ein Leib, regiert durch die Ämter, die nicht vom Volke, sondern von Gott gegeben sind. Überall sonst verfällt der tägliche Gottesdienst der Kirche oder wird von den Laien nicht mehr besucht: hier wird der tägliche Morgen- und Abendgottesdienst von den Gläubigen gehalten als ein Gebot Gottes, welches inmitten der Kirche vom Heiligen Geist verkündigt worden ist. Draußen eine ungläubige Welt, die sich gegen die Könige und Bischöfe, gegen den Zehnten, und alle Einrichtungen in Kirche und Staat erhebt und sie verwirft; Weiber und Kinder, die ihre Gatten und Eltern nicht ehren, und Diener, die sich dem Herrn widersetzen. Hier Gottes Kinder, voll Ehrfurcht gegen den König und alle Vorgesetzten, Eltern, Hirten und Herrschaften, die allen Ordnungen und Stufen in Christi Kirche ihre Ehre geben, nicht allein denen, die einem geistlichen Volke durch den wiedererweckten Apostolat gegeben sind, sondern auch denen, welche durch Sukzession von den ersten Aposteln her bestehen; die auch den letzteren jegliche Gebühr entrichten und dabei doch, Reiche wie Arme, nach dem Befehl des Herrn in diesen letzten Tagen (einem Gebot, das an das Gewissen der Gläubigen gerichtet ist und nicht durch menschliche Gesetze eingeschärft zu werden braucht) die Zehnten von allen ihrem Einkommen zum Altare bringen, den Er wieder aufgerichtet hat.
Das sind die Zeichen des wiedererweckten Apostelamtes und sichere Unterpfänder, dass, wenn es dem Herrn gefallen wird, Seine Apostel auszusenden und Seinem Volke die Hände aufzulegen, dieselben ihr Siegel, das Siegel ihres Apostelamtes in dem Herrn sein werden. Und das sind Zeichen, die mit aller Geduld gewirkt sind, und wenn auch bisher noch nicht, wie bei St. Paulus “in Zeichen und Wundem und mächtigen Taten” nach dem, was Menschen für Wunder und Kräfte halten, dennoch Zeichen und Wunder! Denn was trägt so den Stempel Gottes, als dies: dass mitten in einem verkehrten und unschlachtigen Geschlecht ein Zeugnis aufgerichtet wird gegen jeden Gräuel der Sünde, der die Menschen dem Antichristen zutreibt? Zumal, wenn dabei die sichtbaren Beweise, dass viele Kranke geheilt und viel Teufel ausgetrieben worden sind, keineswegs fehlen!
Wunder im gewöhnlichen Sinne des Wortes sind an und für sich kein Beweis der Wahrheit. Die Beweise für die göttliche Sendung des Herrn Jesus Christus, die Er selbst angeführte in den Tagen Seines Fleisches, waren vor allen Dingen Seine Worte und die Frucht derselben, danach Seine Wunderwerke. Vornehmlich durch jene erkannten Seine Jünger “dass Er gewisslich von Gott gekommen, dass Er und der Vater eins war”. Und während die Menge, die Seine Wunder sah, ja selbst viele von Seinen Jungem von Ihm abfielen “sehend und doch nicht glaubend” so hingen die, die geschmeckt hatten, wie köstlich Seine Worte waren, fest an Ihm, indem sie sprachen: “Zu wem sollen wir gehen, Du hast Worte des ewigen Lebens”.
