Text nach Amarant von König, Rendsburg 1951
Wenn ich auch vielen von Ihnen nicht bekannt bin, so wage ich es dennoch, diesen Bericht herauszugeben, und ich darf hoffen, daß er Ihnen allen ein Trost sein wird, auch wenn er vielleicht manches Wehmütige enthält.
Damit Sie wissen, wer die Schreiberin ist und warum diese nach England fuhr,
möchte ich mich Ihnen zuerst etwas vorstellen: Ich heiße Amarant
von Koenig und bin eine geborene von Richthofen und stamme aus Schlesien. Mein
Vater, Ernst Freiherr v. Richthofen, war Engel der Gemeinde von Liegnitz. Mein
Onkel, Gotthard v. Richthofen, ist wohl vielen von Ihnen bekannt, weil er hier
in Westdeutschland viele Evangelistenvorträge gehalten hat. Seine zweite
Frau war die Schwester meiner Mutter. Meine Großeltern v. Richthofen kamen
zu Gottes Werk durch den Bruder meiner englischen Großmutter, der Lady
Hewett. Ihr Bruder war mein Großonkel Max v. Pochhammer, ihr Mann Sir
Georg Hewett, der spätere Coadjutor.
Meine
Mutter, Helga Freifrau v. Richthofen, geb. Hewett, lebt nun, seitdem wir unsere
geliebte schlesische Heimat und allen irdischen Besitz verloren haben und als
Flüchtlinge nach Westdeutschland kamen, wieder in England, wohin sie ihr
vor drei Jahren noch lebender Bruder, Sir Harald Hewett, kommen ließ.
Die beiden alten Geschwister sind aber nur noch ein halbes Jahr zusammen gewesen,
dann wurde auch er heimgerufen. Meine Mutter lebt nun mit ihrer Schwiegertochter,
der Witwe unseres verstorbenen Bruders, in dem kleinen Haus meines Onkels, 8.
Rockingham Road in Newbury/Berkf. Sie wird im nächsten Jahr, will’s
Gott, 90 Jahre alt.
Ich bin nach England gefahren, um die geliebte Mutter noch einmal wiedersehen zu dürfen. Die dort mit ihr verlebten Wochen waren eine Zeit der Erquickung und des Segens, wenn auch ihre Gedanken fast nur in der Vergangenheit weilten, in der lieben schlesischen Heimat, nach der ihr Herz sich sehnt. „Früher, als ich als junges Mädchen und [SEITE 4] junge Frau nach Deutschland kam, habe ich nur englisch beten können, jetzt muss ich nur deutsch beten“, sagte sie meinem Mann und mir in diesen Wochen. Der Abschied war sehr schwer und schmerzlich, doch blieben wir tapfer und getrost und warten, dass unsere selige Hoffnung sich bald erfüllen wird. Dankbaren Herzens denken wir an alles in England in diesen Wochen Gesehene und Erlebte zurück. Ich will Ihnen von dem erzählen, was mir den tiefsten Eindruck gemacht hat – Albury. Und ich werde es vor mir sehen, dieses liebliche Tal, umsäumt von leicht ansteigenden waldigen Höhenzügen, den Downs genannt, in dieser so eigenen und doch so zauberhaft schönen englischen Weidelandschaft. Die friedliche Abgeschlossenheit des Ortes sollte nicht gestört werden, deshalb sollte auch der Eisenbahnverkehr ferngehalten, und die für Albury bestimmte Bahnstation liegt in dem Nachbarort Chilworth.
Nur
wenige Wege ziehen sich in leichten Windungen durch die verträumte Landschaft,
die Häuschen liegen meist versteckt im Grünen, abseits der von Hecken
umsäumten Wege. Schon von weitem sieht man auf einem der Hügel die
berühmte alte Wallfahrtskirche St. Martha liegen, zu der vor hundert Jahren
Pilger von weit her kamen. Albury war auch durch seine seltenen Blumen bekannt.
Bild 1: Albury
Bild 2: The Silent Pool
Bild 3: Blick von St. Martha
Bild 4: Blick von St. Martha
Bild 5: St. Martha
Bild 6: Blick von St. Martha
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