In den alten Sakristeien
fand ich genaue Listen, wie sie alle in der Kirche gesessen haben und fand so
viel liebe Namen längst heimgerufener teurer Diener, unter denen auch viele
unseren Familien angehörten, wie z. B. Pastor Karl Wagener, der Mann der
Schwester meines Vaters, oder meines Onkels Gotthard v. Richthofen, dann meines
Großvaters Sir Georg Hewett. Auch all die anderen Namen las ich: Dr. Paul
Wiegand, Pastor Albrecht und wie sie alle hießen. Besonders sahen meine
Augen auf den Namen meines Onkels Max v. Pochhammer, der durch die aus den bunten
Sakristeifenstern hereinfallenden Sonnenstrahlen zu glänzen schien, und
es viel mir ein Wort der Heiligen Schrift ein: „Ihre Lehrer werden leuchten
wie des Himmels Glanz.“
Wir gingen dann noch in den Konziliumssaal. Das Konziliumsgebäude war schon einige Jahre vor Erbauung der Apostelkapelle errichtet worden. Es ist dies ein achteckiger Raum, in dem die Apostel mit ihren Coadjutoren und den Dienern der allgemeinen Kirche die Ratsversammlungen abzuhalten pflegten. In der Mitte befindet sich ein achteckiger Tisch. Um ihn herum waren die Sitze für die Apostel angeordnet, und zwar derart, dass an sechs Seiten je zwei Apostel saßen. Hinter jedem dieser Sessel sind längs der Wand weitere Sitze vorgesehen für etwa anwesende Diener der allgemeinen Kirche aus jedem der zwölf Stämme.

Dort lagen noch die alten Liturgien und Bibeln an jedem Platz der Zwölf und der anderen Diener. Man sah sie im Geist an dem großen Tisch sitzen, an dessen oberem Ende eine besonders große Bibel lag. Wieder war es so, als seien sie eben nur aufgebrochen. Die Zeit schien einen Augenblick stillzustehen, und ich dachte an das, was mein geliebter Vater mir oft sagte: „Alles Irdische vergeht, unveränderlich ist nur das Ewige.“ Fast glaubte ich den Flügelschlag des Engels der Unendlichkeit zu hören, und die Wort aus Offenbarung 5 kamen in meinen Sinn: „Da vielen die vier Tiere und die 24 Ältesten nieder vor dem Lamm und hatten ein jeglicher goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebote der Heiligen, und sangen ein neues Lied“, und Vers 11: „Und ich sah und hört eine Stimme vieler Engel“, so wunderbar wird es klingen, das neue Lied, wenn Gott abwischen wird alle Tränen von ihren Augen, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein, denn das erste ist vergangen.

Ich habe dann den Herrn gebeten, mich ein Wort für diese Stunde finden zu lassen und schlug die große Bibel des Konziliums auf und fand die Stelle aus Klagelieder Jeremia: „Oh du Mauer der Tochter Zion, lass Tag und Nacht Tränen herabfließen wie einen Bach, höre auch nicht auf und dein Augapfel lasse nicht ab.“

Wir sind dann still durch die schöne Kirche he-rausgegangen; draußen aber jubelten und sangen die Lerchen und blühten Hunderte von leuchtenden Frühlingsblumen, Daffodils, Himmelsschlüssel und Anemonen, und die wilden Kirschen ließen ihre schneeigen Blüten auf den grünen Rasen fallen und umsäumten dieses stille Fleckchen Erde. Über den Bäumen und Sträuchern lag jener erste duftige Schleier. „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, dann werden wir sein wie die Träumenden.“

Bild 14: Apostelkirche, Konziliumssaal, Lyne Cottage und Cookes Place
Bild 15, 16, 22, 24, 25, 27 und 27: Apostelkirche
Bild 17 und 21: Sakristei
Bild 18: Diakonenstube
Bild 19, 20 und 23: Konziliumssaal
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