Je
stärker wir in unserem Glaubensleben und im kirchlichen Leben nur konfessionell
denken und handeln, desto mehr sind wir dem Irrtum offen und wir können
an der Fülle geistlichen Lebens, die der HErr Seiner ganzen Kirche gegeben
hat, nicht teilnehmen. (Ernst Kauffmann)
In der heutigen Zeit ist nur noch den wenigsten Menschen bekannt, wer oder was die “katholisch-apostolischen Gemeinden” waren bzw. heute noch sind. Literatur aus oder über diese Bewegung ist ebenfalls nur schwer erhältlich und oft nur noch in entsprechenden Bibliotheken zu finden.
Mit den nachfolgenden Seiten wollen wir helfen, den Hintergrund und das Anliegen der katholisch-apostolischen Gemeinden etwas zu erhellen und den Einstieg in die Schrift-Ausgaben der "edition albury collection" zu erleichtern.
Mancherlei Gründe für geistliche Erweckungen Anfang des 19. Jahrhunderts in England, Schottland und Deutschland sind gesucht und gefunden worden, sowohl gesellschaftliche als auch kirchlich-religiöse. Der neu entbrannte Glaubenseifer wurde als Reaktion auf die Französische Revolution und ihre Folgeerscheinungen angesehen, aber auch als Reaktion auf die kirchliche Situation der Spaltungen in viele Kirchen“ab“teilungen, der Zerstrittenheit der Theologen und der Gleichgültigkeit der Christen.
In einer kleinen Gruppe von Kirchenmännern und Bibelgelehrten, die sich in Albury/Surrey versammelten, entstand das Verlangen, unterstützt durch Weissagungen, nach der Wiedereinsetzung der ursprünglichen urchristlichen Ämter, die des HErrn Wiederkunft verkünden würden.
Ein Wort der Prophetie nach dem anderen erschloss sich jenen, die Gott als Seine Apostel vorgesehen und berufen hatte, bis ihre Anzahl die mystische Zahl „Zwölf“ erreicht hatte und sie am 14. Juli 1835 für ihre Arbeit ausgesondert wurden.
Von London und Albury, ihrem geistlichen Zentrum aus, trugen sie die ihnen von Gott gegebene Botschaft in die Christenheit. Obwohl viele ihr Zeugnis annahmen und die vollkommenen Ordnungen der Gottesdienste in vielen Ländern eingeführt wurden, so wies doch das Christentum als Ganzes gesehen ihr Zeugnis zurück. Obwohl viele durch Apostolische Handauflegung „versiegelt“ wurden in der Erwartung des Tages, an dem der HErr Seine Toten auferwecken und die lebenden Heiligen verwandeln würde, erreichte ihre Botschaft nur wenige.
Die Apostel mahnten die Christenheit zur Wachsamkeit und Zubereitung auf die Wiederkunft Christi, die nahe bevor stehen würde, überließen jedoch Zeit und Stunde allein Gott.
So löste eine Generation die andere ab, und die Apostel entschliefen wie die Apostel am Anfang. Koadjutoren wurden gewählt, um die Arbeit jener zu unterstützen, die zurückblieben. Aber auch sie gingen ein zu ihrer Ruhe, bis schließlich am Ende des 19. Jahrhunderts nur noch der betagte Apostel Francis Valentine Woodhouse und seine Koadjutoren Dr. Isaac Capadose und Edward Heath übrigblieben.
Am Sonntag Septuagesima, dem 3. Februar 1901, lag Francis Valentine Woodhouse, das letzte überlebende Mitglied des Apostelkollegiums, in Albury im Sterben. Auf der anderen Seite des Kiesweges gegenüber von den efeubedeckten Giebeln des Farmhauses waren Priester der Universalkirche in der Apostel-Kapelle, um das Heilige Abendmahl zu feiern. Bezeichnenderweise bestand an jenem Tage die Hymne, welche in der Oktave der Darstellung im Tempel enthalten war, in den Worten:
„Herr, nun lässest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hast; Denn meine Augen haben Deinen Heiland gesehen...“ Lukas 29, 30
Das heraufziehende 20. Jahrhundert stellte nun, mit den Tod des letzten Apostels, die Gemeinden, die durch die Apostel gesammelt wurden, vor einer großen Veränderung, als nämlich das Zeugnis, das sie in den vergangenen Jahren so kühn getragen hatten, zunehmend verstummte.
Die Gottesdienste und Ordnungen sollten in der Folgezeit beschnitten werden, und die durch prophetisches Wort angekündigte „Stille im Himmel bei einer halben Stunde“ (Offb.) sollte lebendige Gemeinden und Kirchen in leere Schreine verwandeln.
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