In der Wiederbelebung Seiner Kirche liefert der Herr wieder diesen zweifachen Beweis, vornehmlich aber den ersteren. Durch das Wort der Wahrheit und des Lebens sondert Er den geistlichen Überbleibsel aus der Masse der Bekennenden in der Christenheit aus. Denn obschon Er Seine Kirche in diesen Tagen durch viele Zeichen und Wunder bestärkt hat, so ist doch der Hauptbeweis Seines Werkes die Wahrheit, womit Er die Tiefen Seines Wortes aufschließt. Da Er jetzt mit Völkern zu tun hat, welche nach ihren eigenen Bekenntnis geistlich sind, so wendet Er sich an sie gemäß dieser ihrer Stellung. Er wendet sich an diejenigen unter ihnen, welche geistlich sind, indem Er ihnen Seine Wahrheit vorhält, – altes und neues aus Gottes Geheimnissen. Können sie Ihn nicht erkennen, wenn Er die Wahrheit redet und die Schrift auftut, so werden sie Ihn auch nicht erkennen, wenn Er Teufel austreibt und Tote auferweckt. In den letzten Zeiten wird ja Gott ihnen dafür, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, kräftige Irrtümer senden, auf dass sie glauben der Lüge. Und sie werden der Wahrheit nicht glauben, weil sie Gefallen haben an der Ungerechtigkeit. Andererseits ist gerade das Zeichen des Antichrists in der letzten Zeit, dass er Zeichen und Wunder wirken wird. Durch seine Wunder wird er die Welt täuschen; aber an seiner Lüge soll er von den Heiligen entdeckt werden. Dagegen besteht das Kennzeichen des Werkes des Herrn in der letzten Zeit nicht bloß darin, dass die Wahrheit in Worten aus der heiligen Schrift hervorgebracht wird, sondern dass die Früchte dieser Wahrheit an lebendigen Menschen sichtbar werden; dass Seine Kirche sich erhebt aus ihrem Verfall, nach dem Bilde, wie es am Anfang gegeben war, dass der Geist Elia, der da kommen sollte, alles wieder zurecht bringt, indem er die Herzen der Väter bekehrt zu den Kindern und die Herzen der Kinder zu den Vätern, die Ungehorsamen zur Weisheit der Gerechten. Die Zeichen, die vor allen an Seinen Aposteln und in Seiner Kirche zu erwarten sind, sind die in den Sendschreiben an die Gemeinde zu Philadelphia angegebenen “eine kleine Kraft, Sein Wort zu behalten und Seinen Namen nicht zu verleugnen” !
So höret denn, ihr Männer, ihr Väter und Brüder! Wir kommen nicht als Richter und Schiedsleute zu euch, nicht um zu loben oder zu tadeln, nicht um zu rechtfertigen oder zu verdammen, nicht zu entscheiden zwischen denen, die sich streiten um die Teilung des Erbes des Herrn. Wir kommen nicht, um Partei zu nehmen für oder wider die Streitigkeiten, die oft von kleinen Anfängen ausgehend immer größer und größer geworden sind, bis sie einen unheilbaren, tödlichen Riss in den Leib Christi gebracht haben. Wir kommen als Gesandte des Herrn Zebaoth und beschwören euch, als ob Gott euch durch uns beschwörete, und bitten euch: Lasset euch versöhnen mit Gott! Wir kommen, um zu verkündigen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen! Wir kommen, euch zu den Wegen vor alters zurückzurufen : Euch von fleischlichen Bündnissen zur Einheit des Geistes und zu dem Bunde des Friedens zurückzubringen : Euch zu erinnern an das, was ihr gehört habt von Anfang; und um das, was immer das Gebet und die Hoffnung und der starke Trost der Kirche Gottes gewesen ist, wieder zu beleben; Euch kund zu tun den Weg der Heiligkeit, den Weg der Herrlichkeit; zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn, dass es gekommen ist, und den Tag der Rache unseres Gottes, dass er schnell herannaht. Wir kommen auch nicht als römische oder griechische Katholiken oder Protestanten, noch unter anderen Namen, welche Menschen selbst angenommen oder ihren Brüdern gegeben haben, denn das sind nicht Namen der Einheit; es sind Zeichen der Uneinigkeit. So wenig als Jesus Christus, Euer und unser Herr, wissen und anerkennen auch wir jene Unterscheidungsnamen, wodurch die Glieder der Einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche in viele Sekten sich gespalten haben. Wir richten euch nicht nach dem, was vergangen ist, wonach wir selbst nicht gerichtet werden wollen, denn es wird ein erbarmungsloses Gericht ergehen über den, der nicht Barmherzigkeit übt, und die Barmherzigkeit rühmet sich wider das Gericht. Wir richten nicht vor der Zeit; aber wir verkündigen euch, dass die Zeit des Gerichtes nahe, dass der Richter vor der Tür ist, der da ans Licht bringen will alles, was im Finstern verborgen liegt und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob widerfahren. Habt ihr Eifer für Gott gehabt? – Euer Lohn ist im Himmel! Habt ihr geeifert über Gottes Wahrheit? – Ihr sollt nicht unbelohnt bleiben! Habt ihr geweint über Sein zerbrochenes Gesetz? – Er sammelt eure Tränen in einem Schlauch! Habt ihr oder eure Väter unter den vergangenen Geschlechtern Gott irgend einen Dienst erwiesen? Seid getrost, Er wird Barmherzigkeit erweisen bis ins tausendste Glied an denen, die Ihn lieben und Seine Gebote halten! Suchet jetzt nicht alte Streitigkeiten wieder zu erneuern; habt ihr recht, so trachtet nicht diejenigenzu beschämen, die unrecht haben. Sind andere von einem Fehl übereilt worden, suchet ihnen zurecht zu helfen mit sanftmütigen Geiste. Habt ihr aber einander gebissen und gefressen, so hütet Euch, dass Ihr Euch nicht unter einander aufzehret. Haben andere euch unterdrückt oder vertrieben, so vergebet ihnen, so wie Gott um Christi willen euch vergeben hat. Habt ihr aber zu den Unterdrückern gehört, und zu denen, die das zeitliche Leben für Wollust achten, zu denen, die das Erbteil des Herrn verwüsten, zu den Unheiligen und Gottlosen, zu denen, die die Herde Gottes zerstreuen und fressen, zu den Bedrückern der irrenden Schafe, so verzweifelt auch dann nicht, sondern tut Buße; schaffet hinfort das Böse hinweg und wirket Gutes; trachtet nach Recht, helfet den Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht und helfet der Witwen Sache !
Und wenn wir gefragt werden, warum Gott uns diese Dinge geoffenbart habe, so antworten wir: Nicht um unserer Gerechtigkeit willen, noch weil wir frei gewesen wären von den Sünden, die Gott betrübt haben und Seine schnellen Gerichte herbeiführen – wir haben ja in vergangener Zeit daran Anteil gehabt; nein, nicht um unsretwillen, sondern um Seines Namens willen, und weil Er Seinen Ratschluss mit Seiner ganzen Kirche und an Seinem ganzen Volk ausführen will. Auch ist es nicht geschehen, weil die Länder, in denen wir geboren, oder die Kirchen, in denen wir getauft und erzogen worden sind, tadelfrei wären; denn Gott hat uns ja auch von diesen ausgesondert und sendet uns zu allen. Hätte Er den Heiligen Geist ausgegossen über eine der geschiedenen Abteilungen, so wäre diese Eine damit vor allen anderen gerechtfertigt worden, als habe sie allein nicht gefehlt, und hätte Er den Heiligen Geist ausgegossen über alle, so hätte Er damit jeder Abteilung ihre Absonderung und Selbstzufriedenheit gestärkt. Gottes Absicht aber ist gewesen, Apostel und Propheten zu erwecken und wieder die alten Gründe zu legen, darauf Seinen geistlichen Tempel zu erbauen, von da aus Seine Boten zu senden, dahin alle Seine Kinder einzuladen, und sie da zu segnen.
Er, der über den Cherubim wohnt, ist so erschienen und hat Seine Macht angezogen. Durch die Wiederbelebung Seines vierfachen Amtes von Aposteln, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrern hat Er wieder die ewige Weise kundgetan, wie die Kräfte Seines Geistes ausgehen zu Seiner Selbstoffenbarung an die Menschen. Indem diese Vier, vereinigt, zusammengefasst und geleitet durch Seine Apostel, ausgehen in alle Lande, sollen alle Heiligen Gottes gesammelt, gereinigt und zu Seinem Tempel erbaut werden; und all Sein Volk, alle Seine Kirchen und alle Seine heiligen Ordnungen über die ganze Erde hin als einig erscheinen.
