Henry Drummond,

geb. 1786 - gest. 1860
Apostel für Schottland und die Schweiz

Drummond, H. war von adligem Geschlecht, geboren auf dem Gute "The Grange" bei Southampton. Durch den frühen Tod seines Vaters wurde er Mitbesitzer eines bedeutenden Bankunternehmens, und in seines Großvaters, Lord Melvilles, Haus wurde er mit den damaligen ersten Staatsmännern und Politikern Englands bekannt. D. begann zeitig sein Leben und Vermögen für die allgemeine Wohlfahrt und besonders für religiöse Zwecke einzusetzen. 1819 kaufte er den Herrensitz Albury Park, wenige Meilen südlich von London. Er war zweimal Mitglied des englischen Parlaments, 1810-11 und 1847-60. Am meisten von allem lag ihm der Unglaube der Zeit und die betrübende Zunahme der Gottlosigkeit am Herzen. 1818 gründete er die Festlandgesellschaft zur Bekämpfung des Unglaubens; 15 Jahre hindurch sandte diese viele Priester und Prediger aus, um innere Missionsarbeit in Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Skandinavien zu treiben. 1826-30 lud Drummond in der ersten Woche des Advents etwa 40 Geistliche und Laien zur Zusammenkunft zu sich ein, um in den prophetischen Schriften zu forschen und sich mit ihnen im Gebet um das Kommen des Herrn, die Ausgießung des Heiligen Geistes und die Wiederherstellung des Volkes Israel zu vereinigen. Er gab selbst einen Bericht darüber heraus: "Gespräche über Prophetie", und als die Zusammenkünfte aufhörten, wurden die Erörterungen der Freunde über diese Dinge in der Zeitschrift "Die Morgenwache" mitgeteilt, welche er 1829-33 herausgab. Unter diesen Mitarbeitern waren der berühmte Judenmissionar Josef Wolff, dessen Reisen D. aus eigenen Mitteln bestritt, und Edward Irving.

Als Drummond sich der geistlichen Erweckung an-schloss, die von Schottland aus in London sich ausbreitete und diese eine Zufluchtsstätte in Cardales, Irvings und andern gläubigen Kreisen fand, wurde der Kirch-spielpfarrer Hugh Mc Neile, welcher vorher die prophetischen Zusammenkünfte geleitet hatte, ihm gegenüber feindlich gestimmt, und predigte gegen das Werk des Herrn in der Kirche. Der kleine Kreis in Albury vereinigte sich nun zu besonderen Gebetszusammenkünften um die Ausgießung des Heiligen Geistes und, ausgeschlossen voll der Abendmahlsgemeinschaft in der englischen Kirche, wurden dort bald prophetische Worte kund, dass dieser Kreis von dem Herrn auserwählt war, die erste geistliche Gemeinde unter Aposteln in unsern Tagen zu sein. Sowohl Drummonds Frau, Lady Henrietta, als auch seine Tochter Louisa (später mit dem Herzog von Northumberland verheiratet) waren unter den Frauen, welche die Gabe der Weissagung hatten.

Am 26. Dezember 1832 wurde Drummond, welcher vorher durch Prophetenmund dazu berufen war, als En-gel der Gemeinde von Albury geweiht, und als solcher wirkte er vier Jahre, auch nachdem er am 25. September 1833 durch den Geist als Apostel bezeichnet war. In der folgenden Zeit des geistlichen Wiederaufrichtungswerkes stand er eifrig Cardale zur Seite. Am 21. März 1834 gründeten sie die Hauptgemeinde in Edinburgh. Und bei der Teilung der Stämme 1836, welche infolge einer Offenbarung durch diesen Apostel erfolgte, fielen Schottland und die Schweiz der Fürsorge Drummonds zu. Im Sommer 1838 übergab er zusammen mit Perceval und Woodhouse das katholische Testimonium dem Papst in Rom und dem Kaiser von Österreich. Von 1847 bis zu seinem Tode nahm er die Sorge für den Stamm Frankreich in Abwesenheit des Apostels Dalton wahr. 1849 gründete er die Gemeinde in Basel, 1850 die Gemeinde in Paris; 1856 übernahm er in Ulm und Basel die ersten von den aus Bayern vertriebenen römisch-katholischen Priestern, J.E.G. Lutz und seine Gefährten, zum Dienst im Werke des Herrn unter Aposteln.

Im Jahre 1840 baute Drummond die Kapelle der Apostel in Albury. Drei Jahre später errichtete er eine neue Pfarrkirche und schenkte sie der Pfarrgemeinde. Da er als Gutsbesitzer Kirchenpatron war, hatte er das Recht, den Ortspfarrer zu wählen. Nach Mc Neile's Abreise wirkte in dieser Stellung John Hooper, einer der Teilnehmer aus den Zusammenkünften 1826-30, der sich dem Werk des Herrn unter Aposteln anschloss, aber die ganze Zeit fest auf seinem Platz in der Staatskirche blieb.

Im Parlament gehörte Drummond zu den angesehensten Rednern, und er sprach sich besonders über diakonale Fragen aus: Bedingungen der Religion im Gemeinschaftsleben, Verhältnis zwischen Kirche und Staat, Stellung der Juden, Ehe usw. Er war ein unermüdlicher Kämpfer gegen die Kinder- und Frauenarbeit in den Fabriken und Bergwerken. Und ebenso unermüdlich in der Abwehr der Ansprüche Roms. Sein großes Interesse für gründliche politische Aufklärung und das Studium als Gegengewicht für die Oberflächlichkeit der Zeit hat sich auch schon darin gezeigt, dass er im Jahr 1825 die erste Professur in Nationalökonomie an der Universität in Oxford errichtete.

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