Die HomilieNach dem Bericht im 2, Euch Mose (Exodus), Kapitel 25,24f befahl Gott der HErr dem Moses, um den Schaubrottisch einen goldenen Kranz zu machen. Wir wissen, dass alles in der Stiftshütte Schattenbild von himmlischen Gütern war. Der Schaubrottisch ist in der höchsten uns darüber bekannten Bedeutung ein Bild von Christus unserem HErrn, als dem wahrhaftigen Brote vom Himmel (so wie der goldene Räucheraltar Ihn als den Fürbitter bei dem Vater abschattet, und der goldene Leuchter als das Licht des Lebens).
In der Gemeinde auf Erden, den Gliedern Seines Leibes, will unser hochgelobtes Haupt sich offenbaren. Jedes dieser Schattenbilder muss folglich in der Gemeinde seine Verwirklichung haben. Ohne ins einzelne zu gehen, beschränken wir uns jetzt auf die Bedeutung des Schattenbildes des Schaubrottisches in der heiligen Eucharistie (dem Gedenkopfer vor dem Angesicht des HErrn; siehe 2. Mose 25,30 und 3. Mose 24,59, und der Speisung mit dem Brot des Lebens).
Der goldene Kranz am Schaubrottisch ist das Schattenbild des dem eucharistischen Dienste angemessenen Zierrats geistlicher Zusprache. Der Kranz war nicht etwas Selbständiges oder Getrenntes, sondern musste genau der Form des Tisches folgen ("umher"); er musste mit dem Tische ein Ganzes bilden. So muss die Homilie mit dem Dienste der Eucharistie im Zusammenhang stehen. Der Hauptzweck der Eucharistie - und deshalb auch der Homilie - ist nicht die Belehrung der Gemeinde, sondern die Anbetung Gottes. Diesen Hauptzweck darf der Homilet nie aus dem Auge verlieren. Hat er etwas zur Ermahnung, Ermunterung oder Zurechtweisung der Gemeinde auf dem Herzen, so ist die Homilie in keiner Weise der Platz dazu. Das eherne Waschfass, welches unter anderem die "Reinigung mit dem Wasserbade des Wortes" abschattet (Eph. 5,26) stand in dem Vorhof. Aber der Schaubrottisch stand nicht da, sondern in dem Heiligen. Dies gibt einen tiefen Wink für den Geist der Homilie.
"Solches tut zu Meinem Gedächtnis!" - "Verkündet den Tod des HErrn, bis dass Er kommt?" - Das sind die Hauptlinien des Darstellungstisches, - die Hauptgedanken des eucharistischen Dienstes. Der Homilet strebe also danach, was Paulus nennt- "Jesum Christum vor die Augen zu malen" (Gal. 3,1). Hier ist nicht der Platz, um die Gemeinde zur Einkehr in sich selbst zu führen, sondern vielmehr sie anzuleiten, aufzuschauen auf "Jesum allein" (Matth. 1'7,8), auf das Lamm, wie es geschlachtet war (Off. 5,6), auf Ihn, den Hohenpriester vor dem Angesicht Gottes mit dem Blute, das nicht wie Abels Blut um Rache schreit, sondern von einer für ewig vollbrachten Erlösung redet.
Die Homilie wende sich also
es sei vielmehr ihr Ziel, den Geist allem Irdischen zu entrücken und ihn ganz in das himmlische Heiligtum zu versetzen,
Wer die Homilie in ihrem unzertrennlich engen Verband mit dem ganzen eucharistischen Dienst anschaut, wird nicht leicht auf Dinge verfallen, die zu anderen Zeiten sehr nützlich und notwendig sein können, hier aber gänzlich an unrechter Stelle und unpassend sind, nämlich belehrende Winke und Ermahnungen, die unseren Wandel auf Erden betreffen.
Bekannt sind die Worte, welche Herr Woodhouse vor einigen Jahren über diesen Gegenstand schrieb: "Eine Homilie ist eine Vorbereitung zur Feier der heiligen Eucharistie, zur heiligen Anbetung Gottes in derselben und zur Teilnahme an der heiligen Kommunion. Sie sollte nicht länger als 10, höchstens 15 Minuten dauern. Ihr ziel ist nicht, den Verstand zu beschäftigen, sondern den Geist für die unmittelbar folgende hochheilige Handlung der Anbetung zu wecken und vorzubereiten. Sie muss trachten, Epistel und Evangelium oder einen dieser zwei Schriftabschnitte mit der heiligen Eucharistie in Verbindung zu bringen. Wird dieses Ziel nicht angestrebt, so wird die Homilie, anstatt ein Hilfsmittel für die Anbetung, viel eher eine Störung sein. Es ist besser, ganz und gar keine Homilie zu haben, als eine, die durch ungebührliche Länge oder durch unpassenden Inhalt den Geist der Anbetung abschwächt und stört."
Es sei also dem Homileten empfohlen, beim Schreiben seiner Homilie, Epistel und Evangelium zu lesen und innerlich zu verarbeiten (verdauen), nicht um daraus Lehren für die Gemeinde zu sammeln, noch viel weniger, um darüber etwas Neues und Schönes zu sagen, sondern um Jesum Christum darin zu sehen als den in vollkommener Liebe von der vollkommenen Liebe zu uns hernieder Gekommenen und, für uns Lebenden, und Ihn in dieser Gestalt der Gemeinde vorzustellen.
Die Homilie sei die Frucht nicht von tiefsinnigen Gedanken, sondern von dem bittenden, anbetenden Geiste, ja die Frucht der Salbung mit Freudenöl. Himmelsluft wehe daraus der Gemeinde zu, Atem Gottes, Sonnengold von der Sonne der Gerechtigkeit, vor der alle irdischen Nebel weichen, damit nichts den Blick in das Allerheiligste zu dem Thron der Gnade behindere.
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