Denn alle Gläubigen müssen in eins versammelt werden und durch sichtbare Absonderung von den Ungläubigen als eine Einheit sich zeigen. So gut wie jetzt die Diener des Herrn in die Länder ausgehen und Sein Panier aufpflanzen, so mustert auch Satan seine Scharen und schreitet mit seinem Werk vorwärts. Und ist dies wahrhaftig Gottes Werk – und wahrlich, es ist Sein eigenes, heiliges und lauteres Werk – was muss die unausbleibliche Folge sein, wenn es verworfen wird? Wenn Gott Seinen Gesalbten naht, ihnen das einzige Mittel der Hilfe gnädig darreicht, wenn Er Seinen Geist ausgießt und Seine Hände ihnen entgegenstreckt, und sie wollen nicht, muss dann nicht Sein Schrecken über sie kommen wie ein Sturm und ihr Unfall wie ein Wetter? Die Vorbereitung der Getauften auf den Empfang des Herrn, wenn Er kommt, besteht in der Fülle des Heiligen Geistes. Wenn sie aber im Fleisch verharren, während Er sie ruft, sich mit dem Geist erfüllen zu lassen, werden sie da nicht mit dem Geiste kräftiger Irrtümer erfüllt und dem Menschen der Sünde übergeben werden? Ja, wenn der Herr abermals Apostel und Propheten zu Seiner Kirche sendet, und die Getauften verwerfen und verfolgen sie, so erklären sie damit Ihren Abfall. Dann wird das Licht aber auch die Finsternis offenbar machen, das Kommen des Herrn im Heiligen Geist zu Seiner Kirche wird die kundmachen, die den Herrn fürchten und die Ihn nicht fürchten; das geistliche Wort der Wahrheit wird alle prüfen, welche die Wahrheit bekennen oder bekennen sollten, ob sie wirklich geistlich sind, und gleich dem bitteren Fluchwasser wird es diejenigen als Treulose richten, die es nicht mit Freuden aufnehmen !
Und nun, ihr Diener Gottes, ihr Bischöfe und Hirten Seiner Kirche, die Ersten im Segen, aber auch in der Verantwortlichkeit als Väter der Kirche, als Hirten des Herrn, beschwören wir euch, verwerfet nicht unser Zeugnis. Wir bieten dem Glauben eine Hilfe und Kraft Gottes an, wie die Gottesfürchtigen sie wünschen müssen, die in Seinem Wort wohl Unterrichteten sie glauben, und die Gläubigen sie bei Gott suchen werden. Die Vorurteile von Jahrhunderten, die Sünden vieler Geschlechter, die falschen Schritte, die man getan, ja selbst die mancherlei Anstrengungen zur Heilung der Schäden der Kirche – haben alle zusammengewirkt, euch in Notstände zu bringen, welche unser Wort wie eine erdrückende Last euch fühlbar machen sollte, von denen ihr euch aber nicht selbst befreien könnt. Wir rufen euch nicht auf, einen Schritt in eurer eigenen Kraft zu tun, noch zu trachten, dass ihr euch selbst von Eueren Verbindlichkeiten gegen eure Vorgesetzten, Genossen oder Untergebenen losmachet. Aber dies verlangt Gott von euch: dass ihr, während ihr bleibt, wo ihr steht, Gottes Hand in Seinem gegenwärtigen Werk anerkennt! Und weiterhin: dass ihr bekennt die Sünden, die gleich einer finsteren Wolke den Himmel bedeckt und das Licht des Lebens verdunkelt haben, ablasset von allem Götzendienst; ferner bleibet von jeglicher Art von Taten, Worten und Gedanken, die an sich böse sind, dass ihr samt dem euch anvertrautem Volk wartet auf die Erlösung Israels, wachend Tag und Nacht, mehr denn die Wächter, die auf den Morgen warten; anhaltet am Gebet, und fröhlich seid in Hoffnung, weil eure und eures Volkes Erlösung nahe ist durch die Macht Gottes im Heiligen Geiste. Vor allem bittet für uns, dass wir, gleich wie der Herr uns gebraucht hat, euch diese frohe Kunde zu bringen, so auch tüchtig gemacht werden, jene verheißene Erlösung zu bewirken und all den Segen euch zu bringen, den der Herr sich sehnt in den Schoß Seiner Kirche zu schütten
Ihr aber, Fürsten und Herrscher der Christenheit, seid versichert, dass in der Wiederkehr der Herrlichkeit des Heiligen Geistes zu der Kirche Gottes eure wahre Kraft liegt und die einzig sichere Rettung inmitten dieser Zeiten der Verwirrung. Und deshalb beschwören wir auch euch im Namen unseres Gottes, wacker zu sein als gute Streiter für seine Wahrheit und für Seine Kirche. Steht fest im Glauben, in der Erfüllung eurer Pflichten, wehret den Gottlosen, reinigt eure Höfe von Laster und Verderben; rufet in euren Dienst rechtschaffene, gläubige und gottesfürchtige Männer. Tuet Gutes den Guten, Böses aber den Übeltätern; denn Ihr traget das Schwert nicht umsonst. Aber vor allem gedenkt, dass ihr verpflichtet seid, die Kirche Christi zu schirmen und zu stützen. Darum beschwören wir Euch: gebet sie nicht zum Raube den boshaftigen Angriffen der Menschen, und duldet nicht, unter welchem Vorwande immer, dass sie sie zerstückeln und zerstören, sondern erkennt sie an und haltet sie aufrecht in ihrer gebührenden Stellung und ihren Rechten; und unterwerfet euch in geistlichen Dingen denen, die in dem Herrn über euch stehen, wie über allen Getauften. Und wenn Er nun Seine ursprünglichen Ordnungen für geistliche Regierung und Gewalt wieder aufrichtet, fürchtet euch nicht, sie anzuerkennen. Vielmehr, soweit euch rechtmäßige Macht und Einfluss zusteht und Euer Beispiel reicht, helfet mit, dass Gottes Werk ausgerichtet werde und Sein Segen ungehindert zu Seiner Kirche gelangen könne, denn das ist der einzige Weg der Rettung für euch und Euer Volk. Es gibt kein menschliches Schutzmittel gegen den Sturm, welcher über euch hereinbrechen wird. Es gibt keine Rettung mehr vor dem kommenden Übel, als hinweggenommen zu werden, hinaufzusteigen auf den Berg Gottes, und zu warten und zu eilen auf die Zukunft des Tages des Herrn, wozu dieses Werk die einzige Vorbereitung ist!
Alles dies haben wir gesucht, euch getreulich und wahr darzulegen, nicht ohne die Huldigung und Ehrerbietung, mit der uns gebührt euch zu nahen. Was uns betrifft, so ist es ein Geringes, ob wir gerichtet werden von einem menschlichen Tage; wir wissen, dass Gott das, was Er sich vorgesetzt hat, auch ausführen wird, gleichviel, ob durch uns hier oder durch andere. Aber um euretwillen, ihr Gesalbten, um eurer Mutter, der Kirche, und um der Kinder Gottes willen unter all den Völkern, über die ihr in geistlichen und weltlichen Dingen herrschet; um des Wohles der Welt willen, deren Hoffnung hierauf beruht, bitten wir euch noch einmal, Gottes Botschaft der Wahrheit, die wir euch bringen, anzunehmen. Ob ihr glaubt oder nicht, ob ihr uns als Gottes Boten aufnehmt oder nicht, wir kennen den Auftrag, den Er uns gegeben, und den wir nicht unterlassen dürfen auszurichten. Und unser Beruf, den wir mit der Hilfe unseres Gottes festhalten wollen, ist vor allem: anzuhalten mit beständigem Gebet, mit wirksamer Fürbitte für die ganze Kirche Gottes, für die ganze Haushaltung des Glaubens, für alle Herrscher der Christenheit samt allen Ständen und Lagen der Menschen innerhalb derselben! -
Gott aber, der allmächtige Vater, der die Herzen der Menschen in Seiner Hand hält und sie in Seiner unfehlbaren Weisheit lenkt und leitet: gebe Euch die Erkenntnis und vollbringe in Euch das Wohlgefallen Seines Willens. Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, Eures Heilandes, erfülle Euch mit allem Segen Seiner Güte. Der Heilige Geist, der Tröster, der Geist des Vaters und des Sohnes, leite euch jetzt und immerdar bis an das Ende in Seinem vollkommenen Wege, zur Ehre Gottes und zum Heile Eurer Seelen und der Seelen Seines ganzen Volkes. Amen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste: wie es war im Anfang, so jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
Quelle:
E.A. Roßteuscher,
Aufbau der Kirche Christi, 2.A. 1886
© church documents, Beerfelden Oktober 2004
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